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Test: Rogers Dynasonic Snaredrum

Edel Crisp

Die Rogers Dynasonic Snare mit gutem Body und edel-crisper Präsenz.


Edel Crisp

Die Rogers Dynasonic Snaredrums sind Klassiker der Schlagzeug-Geschichte. Die Idee war, mithilfe einer wirklich einzigartigen Aufhängung in einem frei schwingenden Alu-Rahmen einen sehr sensiblen und ungedämpften Snare-Teppich-Charakter mit weniger „Rascheln“ zu schaffen. Einige sehr prominente Drummer spielten diese Trommeln damals und auf dem Gebrauchtmarkt waren sie seither immer präsent. Jetzt sind sie wieder da!

Buddy Rich spielte die Dynasonic während seiner gesamten Rogers-Zeit, Roy Burns und Dave Garibaldi (Tower of Power) und auch der Engländer Jon Hiseman waren Fans dieser Trommel. Clever von Rogers ist, dass sie den Relaunch mit dem auf dem Gebrauchtmarkt selteneren und damit sehr gesuchten und hochpreisigen Holzkessel tätigen. Die verchromten Messingkessel (Chrome Over Brass, COB) sind wesentlich häufiger und günstiger anzutreffen.

Die Kessel sind made in USA (vom Custom-Hersteller Pork Pie), die Hardware kommt aus Taiwan. Erhältlich sind vier klassische Folienfinishes, die Größen 5 und 6,5 Zoll sowie die klassischen Spannböckchen-Designs von Rogers Bread&Butter oder Beavertail. Allen gemeinsam sind die Clockface-Abhebung, der einzigartige Snareframe und die Remo USA Felle (Ambassador coated oben, Snare clear unten).

Bemerkenswert ist noch die Ausstattungen mit einem Innendämpfer (!) und historisch-schlanken 1,6 mm Stahlhoops, nicht mit den derzeit übertrendigen Gussreifen oder 2,3 mm Powerhoops. Jeder Trommel liegt ein Stimmschlüssel mit Logo, ein Schlüsselanhänger, ein Aufkleber und – sehr schön – eine Anleitung zum Stimmen und der Justage des Frames bei. Ein bisschen Einarbeitung in die Thematik ist durchaus sinnvoll, auffällig ist nämlich die stattliche Anzahl von Gebraucht-Trommeln ohne Frame, und auch in Foren und bei Fachleuten gibt es einige Stimmen, die besagen, dass Drummer nicht ohne weiteres damit klarkamen/-kommen.


Einzigartige Aufhängung

Schwierig ist es gar nicht: Bei einer konventionellen Abhebung werden die Spiralen des Teppichs durch die Abhebung und vor allem durch die Einstellung der Feinjustage-Schraube gleichzeitig gespannt (horizontal, also parallel zum Fell) und gegen das Reso-Fell gedrückt (also vertikal, nach oben zum Fell). Dabei versucht man den richtigen Kompromiss zwischen straffem Sound und sensibler Ansprache zu treffen. Die Dynasonic dagegen ermöglicht es, beide Kräfte separat zur justieren. Der Teppich ist im Rahmen (Frame) mit zwei Schrauben befestigt und mittels einer horizontalen Rändelschraube selbst zu spannen, die Abhebung und die Feinjustage-Schraube bestimmen ausschließlich den Druck gegen das Reso-Fell.

Und – bringt’s das? Das bringt so einiges … nämlich ein ganz eigenes Verhalten und Spielgefühl!! Sowohl in der Anleitung als auch in der Praxis zeigt sich, dass der Teppich an sich (horizontal) nur wenig Spannung braucht, so ca. 1/4 bis 1/2 Umdrehung (leicht mit den Fingern, ohne Schraubendreher, für den ein Schlitz vorhanden wäre) an der horizontalen Stellschraube. Hier könnt ihr eher die Länge des Teppich-Anteils einstellen – die Schärfe des Teppichs könnt ihr easy über die konventionelle Feinstellschraube (vertikal) bestimmen: Locker für einen weicheren und stramm für einen crispen Sound. Das Rumspielen mit diesen beiden Kräften ist reizvoll und führt – im Feinen – zu interessanten Ergebnissen, die konventionell nicht möglich sind. Ausprobieren!

