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Test: Diezel Zerrer

Darfs ein bisschen mehr sein?

Echter Diezel-Sound im Pedalboard-Format? Der Diezel Zerrer macht's möglich.


Darfs ein bisschen ...

Ein „Global Player“ im Bereich edler High-End-Verstärker beglückt uns mit einem multifunktionalen Bodenpedal für Bühne und Recording. Damit wird der luxuriöse Diezel-Sound angenehm erschwinglich. Das pfundige Format dürfte allerdings so manches Pedalboard sprengen.

„Sag niemals nie!“, muss hier wohl das Motto lauten, wenn ein so renommierter Tubeamp-Spezialist wie Peter Diezel ein Produkt ganz ohne Röhren auf den Markt bringt. Doch das beweist nur, dass der Mann a) keine Scheuklappen trägt und b) das Knowhow des Entwicklers letztlich wichtiger ist, als die verwendete Technik. Denn das Gerätekonzept überzeugt und kann sich wahrlich hören lassen, so viel sei schon mal vorab verraten.

Die Bezeichnung „Zerrer“ darf man getrost als augenzwinkerndes Understatement interpretieren. Im Grunde haben wir es mit einem vollwertigen Gitarren-Preamp im Pedalformat zu tun, dessen Ausstattung viele ausgewachsene Vollverstärker geradezu spartanisch erscheinen lässt: Zwei separate Kanäle mit Gain, Volume und eigenen Dreiband-EQs, global wirksame Master-, Presence- und Deep-Potis, Effektweg, Aux-Input, Kopfhöreranschluss und eine analoge Speaker-Simulation – noch Fragen?

Auch im Inneren des stattlichen Gehäuses sieht alles superordentlich aus. Hochwertige Zutaten, saubere moderne Platinenbauweise, alles stabil befestigt, bestens. Kompakte Abmessungen, windige Miniklinkenbuchsen oder fummelige Trim-Potis sucht man hier vergebens. Dafür kriegen das auch Gitarristen mit etwas größeren Fingern auf Anhieb geregelt; nicht zuletzt, weil das großzügig bemessene Bedienfeld unmissverständlich beschriftet ist. Gehen wir den Signalweg also mal ganz in Ruhe durch.


Der Diezel Zerrer ist für verschiedenste Einsatzzwecke gerüstet.

Kanalarbeiten

Zunächst schließen wir das Instrument am „Guitar In“ an. Unser zartes Tonabnehmersignal durchläuft nun wahlweise Channel 1 (für cleane Sounds bis kernigen Overdrive), Channel 2 (für High-Gain Rhythm und Lead) sowie in beiden Fällen die Master-Sektion oder aber nichts von alldem, falls wir den linken Fußschalter „Bypass/Mute“ betätigt haben. Das „Bypass“-Signal wird jedoch nur über den ersten speziellen „To Guitar Amp“-Ausgang ausgegeben.

Wer den „Zerrer“ vor den Clean-Kanal eines Combo oder Tops schnallt, um daraus auf die Schnelle einen gediegenen Dreikanaler zu machen, wird sich über die True-Bypass-Schaltung freuen. Das Diezel-Pedal funktioniert hervorragend, auch vor ganz unterschiedlichen Amp-Typen. Zwar arbeiten die Klangregler beider Channels traditionell passiv, wie bei einem „großen“ Verstärker, bieten aber mehr als ausreichenden Spielraum zur Anpassung an das Instrument und den nachgeschalteten „Lautmacher“.

Im Zweifelsfall lässt sich immer noch mit den kräftig zupackenden Presence- und Deep-Reglern nachlegen. Selbst extremere EQ-Korrekturen klingen dabei stets musikalisch. Überhaupt hat die klangformende Wirkung des „Zerrers“ so gar nichts Synthetisches an sich. Er arbeitet und klingt, wie ein „richtiger Amp“, nicht wie eine herkömmliche Distortion-Büchse. So wahrt das Gerät den ihm eigenen markanten Charakter. Der gute Diezel-Sound lässt sich also glücklicher Weise kaum kaputtregeln.

Der Diezel Zerrer ist ein waschechter Zweikanaler.

Die feine englische Art

Channel 1 reicht von klar konturierten Cleansounds über dezentere Crunch-Settings bis hin zu traditionellem Hardrock-Brett. Der heiße Channel 2 setzt in etwa dort an, wobei sich die Grenzbereiche leicht überlappen. Er klingt jedoch von seiner Gain-Struktur her generell dichter und satter als der traditionellere Channel 1. Dank ihrer markanter Hochmitten setzen sich beide gut durch, was man ja meist gerne als „britische“ Ausrichtung umschreibt.

