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Test: Roland Boutique JP-08, JU-06 und JX-03

Willkommen im Synthvergnügen

Die Synth-Klänge der 80er-Hits von Depeche Mode, Erasure und Howard Jones sind als kleine Module wieder auferstanden.


Willkommen im ...

Für Synthesizer-Freaks der 1980er-Jahre gehörten Rolands Jupiter 8 und der Juno 106 zu den begehrtesten Geräten. Beide waren vielseitig, polyfon und konnten sogar Klänge speichern. Eigenschaften, die der JX-03p ebenfalls aufwies. Letzterem fehlten aber die Regler zur schnellen Klangeditierung. Diese drei standen Pate für die Boutique-Serie. Drei kleine, vierstimmige Synthesizer, die im Gegensatz zu ihren Ahnen kaum größer als ein Buch sind. Mal schauen, was außer der Größe noch anders geworden ist.

Alle drei Module können standalone oder zusammen mit dem K-25m gespielt werden. Es handelt sich dabei um ein Zweioktaven-Keyboard mit Minitasten, das über einen Stecker mit den Boutiques verbunden wird. Die Tastengröße wird geübten Pianisten wegen der geringen Ausmaße weniger gefallen, andere dafür wegen der Kompaktheit freuen. Wer die Größe mag, erhält eine gut spielbare Tastatur zu seinem Boutique. Zu jedem Boutique gehört ein integrierter Step Sequencer, der als Ideengeber gedacht ist. Seine Daten gehen leider beim Ausschalten verloren.

Die wichtigen Anschlüsse sind allerdings in den Boutiques selbst eingebaut, sodass du kein K-25m benötigst. Zur Verbindung mit der Außenwelt gibt es jeweils einen Line- und Kopfhörerausgang sowie einen USB-Anschluss. Zusätzlich kannst du über den Audio-Eingang Begleitmusik durchschleifen, die dann zusammen mit deinem Spiel über den eingebauten Lautsprecher oder Kopfhörer erklingt. Leider fehlt jede Möglichkeit, externe Signale in den Boutiques zu bearbeiten.

Über einen USB-Anschluss kommuniziert jeder Boutique direkt mit einem Computer. Die Verbindung sendet neben MIDI-Daten auch die Audioklänge direkt in deinen Rechner und ist dadurch die einfachste Möglichkeit, Sequenzen aus den integrierten Step Sequencern zu sichern. Durch die USB-Anbindung ist jeder der drei Boutique-Synths ein idealer Reisebegleiter. Boutique, Tastatur und Notebook einpacken und schon produzierst du im Bus, in der Bahn, im Hotel oder wo du sonst gerade bist deine Musik.


Mit nur einem Oszillator erzeugt der JU-06 seine charakteristischen Klänge.

JU-06

Zuerst schaue ich mir den JU-06 an. Schließlich hatte ich sein Vorbild, den Juno-106, für längere Zeit ausgeliehen, sodass mir einige Klänge sehr vertraut sind. Schnell habe ich diese gefunden. Die weiteren Klänge entsprechen ebenfalls dem Gewohnten. Pads und Bässe ertönen wie gewohnt aus dem JU-06. Ein vielversprechender Anfang, denn schließlich war der Juno-106 wegen genau dieser Klänge und seines günstigen Preises ein sehr beliebter Synthesizer. Selbstverständlich ist der „Hoover“-Sound des Juno, der in vielen Dance-Produktionen zu hören ist, ebenfalls im JU-06 zu finden.

Der Aufbau ist fast identisch zum Juno-106. Ein Oszillator mit den Wellenformen Sägezahn und Pulswelle sorgt für den Grundklang. Beide Wellenformen können gleichzeitig genutzt und durch einen Suboszillator im Bassbereich verstärkt werden. Ergänzend dazu gibt es noch das Rauschen, mit dem du beim JU-06 einige interessante Klänge erstellst. Eine meiner favorisierten Einstellungen ist es, den Oszillator ganz leise zu stellen, das Rauschen durchs halbgeöffnete Filter zu schicken und mit einer perkussiven Hüllkurve mit moderaten Release-Einstellungen zu bearbeiten.

