Kontakt -  Heft -  Impressum -  Termine -  Newsletter 

Besuche unsere Facebook-Seite Folge uns auf Twitter Videos von MusicnStuff auf Youtube Folge uns auf G+ MusicnStuff auf myspace Besuche unsere Instagram-Seite

Interview: The Darkness (Justin & Dan Hawkins)

Pomp und Purismus

Gitarrist Dan Hawkins, der das neue Darkness-Album im Alleingang produziert hat, verrät warum im Studio weniger oft mehr ist.


Pomp und Purismus

Dass erstklassiges Hard Rock-Handwerk auch eine Prise Humor verträgt, haben The Darkness seit jeher bewiesen. Nach Trennung und Wiedervereinigung läuft die Band um die glamourösen Gebrüder Hawkins auf ihrem vierten Album „Last Of Our Kind“ erneut zur Höchstform auf. Wir trafen sie zum Interview.

Mit unüberhörbarem Augenzwinkern und Mut zur großen Geste rüttelten die Briten von The Darkness 2003 die Musikwelt wach, indem sie Glam und Hard Rock im Stadion-Stil von Queen und Aerosmith für ein neues Jahrtausend entstaubten. Nach dem kometenhaften Aufstieg ließ der Fall nicht lange auf sich warten und die Band um das Brüderpaar Justin Hawkins (Lead-Gitarre und Gesang) und Dan Hawkins (Gitarre) zerbrach an Erfolg, Drogen und ihren Egos. Seit dem Comeback 2012 herrscht zumindest im Hause Hawkins wieder Eintracht. Und auch Bassist Frankie Poullain ist heute wieder fest in die Band integriert. Nur die Schlagzeugerfrage scheint sich nach aktuellstem Stand schwieriger zu gestalten. Während das aktuelle Album „Last Of Our Kind“ noch von Emily Dolan Davies eigentrommelt wurde, hat jene die Band inzwischen bereits wieder verlassen. Ihr brandneuer Nachfolger ist dafür niemand Geringeres als Rufus Taylor, seines Zeichens Spross von Queen-Drummer Roger Taylor. Wir sprachen mit Dan und Justin über Erfolg und Eigenbestimmung im zweiten Anlauf.

People nStuff: Nach dem Comeback mit „Hot Cakes“ (2012) habt ihr für die neue Platte nichts überstürzt, sondern euch Zeit gelassen...
Dan Hawkins:
Für uns war wichtig, dass wir in erster Linie wieder richtig Bock haben und Musik machen, die wir spannend und unterhaltsam finden. So haben wir uns auch das ganze komplette letzte Jahr freigehalten und alle Gig-Anfragen abgesagt. Das ist heutzutage schon ein ziemliches Opfer für ein Album. Die meisten Bands spielen, wenn sie an einer Platte arbeiten, zumindest noch Festival-Shows zwischendurch. Aber nicht mal das haben wir gemacht. Wir haben uns allein dem Album gewidmet und wollten, damit es richtig gut wird.

PnS: Mittlerweile ist euer Gründungs-Schlagzeuger Ed Graham nicht mehr mit von der Partie. Wie kam es zu der Trennung?
Dan:
Nach der Reunion hatte Ed so seine Schwierigkeiten mit uns mitzuhalten und sich uns anzupassen. Wir leben alle nun ein völlig anderes Leben als damals. Wir sind älter, die physischen und - zum einem Teil auch - psychischen Anforderungen an uns sind größer geworden. Es hat sich dann recht schnell herauskristallisiert, dass Ed da nicht mitziehen kann und will. Wir haben ihm etliche Chancen gegeben, aber es war offensichtlich, dass er keine Lust darauf hatte. Ed hatte zudem auch gesundheitliche Probleme. Die Entscheidung war dann einvernehmlich.


Auf dem neuen Album „Last Of Our Kind“ rocken The Darkness noch roher und ungefilterter.

Das neue Album

PnS: „Last Of Our Kind“ ist extrem abwechslungsreich ausgefallen. Es finden sich viele verschiedene Stile auf dem Album und jeder Song hat seinen eigenen Sound. Liegt das auch daran, dass Frankie sich diesmal bei jedem Stück als Co-Autor eingebracht hat?
Dan:
Das hätten wir bei der letzten Platte auch schon gerne so als Schreiber-Team gemacht, allerdings mussten wir nach unserem Winterschlaf auch die Beziehung mit Frankie wieder neu aufbauen. Nachdem wir uns also ein paar Jahre wieder aneinander gewöhnt hatten, war auch der Zeitpunkt gekommen, wieder gemeinsam Songs zu schreiben.
Justin: Der große Unterschied zwischen diesem und dem letzten Album ist, dass alle drei von uns jedes einzelne Stück richtig lieben. Bei drei Leuten muss man noch stärker einen gemeinsamen Nenner finden. Vorher gab es Songs, die ich zum Beispiel nicht so besonders mochte. Diesmal haben wir so lange an den Sachen gearbeitet, bis wirklich jeder von uns zufrieden war.