Daran lässt sich erahnen, dass der Entwickler sich dereinst seine Sporen mit der Modifikation von Marshall-Amps verdient hat. Dennoch ist der Diezel-Sound längst ein eigenes Trademark: Die Verzerrung reagiert sensibler und kultivierter als bei den röhrenden Urahnen von der Insel. Natürlich kann man dem „Zerrer“ auch derbe und brutale Sounds entlocken. Selbst dann zeigt er noch diese Eleganz in der Klangformung, die Konkurrenzprodukte so nicht bieten.

Highgain-Salven donnern bei Bedarf bissig, böse und schwermetallhaltig aus dem Speaker, bewahren dennoch straffe Konturen und ein gesundes Maß an Dynamik. Und bei aller notwendigen Transparenz kommt die EQ-Sektion ohne ätzende Höhenanteile aus. Klassische Rock-Riffs klingen fett und offen, mit kontrollierten Bässen und saftigem Mittenpunch. So spielt es sich auch bei niedrigen Gain-Werten sehr angenehm. Der „Zerrer“ unterstützt den Spieler, ohne jedoch schönfärberisch zu wirken.

In der Mastersektion kann man die Feinabstimmung fürs folgende Equipment machen.

Think Big!

Wie schon erwähnt, ist Diezels neues „Spaßpedal“ aber mehr als eine bloße Distortion-Box. Die Anwendung vor dem Amp Input, sei es einzeln oder als Bestandteil einer Bodentreterkette, bringt die Möglichkeiten des Gerätes nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Als vollwertige Gitarrenvorstufe konzipiert eignet sich der „Zerrer“ vielmehr als tonangebendes Sound-Modul im Verbund mit einer komplexeren Effektperipherie und einer Endstufe oder wahlweise dem FX-Return/Line In eines Vollverstärkers.

Hier kommen die weiteren Anschlüsse des „Zerrer“ zum Einsatz. Die Send-Buchse schickt ein kräftiges Signal an die 19“-Prozessoren; von dort geht es weiter zum eigentlichen Leistungsverstärker. (Natürlich reicht der Pegel auch locker aus, um eine Endstufe direkt an- und auszusteuern). Gleichzeitig wird die Bypass-Funktion zu „Mute“. So kann man am „To Guitar Amp“-Ausgang einen Tuner anschließen, der weiter versorgt wird, während die Verstärkeranlage beim Stimmvorgang verstummt.

Verwendet man das Gerät als Preamp im Verbund mit Endstufe oder Topteil inklusive großvolumiger Box, sollte man allerdings behutsam mit den Presence- und Deep-Regler hantieren. Der „Zerrer“ tönt ohnehin schon ziemlich groß und wuchtig, und in so einem Setup muss man eigentlich auch nichts kompensieren. Sonst kann es schnell zu viel des Guten werden. Da eignen sich die genannten Potis eher zur generellen Anpassung an die räumlichen Gegebenheiten (Proberaum, Club, Allzweckhalle usw.).

Damit man den Diezel effektiv in ein größeres Setup mit MIDI-Switching und dergleichen integrieren kann, gibt es auch noch eine Schaltbuchse, um die Kanalwahl und die Bypass/Mute-Funktion via externem Switcher fernbedienen zu können. Wer es nicht ganz so mächtig braucht, verwendet einen einfachen Doppelfußschalter, und postiert den „Zerrer“ beispielsweise auf dem Amp. Dann ist er zumindest vor umkippenden Getränkebechern und frei laufenden Band-Mitgliedern weitgehend sicher.

Dank seiner soliden Bauweise ist der Zerrer bestens für den Einsatz auf der Bühne geeignet.

Direkteinspritzung

Wozu sind dann die Effect Returns am „Zerrer“-Gehäuse? Sie integrieren etwaige Effektanteile, wenn man das Gerät mittels der Compensated Outs direkt mit einer Recording- oder PA-Konsole verbindet. Die Zusatzfunktion als D.I.-Sound-Generator ist zwar keine neue Idee, aber sehr praktisch, wenn’s mal wieder schnell gehen muss. Man spart sich den aufwändigen Transport und die Mikrofonierung des Gitarrenverstärkers, und das frequenzkorrigierte Signal klingt auf Anhieb mehr als ordentlich.

In Sachen Spieldynamik und Klangtiefe muss man bei Diezels rein analoger Speaker-Simulation zwar einige Abstriche in Kauf nehmen (wie übrigens bei fast allen vergleichbaren Filterschaltungen). Das nervenschonende Arbeiten mit dieser zuverlässigen und stressfreien Amp-Alternative allein kann dieses kleine Manko aber in vielen Fällen schon aufwiegen. Und man denke nur daran, dass man damit auch beim Gig ein Sicherheits-Backup parat hat, sollte der Main-Amp mal ausfallen.

