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Test: Soundmodul ATV aD5

Gute Idee, jedoch ausbaubar

Soundmodul ohne passende Trigger-Pads? Hier muss die Adaptierung passen, ob und wie genau, erfährst du im Test.


Gute Idee, jedoch ...

Mit dem aD5 hat der Hersteller ATV ein E-Drum-Soundmodul auf den Markt gebracht, welches für individuelle Zusammenstellungen eines E-Sets vorgesehen ist. Es gibt keine zugehörigen Trigger-Pads, also benötigst du entsprechende, deren technisches Funktionsprinzip durch das Soundmodul auch unterstützt wird. Oder besser gefragt: Was hat das Soundmodul an Bord zur optimalen Adaptierung verschiedener Trigger-Pads bzw. Triggersystemen? Wir haben es getestet …

Nach Angaben des Herstellers hat das ATV aD5 eine „emotionale Power, welche sich durch die Beschreibung von Funktionen oder Spezifikationen nicht vermitteln lässt“ und nennt dies „Artware“. Angeboten wird das Soundmodul derzeit für 999 Euro (Thomann).

Das macht neugierig …

Schon beim Auspacken des ATV aD5 fällt die edle Optik und für die Größe das beachtliche Gewicht (1,1 kg) auf. Das Soundmodul besitzt ein hochwertiges Metallgehäuse mit silberner Oberseite und schwarzem Unterteil. Auf der Oberseite befinden sich ein kleines Display und mehrere symmetrisch angeordnete Bedienelemente. Direkt um das Display sind beleuchtete rechteckige Gummiknöpfe angeordnet, deren Funktionen abhängig vom jeweiligen Menüpunkt der Software sind.

Auf der Rückseite liegen die Anschlüsse für Stromversorgung, USB und Netzwerk, Multi-Trigger, zweimal AUX für zusätzliche Trigger mit 6,3 mm Stereo-Klinke, zweimal Audio-Output mit 6,3 mm Stereo-Klinke und ein SD-Karten-Slot. Auf der Vorderseite findest du noch den Anschluss für einen Kopfhörer. Alles sehr solide ausgeführt.

Die Unterseite beinhaltet die Optionen zur Befestigung an einer Rackklammer mit einem mitgelieferten Fußadapter bzw. ein Gewinde zur direkten Montage auf ein Mikrofonstativ. Auch Hardware und Haptik vermitteln insgesamt einen soliden Eindruck.


Zur Testumgebung

Für den Test des Soundmoduls wurde ein drum-tec Diabolo-Set mit einer Pro-Snare 14", Roland Becken und VH11-Hit-Hat verwendet. Zum Abhören diente das 2.1-Monitor-System Yamaha MS50DR und ein beyerdynamic DT-770-Kopfhörer. Als Testumgebung zur Aufzeichnung der Demo-Tracks wurde eine leistungsstarke Quad-Core-DAW mit Windows 7, Cubase 8 und RME Fireface 400, zur Ansteuerung von VTSi-Plug-Ins Addictive Drums 2 und Superiordrummer 2 verwendet.


Diese Triggerzonen werden unterstützt. Quelle: ATV aD5 Reference Giude V.1.10 Seite 26

Anschluss von Trigger-Pads

Die Trigger-Pads werden mittels der mitgelieferten Kabelpeitsche am Multitrigger Eingang – wie man es von einigen Roland Soundmodulen kennt – angeschlossen. Die Anschlussmöglichkeiten beinhalten Bassdrum, Snare, dreimal Tom, einmal Crash sowie einmal Ride (mit Ride-Bell für Roland-Ride), Hi-Hat und Hi-Hat Controller. An den beiden zusätzlichen Aux-Eingängen können zusätzliche Bassdrum, Snare, Tom- oder Becken angeschlossen werden.

Welche Trigger-Pads werden nun unterstützt? Aufschluss gibt diese Tabelle: ATV aD5 pad compatibility (Version 1.10). Aber eigentlich relevant ist, welche Triggerzonen tatsächlich unterstützt werden. Aufschluss hierüber findest du im Referenzguide (Version 1.10) auf Seite 26. Hinweis: Die Links im und zum Referenzguide werden ständig aktualisiert. Daher unbedingt auf der Support-Seite unter Downloads zum jeweiligen Thema abtauchen:
http://www.atvcorporation.com/en/products/drums/ad5/support.html#tab

Auch wenn die Tabelle der unterstützten Trigger-Pads nach viel aussieht, bei genauerem Hinsehen stellt man fest, dass der Umfang der Unterstützung der verschiedenen Triggerzonen im Vergleich zum Wettbewerb tatsächlich geringer ausfällt.