Womit wir bei den nächsten Möglichkeiten des JU-06 sind. Mit dem Hochpassfilter dünnst du bei Bedarf den Bass aus, bevor du mit dem resonanzfähigen Tiefpassfilter den Klangverlauf prägst. Eine ADSR-Hüllkurve steuert das Tiefpassfilter und den VCA. Alternativ kannst du letzteren über eine einfache Gate-Hüllkurve steuern. Veredelt wird der Klang durch einen zweistufigen Chorus-Effekt. Dieser war schon beim Vorbild wesentlich für die gut klingenden Pads. Obwohl der JU-06 vollständig digital ist, während der Juno-106 ein analoger Synthesizer gewesen ist, klingt er in allen Bereichen, inklusive dem Rauschverhalten, wie sein Vorbild.

Roland Boutique JX-03: Für beide Oszillatoren gibt es eine Vielzahl an Modulationsmöglichkeiten.

JX-03

Im Gegensatz zu seinen Geschwistern war der JX-3P kein so großer Erfolg. Das lag vor allem an der umständlichen Bedienung über Folientaster. Erst mithilfe eines zusätzlichen Programmers wurde es einfacher ihm neue Klänge zu entlocken. Zum Glück übernimmt der JX-03 die wesentlich einfachere Bedienung des Programmers. Auffallend beim JX-03 ist die Auswahl voreingestellter Klänge. Anstelle einfacher Nummern wählst du zwischen Streichern, Bläsern, E-Pianos und anderen Presets. Insgesamt drei Bänke stehen zur Auswahl, davon eine für eigene Klänge.

Diese erstellst du sehr einfach mithilfe der Drehregler auf der Oberfläche. Zwei Oszillatoren bilden das klangliche Fundament. Durch Synchronisation der beiden oder Ringmodulation entlockst du dem JX-03 metallische Klänge. Mit einem Hochpass dünnst du bei Bedarf noch den Bassbereich aus, bevor das resonanzfähige Tiefpassfilter den Klang kräftigt. Die vielen Modulationsmöglichkeiten beider Oszillatoren sind eine Besonderheit des JX-03. Für beide stehen die Hüllkurve und der LFO als Modulationsquellen zu Verfügung und die Möglichkeiten der gegenseitigen Modulation beider Oszillatoren sind ebenfalls eine hervorragende Klangquelle.

Für die Modulation des Frequenzverlaufs beim Tiefpass sowie des Lautstärkenverlaufs des VCAs sorgen ebenfalls die ADSR-Hüllkurve und der LFO. Wie beim JU-06 veredelt zudem ein Chorus bei Bedarf deinen Klang. Dieser unterscheidet sich im Verhalten ebenso ein wenig vom JU-06 wie das Filter und der Grundklang der Oszillatoren. Der JX-03 klingt trotzdem sehr nach seinem analogen Vorbild. Durch die zwei Oszillatoren und die Möglichkeiten, die beiden miteinander zu modulieren, unterscheidet er sich klanglich stark vom JU-06 und vom JP-08.

Wie sein Vorbild wird der JP-08 über Schieberegler eingestellt.

JP-08

Für den dritten Synthesizer im Bunde ist mit dem Jupiter 8 eine der polyphonen Legenden das Vorbild. Dieser war ein begehrter Analog-Synthesizer mit sechs Stimmen und einem Tiefpassfilter, das zwischen 12 dB und 24 dB Flankensteilheit pro Oktave umgeschaltet werden konnte. Seit seinem Erscheinen prägen seine Bässe und Pads viele erfolgreiche Popsongs. Während der eher spartanisch ausgestattete Juno-106 für Einsteiger beziehungsweise weniger betuchte Musiker gedacht gewesen war, richtete sich der Jupiter 8 mit seiner üppigen Ausstattung an Musiker mit höherem Guthaben.

Originalgetreu werden die meisten Einstellungen über Schieberegler vorgenommen. Angesichts der Vielzahl an Funktionen und der geringen Größe des JP-08 sind die Parameter etwas schwieriger einzustellen als bei den anderen beiden Boutique-Synths. Dafür bietet der JP-08 die größte klangliche Vielfalt. Flächen, Bässe, Leads oder perkussive sowie metallische Klänge sind wunderbar einfach erstellt. Grundlage dafür sind die zwei Oszillatoren, die vielfältig miteinander modulieren können. Über einen Schieberegler bestimmst du die Stärke der Crossmodulation und eine Synchronisation der beiden ist ebenfalls zuschaltbar.