Im Direktvergleich bei identischer Einstellung der Potis klingt das D.I.-Signal über Studiomonitore abgehört, zunächst recht scharf und kratzbürstig. Für ein natürliches Klangbild muss man die Höhen am Pult daher noch etwas zügeln. Kein Thema, ist es doch wesentlich einfacher, übermäßig vorhandene Frequenzanteile abzusenken, als zu versuchen, fehlende am Pult künstlich zu generieren. Schon steht der „Zerrer“-Sound, damit lässt sich also problemlos und zügig arbeiten.

Auf der Rückseite bietet der Diezel Zerrer jede Menge Anschlussmöglichkeiten.

Übung macht den Meister

Weil das so gut klappt, hat Diezel dem Zerrer auch gleich noch einen Kopfhöreranschluss spendiert; übrigens eine stabile 6,3-mm Ausführung, keine mickrige Miniklinkenbuchse, mit der man ja sonst häufig Vorlieb nehmen muss. So kann man sich seinen Lieblings-Sound mit sattem Pegel auf die Ohren geben und diesen auch zu Hause im stillen Kämmerlein oder Backstage vor dem Gig genießen. Was, das reicht euch noch nicht?

Zugegeben macht das Ganze noch deutlich mehr Spaß, wenn man das Griffbrett-Training mit einem schönen Backing unterlegt. Dafür gibt es am „Zerrer“ einen eigenen Aux-Input, in stereo und  sogar mit links/rechts regelbaren Volume-Potis zur Pegelanpassung. Luxuriös, schon, aber wer hat eigentlich behauptet, dass wir uns beim Üben selbst kasteien müssten? Eben! Also, Laptop, Smartphone oder mp3-Player rausgekramt und ab geht die Übungs-Session!

Haben wir jetzt alle Buchsen durch? Nein, eine ganz wichtige fehlt noch, die Netzteilbuchse. Die sitzt am äußeren Gehäuserand und muss leider ganz ohne weitere Zugentlastung auskommen. Dafür ist tatsächlich noch ein kleiner Minuspunkt fällig. Auch wenn die Buchse im Neuzustand solide zupackt, sollte man also besser vorsichtig damit umgehen und sie insbesondere vor unachtsamen Fußtritten bewahren.

Ein Batteriebetrieb ist für so ein leistungsfähiges Aggregat wie den „Zerrer“ definitiv nicht vorgesehen. Das heißt, ohne das mitgelieferte 15V-AC-Netzteil geht erst mal nichts. Wer das Diezel-Pedal in ein bestehendes Effekt-Board integrieren möchte, darf es aber auch mit dem Ausgang eines zentralen Saftspender powern, solange der 12 – 18 Volt Wechselstrom (AC, Alternate Current) und mindestens 500 Milliampere liefern kann.

Bleibt abschließend nur noch zu erwähnen, dass Diezels „Zerrer“ im harten Musikeralltag voll überzeugen kann: Die stabilen Potis arbeiten schön stramm und verstellen sich nicht so ohne Weiteres, die Schalter sind superstabil, selbst heftige Highgain-Sounds haben kaum Nebengeräuschanteile, die Schaltfunktionen arbeiten knackfrei und die leuchtstarken blauen LEDs sind selbst bei greller Bühnenbeleuchtung einwandfrei zu erkennen. Kurzum, ein echtes Profiteil zum angemessenen Preis – ausprobieren!

Jeder Zerrer von Diezel ist von Hand nummeriert. Wir hatten Nummer 68 zum Test..

Technische Daten & Wertung

Bauweise

Bodenpedal

Typ
analoger Gitarrenpreamp in Solid-State-Technik
Konstruktion Aluminiumgehäuse (Doppel-U)
Kanäle 2
Anschlüsse

Guitar In, To Guitar Amp In, Send (to Effects Power Amp), Return A & B (from Effects), Compensadet Out A & B (to Console/HiFi), Aux In (Stereo), Headphones (Stereo), Ext. Switching, Netzteilbuchse

Schalter

Bypass/Mute, Channel Select

Regler

Channel 1: Gain, Treble, Middle, Bass, Volume
Channel 2: Gain, Treble, Middle, Bass, Volume
Master: Presence, Deep, Master, Aux Volume (Side A & B)

Spannungsversorgung 12-18 Volt AC-Netzteil
Spannungsbedarf min. 500 mA
Gewicht
ca. 1,5 kg
Maße (H x B x T)
45 x 320 x 178 mm
Besonderes frequenzkorrigierter DI-Out, Aux-Input, Kopfhöreranschluss
Hergestellt in
Deutschland

 
Preise (UVP):  520 €


Wertung:

+ Kultivierter Zerrcharakter
+ Toller Klang und große Flexibilität
+ Umfassende Ausstattung
+ Superstabiles Alugehäuse
+ Extrem helle Status-LEDs
+ Hochwertige Bauteile und Verarbeitung
- Zu groß für kompakte Pedalboards

Weitere Infos: Diezel Amplification



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