Bei Snare-Pads mit Dual-Trigger-Technologie (Piezo für Head und Piezo für Rim) wird die Option angeboten, auf dem Rim in Abhängigkeit des Signalpegels einen Crossstick- oder Rim-Sound auszulösen. Die Funktionen eines Dreizonen-Pads von Yamaha werden ebenfalls unterstützt. Bei den Toms hingegen werden nur die Head-Trigger unterstützt, bei Ride und Hi-Hat ausschließlich Roland-Produkte.

Hier wird nun der erste gute Eindruck doch etwas getrübt, denn ein stimmiges Trigger-Pad-Set ist tatsächlich nur mit Roland-Produkten (und Kompatiblen) möglich, mit der Einschränkung, dass bei den Toms die Rim-Funktion nicht unterstützt wird.

In diesem Punkt präsentiert sich das Soundmodul folglich schlechter als der Wettbewerb und erfüllt definitiv nicht die Erwartung, wenn man sich Trigger-Pads anderer Hersteller bedienen muss.

Inbetriebnahme des ATV aD5

Beim Einschalten des Gerätes wird am Audioausgang ein sehr unschönes Knacksgeräusch ausgegeben. Daher unbedingt das Lautsprechersystem nach dem Soundmodul einschalten und im Falle der Verwendung eines Kopfhörers diesen vorher ausstöpseln, denn den Lautstärkeregler auf Null zu drehen verhindert das laute Knacksen nicht.

Die Menüstruktur ist dank der individuell belegten beleuchteten Funktionstasten einfach in der Handhabung und auf der obersten Ebene gut organisiert. Bei den tieferen Menüebenen wird die Organisation der Menüpunkte zunehmend unstrukturiert. So befinden sich beispielsweise unter dem Menüpunkt „Inst.“ Einstellungen, die man typischerweise unter „Inst. Edit“ erwartet. Im Falle des Editierens muss man folglich zwischen beiden Menüpunkten ständig hin- und herwechseln. Nach einer Weile der Eingewöhnung findet man sich aber dennoch gut zurecht. Dies liegt aber auch am geringen Funktionsumfang des Gerätes (siehe Hinweise und Zusammenfassung).

Da das Testgerät eines der ersten ausgelieferten Geräte war, entsprach der Firmwarestand der Version 1.01. Zwischenzeitlich stellte der Hersteller die Version 1.03 zur Verfügung, mit der auch die MIDI-Funktionalität bereitgestellt wird. Das Firmware Update ließ sich entsprechend der Beschreibung des Herstellers problemlos durchführen. Jedoch wird hierzu eine SD-Karte benötigt. Das Update via USB-Kabel ist derzeit nicht möglich.

Trigger Setup Wizard

Nun galt es, das Soundmodul mit den verwendeten Trigger-Pads abzugleichen. Zur individuellen Anpassung der verwendeten Trigger-Pads stellt das Soundmodul einen „Trigger Setup Wizard“ zur Verfügung. Hier wird zunächst durch Anschlagen des Pads der Trigger-Input gewählt, den es abzugleichen gilt (z.B. Snare).

In der Herstellerauswahl befinden sich derzeit Roland, Yamaha und drum-tec – in der Auswahl der Trigger-Pads die jeweilig gängigen Produkte der Hersteller.

Nach der Auswahl des Herstellers und dem entsprechenden Trigger-Pad wirst du durch das Menü des Trigger-Wizzards geführt. Durch drei leichteste und drei festeste Schläge auf den „Head“, gefolgt von drei festesten Schlägen auf den „Rim“ wird die Dynamikbandbreite des Trigger-Pads analysiert. Im Weiteren kannst du die Trigger-Vollaussteuerung und Triggerkurve anpassen. In den folgenden Menüpunkten lässt sich Threshold und je nach verwendeten Padtyp Rim-Adjust bzw. Zoneselect sowie die Zuordnung der MIDI-Noten ändern.