Und so klinkt sie

Grundsätzlich geht der Charakter der Dynasonics nach meiner Meinung in Richtung universell präsent, crisp, funky und auch schon klassisch-orchestral. Der monströse Balladen-Sound mit eher indirektem Teppich-Anteil ist wohl anderweitig zu suchen. Dafür klingen mitteltiefe, mittlere und hohe Stimmungen sehr treffend und trotz oder gerade wegen der dünnen Spannreifen mit sehr guten Rimclicks und phänomenalen, dick klingenden Rimshots! Großer Spaß! Was mir ferner positiv auffiel: Das Mitrascheln bei Tom-Schlägen und energiereichen Tönen von Bass oder Keyboards fällt deutlich geringer aus als bei regulären Snaredrums.

Die Kessel sind recht dünn aus Ahorn/Pappel/Ahorn mit Verstärkungsringen, sehr sauber gefertigt und innen Honigbraun gebeizt. Die Gratungen sind oben wie unten im 45°-Winkel geschnitten, oben deutlich mit Gegenschnitt verrundet, unten etwas schärfer, die Snarebeds fallen normal breit und nicht sehr tief aus.

Sehr gespannt war ich natürlich auf einen direkten Vergleich mit meiner 70s COB-Dynasonic. Hier zeigte sich, dass einige Hardware-Teile leicht modifiziert wurden und dieser Kessel freilich anders tönt, bissiger mit mehr Obertönen. Der Snare-Anteil fiel aber deutlich stumpfer aus – Überraschung! Ein Wechsel des kompletten Frames von einer der Test-Snares rückte alles ins rechte Licht: Der fast 50 Jahre alte Teppich des Originals war einfach glanzlos und müde, ein Tausch lässt auch das Vintage-Teil klanglich wieder erstrahlen. Gut, dass es den Frame, den Teppich und viele Teile auch einzeln wieder gibt …

Mein Favorit

Mein Favorit unter den beiden Test-Snares in 5" und 6,5" und meinem Vintage-Exemplar war schnell die 6,5". Großer und voluminöser Sound und trotzdem direkt und crisp. Sehr gute Teppichansprache auf dem gesamten Fell, feine Artikulation, bei Bedarf aber auch gut Dampf. Relativ wenige, gut integrierte Obertöne, die auch mit dem gut funktionierenden Innendämpfer einzufangen sind – einfach nicht zu stramm anziehen. Die 5" ist etwas schlanker und leiser, gut für den kontrollierten Clubgig.

Wenn man nach Kritikpunkten sucht, dann vielleicht den etwas zu weichen Druckpunkt des Hebels der neuen Abhebung, die anfangs leicht unterschiedlich laufenden Gewinde der Stimmschrauben und dass das Centering des Frames und das Tuning der Trommeln aus dem Karton heraus gar nicht so ist, wie in der eigenen Anleitung beschrieben.

Aber das sind wirklich Kleinigkeiten. Die neu aufgelegten Dynasonics klingen und funktionieren und bringen ein wirklich anderes technisches Konzept zurück in das Jetzt. Zum stolzen Preis zwar, aber hier gibt’s Spezielles nicht nur für Spezialisten.

Fazit / Wertung

Dynasonic – dynamisch und klangvoll. So war es bis Anfang der 1980er und so kann es jetzt wieder sein. Die Neuauflage ist gelungen. Es sind hochwertige und hochpreisige Instrumente, die nach kurzem Kennenlernen ihre Eigenheiten preisgeben und mit gelassener Präzision das Instrument „Snaredrum“ interpretieren.

Wertung:
+ Dynasonic-Frame als eigenes Konzept
+ gute Verarbeitung, eigene Optik
+ zwei klassische Rogers-Böckchen zur Auswahl
- hohe Preise

Info / Preise / Technische Daten

Hersteller / Vertrieb    
weitere Informationen    
Preise (UVP)  
5" – 890 EUR
 
6,5" – 950 EUR

 

 

Technische Daten
Größen  
5" und 6,5"
 
Kessel  
Maple/Poplar/Maple-Kessel mit Verstärkungsringen
 
Ausstattung  
10 Spannschrauben pro Seite, sämtliche Hardware mit Gummi unterlegt, Clockface-Abhebung, Rogers-Böckchen zur Auswahl, 1,6 mm Stahl-Spannreifen, Innendämpfer, Snare-Frame
 
Finishes  
Black Diamond Pearl, White Marine Pearl, Red Onyx, Blue Onyx
 


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