Beide Oszillatoren bieten dir zudem einige Besonderheiten an. Der erste der beiden VCOs hat die fünf Wellenformen Sinus, Dreieck, Sägezahn, Pulswelle und Rechteck sowie Rauschen. Die Fußlage der Wellenformen kannst du in Stufen von 64’ bis 2’ festlegen. Den fertigen Mix aus den Oszillatoren veredelst du wie bei den beiden anderen Boutiques erst über einen Hochpassfilter und vor allem über das Tiefpassfilter, das beim JP-08 mehr kann als bei JU-06 und JX-03. Zudem gibt es zwei Hüllkurven und einen LFO zur Steuerung der Modulationen.

Welche Boutique für wen?

Alle drei Boutique-Synthesizer sind sehr gut klingende Module. Auf der Suche nach einem einfachen Synthesizer solltest du dir ruhig alle drei genauer anschauen. Am vielseitigsten ist natürlich der JP-08. Allerdings muss er im Gegensatz zum JU-06 auf den Chorus verzichten. Zudem ist er durch seine Vielfalt am schwierigsten zu bedienen, denn auf einer so kleinen Oberfläche ist natürlich wenig Platz für viele Regler. Wer damit leben kann, der erhält mit dem JP-08 ein Instrument für viele Klänge, das sehr, sehr einfach in jede DAW eingebunden werden kann.

Der JU-06 hingegen ist vor allem etwas für Musiker, die den Klang des Juno-106 haben wollen, ohne überteuerte Gebrauchtmarktpreise zu zahlen, oder einen sehr einfach zu bedienenden Synthesizer suchen. Sein Klang erinnert sofort an das Vorbild. Dass er nur einen Oszillator pro Stimme hat, wirkt sich in der Praxis durch den geschickten Aufbau nur gering aus. Mit dem Suboszillator und dem Chorus bietet er genug Möglichkeiten, den fehlenden zweiten VCO zu vergessen. Typische Juno-Bässe und -Flächen sind im Handumdrehen eingestellt. Wie beim JP-08 ist das Vorbild klanglich hervorragend nachgebildet.

Der dritte im Bunde, der JX-03, überzeugt ebenso wie seine Geschwister. Da er im Gegensatz zum Original für jede Funktion Drehregler bekommen hat, ist er einfach zu bedienen. Sein Klang unterscheidet sich etwas vom JP-08 und JU-06. Durch die unterschiedlichen Möglichkeiten der Cross- und Frequenzmodulationen erzeugst du mit ihm vielseitigere metallische Klänge als mit dem JP-08. Dafür arbeitet das Tiefpassfilter nur mit 24 dB Flankensteilheit pro Oktave und die Auswahl der Modulationsquellen ist mit nur einer Hüllkurve geringer. Gegenüber dem JU-06 fehlt ihm wiederrum der Suboszillator, sodass alle drei ihre unterschiedlichen Stärken haben.

Einsteiger erhalten mit den Boutique-Synthesizern gute Instrumente. Da sie MIDI- und Audio-Daten direkt an den Computer senden, benötigst du nur noch einen DAW, um erste Tracks zu produzieren. Das optionale Keyboard lässt sich sehr gut spielen, ist aber aufgrund der Minitasten Geschmackssache. Alternativ kannst du fast jeden beliebigen anderen MIDI-Controller nutzen. Wenn du auf der Suche nach dem Klang der Roland-Legenden bist, kannst du ebenfalls bedenkenlos zugreifen. Näher dran am Klang ist keiner.

Fazit / Bewertung / Video

Mit der Boutique-Serie ist es Roland gelungen, den Klang vom Jupiter 8, Juno-106 und JX-3P originalgetreuen wieder aufleben zu lassen. Die Stärken der Vorbilder sind bei allen drei sofort zu finden. Durch den direkten Zugriff auf alle wichtigen Parameter sowie die direkte Audio-Einbindung eignen sich alle drei als Reisebegleiter und inspirierende Synthesizer für Einsteiger und Profis.

Wertung:

    + originalgetreuer Sound
    + geringe Größe
    + solide Verarbeitung
    + MIDI- und Audioverbindung über USB
    - Regler sind klein (JP-08)

Preise / Technische Daten

Vertrieb/Hersteller
weitere Informationen
Preise (UVP)
JP-08
465 EUR
JX-03
355 EUR
JU-06
355 EUR
K-25m
109 EUR

 

 

Technische Daten
Bauweise
Desktop-Synthesizer-Module
Polyphonie
jeweils 4 Stimmen
Controller
2 Ribbon (Modulation und Pitch Bend)
Anschlüsse
USB, MIDI-In/-Out, Phones, Audio-In/-Out (Mini-Klinke)
Hergestellt in
China

 

 

 



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