Die Praxis
Im Test hat sich gezeigt, dass bei allen Triggereingängen nach dem ersten Justieren des Trigger-Wizzards die Vollaussteuerung erheblich nachjustiert werden musste, da dies mit der Analyse der Dynamik nicht erreicht wurde. Man muss erst etwas Gefühl für das Verhalten des Wizzards entwickeln, um eine brauchbare Aussteuerung zu erhalten. Ein Nachjustieren mittels der Parameter „Sensitivity“ und gegebenenfalls „Threshold“ war in allen Fällen erforderlich.

Positiv zu erwähnen ist, dass der „Threshold“-Parameter auch in den negativen Bereich verändert werden kann. Falls beim Durchlaufen des Trigger-Wizzards die leichtesten Schläge doch zu fest ausgefallen sind, kannst du nachjustieren und die Empfindlichkeit für die leichtesten Schläge erhöhen. Eine Veränderung mit Rim-Adjust hat keine Verbesserung gegenüber dem Ergebnis des Trigger-Wizzards gebracht.

Leider fehlen auch noch manche Möglichkeiten zur individuellen Anpassung. So fehlt zum Beispiel für Dual-Trigger-Snares die Möglichkeit, den Schwellwert zur Erzeugung eines Rimshot- oder Crossstick-Sounds individuell anzupassen. Ebenso fehlt der Parameter „Re-Trigger-Cancel“ zur individuellen Unterdrückung bei mehrfachen Triggern etc. …

Der Trigger-Wizzard ist an sich eine gute Idee, die aber noch nicht optimal funktioniert. Obwohl man einen Padtyp vorwählt, muss der Trigger-Wizzard durchlaufen werden. Derzeit werden bei der Auswahl des Padtyps lediglich die Zonen identifiziert und im Falle eines Dual-Trigger-Snare-Pads der Schwellwert zum Wechseln zwischen Rimshot- oder Crossstick-Sound festgelegt.

Verwendest du ein Trigger-Pad, welches nicht in der Produktliste aufgeführt ist, musst du auf Verdacht eines wählen, welches dem von dir verwendeten Trigger-Pad am ehesten entspricht. Relevant sind primär Triggerzonen, Triggertype (z.B. Piezo/Piezo oder Piezo/Switch) und Durchmesser.

Hinweis
Eine Anpassung der Klangeigenschaften eines Drumkits sowie der einzelnen Instrumente ist auch nicht möglich. Es gibt keine Equalizer, keinen Kompressor etc. … und auch keine Möglichkeit, den Raumcharakter und dessen Anteil zu verändern.

Sind alle Triggereinstellungen abgeglichen, muss leider festgestellt werden, dass die Lautstärke der einzelnen Instrumente sehr unterschiedlich ausfällt. Hier ist es erforderlich, zunächst den Lautstärkepegel jedes einzelnen Sounds anzupassen. Erst danach ist die E-Drum spielbereit. Für den Test wurde der Abgleich auf Basis des Kits „Vintage Studio“ durchgeführt.

Sounds und Spieleindruck

In der Grundausstattung des Gerätes befinden sich fünf Kits zur Auswahl. Eigene Kit-Zusammenstellungen sind auch möglich. Für jedes Instrument gibt es ein kleines Portfolio an verschiedenen Soundcharakteren. Die mitgelieferte Instrumenten-Auswahl ist jedoch sehr begrenzt.

Beim Anspielen fallen zwei Dinge sofort sehr positiv auf:
1. Sehr gute Dynamik und schnelles Ansprechverhaltenen und 2.: Die Sounds sind generell unkomprimiert, tendenziell sehr akustisch gehalten und besitzen alle etwas Raumanteil.

Diese können durchaus gefallen – sind jedoch letztlich Geschmackssache. Aber, hört selbst …

Um eine optimale Vergleichbarkeit sicherzustellen, wurden mit Spielen des Kits „Vintage Studio“, welches als Referenz diente, die MIDI-Daten drei verschiedener Grooves mit allen zur Verfügung stehenden Artikulationen (außer Crossstick) aufgenommen. Anschließend wurden die MIDI-Daten dieser Grooves an das Soundmodul gesendet und mit jedem der zur Verfügung stehenden Kits die Soundfiles erzeugt.


⇒ Die Soundfiles folgen in Kürze


Die Praxis
Von den leisen bis zu den lautesten Klängen wird eine gute Dynamik vermittelt. Bei gleicher Velocity wirken die Klänge jedoch sehr statisch (Maschinengewehreffekt) und insgesamt auch etwas steril. Multilayer und Roundrobin-Funktion: Fehlanzeige (Roundrobin = dynamischer Wechsel bei selben Velocitywerten zwischen verschiedenen Samples zur Vermeidung des Maschinengewehreffekts).

Am Ende von Take 3 wird bei beiden Becken ein Choke ausgelöst. Das Verstummen des Klangs wirkt eher leicht verzögert ausgeblendet als gestoppt. Ein Blick in die aufgezeichneten MIDI-Daten zeigt, dass das Modul den Poly-Pressure-Wert 48 sendet. Dies erklärt den leicht verzögert ausblendenden Effekt.

Um das Verstummen des Klangs mit dem sonst üblichen Poly-Pressure-Wert 127 zu vermitteln, wurde im Listeneditor von Cubase der Poly-Pressure-Wert manuell angepasst. Zu hören in „aD5 Vintage Studio Demotrack 3-2“.

Unangenehm fallen beim Wechsel der Kits auch hier wieder sowohl die doch sehr starken Lautstärkeunterschiede der Kits als auch der einzelnen Instrumente zueinander auf.

Ansteuerung von VSTi-Plug-Ins

Als nächstes wurde die Eignung zur Verwendung mit anderen Klangerzeugern getestet.

Nach dem Anschließen des USB-Kabels wurde der Treiber problemlos installiert. Das Soundmodul konnte als Signalquelle mit der Bezeichnung „aD5“ dann direkt unter Cubase 8 verwendet werden.

Zunächst wurde die MIDI-Notenbelegung des Soundmoduls analysiert. Diese entspricht im Wesentlichen der von Roland. Bei der Hi-Hat sind hier bereits die Noten für die Change-Control-Signale zugeordnet. In beiden VSTi-Plug-Ins funktionierte, bis auf eine Note beim Crashbecken, die Notenzuordnung durch Verwendung einer Roland Drum-Map.

Das Spielen beider VSTi-Plug-Ins gestaltete sich als dynamisch und ohne wahrnehmbare Latenzen.

Bei Superior Drummer 2 funktionierte jedoch Choke nicht. Dies liegt darin begründet, dass das MIDI-Telegramm (Velocity-Off/-On-Kette) seitens des Soundmoduls nicht vollständig ist. Dies wird jedoch von Superior Drummer 2 für die Abbildung der Choke-Funktion benötigt.

Bei Addictive Drums 2 funktionierte Choke, da Addictive Drums hierfür einen eigenen Algorithmus verwendet.

Fazit

Das neue Soundmodul aD5 punktet zunächst mit einer soliden Hardware und ansprechenden Haptik, beinhaltet sehr gut funktionierende Triggereingänge, extrem niedrige Latenzen und gute Ansätze eines komfortablen Menükonzepts.

Aber: Die Ausstattung mit dem derzeitigen Softwarestand bezüglich der Drumkits ist dürftig, bzgl. der Trigger-Einstellmöglichkeiten für eine optimale Adaptierung an verschiedene Trigger-Pads unzureichend und eine Soundaufbereitung ist gar nicht möglich. Kleine Zusatztools wie zum Beispiel Metronom, Trainer oder auch Begleitsongs sind ebenfalls nicht enthalten.

Im Vergleich zum Wettbewerb in der 1.000-Euro-Preisklasse bietet das aD5 definitiv nicht nur viel zu wenig, sondern derzeit insgesamt einen Softwarestand, den man bestenfalls als Prototypenversion bezeichnen kann. Zu viele Unstimmigkeiten in der Menüführung, teilweise nur bedingt brauchbare sowie etliche fehlende Funktionen. Hier ist Nachbesserung dringend erforderlich.

Gelingt es dem Hersteller, all diese Defizite überzeugend zu beseitigen, könnte das aD5 zu einem wirklich guten Soundmodul werden, denn die Hardware stellt eine gute Basis dar. Und die erforderlichen Nachbesserungen befinden sich ausschließlich im Bereich der Software.

Letztlich muss aber jeder für sich selbst entscheiden, ob man das Soundmodul dennoch kaufen möchte und vor allem den eingangs erwähnten Anspruch, den der Hersteller an sich selbst stellt, erfüllt sieht.



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