PnS: Habt ihr vor den Aufnahmen eine Vorproduktion gemacht?
Dan:
Wir haben, während wir an den Songs gearbeitet haben, Demo-Aufnahmen in meinem Studio, The Hawk’s Nest in Norfolk gemacht, wo wir erste Song-Skizzen aufgezeichnet haben, bevor es an die tatsächliche Aufnahmearbeit ging.
 
PnS: Es ist die erste Platte, die du ganz alleine produziert hast, Dan. Was war deine Vision?
Dan:
Wir haben immer schon nach dem Song-für-Song-Prinzip gearbeitet. Klar gibt es ein paar Referenzplatten, deren Sound ich liebe. Aber das hat mich nie wirklich in meinen Klangvorstellungen geprägt. Mehr als der Klang von Alben anderer Künstler geben für mich die Demos die Richtung vor, in die eine Platte gehen wird. Jeder Produzent hat seine eigenen Sound-Vorstellungen, und mein Motto ist eher das, dass alles lauter als alles andere klingen soll!

PnS: Verglichen mit euren vorherigen Werken klingt das neue Album puristischer und reduzierter.
Dan:
Das kann man so sagen, ja. Zuvor hatten wir, wenn es um die Abmischung der Alben ging, eher das Problem, dass man alles, was man aufgenommen hat auch noch in den Mix quetscht hat. Bei dieser Platte war es viel roher. Ich hab nur hier und da noch ein bisschen nachgewürzt, in dem ich beispielsweise später noch eine kleine Mandolinen-Spur eingebaut habe. Aber das Grundkorsett ist für unsere Verhältnisse ziemlich reduziert. Das ist wahrscheinlich auch eine Frage des Selbstbewusstseins. Wenn man weiß, dass ein Riff für sich alleine stehen kann, kann man auch rohe Platten machen. Aber diesen Punkt muss man erst mal erreichen. Bei mir hat das ein paar Alben gedauert, bis ich realisiert habe, dass man gern zu viele Spuren draufkleistert, die man gar nicht wirklich braucht.

Dan Hawkins ist der Mann hinter dem neuen The-Darkness-Sound.

Doppelte Belastung

PnS: Du bist auf diesem Album Produzent und Gitarrist der Band in Personalunion. Fiel es dir manchmal schwer diese beiden Jobs zu trennen?
Dan:
Wenn ich produziere, blende ich aus, dass ich auch in der Band spiele. Das Grund-Riff ist dann schon soweit etabliert, dass ich mich auf den ganzen Rest konzentrieren kann. Meine Gitarrenarbeit ist vermutlich eh der einfachste Teil. Meine Parts stehen schon in der Demo-Phase fest und damit ist das Thema für mich abgeschlossen.
Justin: Manchmal müssen wir Dan sogar daran erinnern, dass er auch in der Band spielt! Dann muss er die Produzenten-Brille mal wieder kurz absetzen.

PnS: 2005 habt ihr euer zweites Album, „One Way Ticket To Hell ... And Back“, mit dem legendären Queen-Produzenten Roy Thomas Baker aufgenommen. Hast du dir viel von ihm abschauen können?
Dan:
Man lernt nie aus und die Arbeit mit anderen Produzenten bringt einem schon viel. Von Roy habe ich gelernt, wie man Sachen machen sollte, aber auch, wie man Sachen nicht machen sollte. Er ist ein exzellenter Engineer und Tontechniker, der mir übrigens auch beim Aufbau meines eigenen Studios geholfen hat: Tipps zum Neigungswinkel der Wände oder welche Materialien ich verwenden sollte, kamen von Roy. Ich würde nicht soweit gehen, ihn einen Mentor zu nennen, aber er hat eine wichtige Rolle gespielt. Wenn du als Musiker die Chance hast mit Roy zusammenzuarbeiten und du dich für Tontechnik interessierst, hast du eben die einmalige Gelegenheit ihn alles zu fragen und ihm über die Schulter zu schauen. Wenn du allerdings „nur“ sein Tontechnik-Assistent bist, verrät er dir rein gar nichts und erzählt dir eher, dass du dich verdrücken sollst!

Justin Hawkins ist das Gesicht und die Stimme von The Darkness.

Ja zu Oldschool-Equipment

PnS: Wie sah euer Gitarren-Setting im Studio aus?
Dan:
Bei den Gitarren haben wir es recht einfach gehalten. Justin hat für das ganze Album nur seine weiße Gibson Les Paul Custom gespielt. Die ging in ein 1995er 100-Watt Marshall Super-Lead-Topteil mit einem Marshall 4-x12“-Cabinet. Dazu kam ein Boss CS-2-Vintage-Kompressor, den auch David Gilmour benutzt und der einfach fantastisch ist für nachklingende Lead-Lines. Ebenso kam ein Boss-Digital Delay DD3 und ein Boss Analog Delay zum Einsatz. Ich hab meine Gitarre über ein altes Marshalls 1987X-Top mit 50 Watt gespielt, die klingen etwas wärmer als die mit 100 Watt. Aber meinen 100 Watt-Verstärker habe ich auch gespielt, sowie einen1964er Vox AC30 für die klingelnden Töne. Manchmal braucht man nur einen Combo-Sound, dann nimmt man lieber den Vox. Wenn es fetter werden soll, dann geht man zusätzlich noch in den Marshall und dreht auf. Als Gitarre habe ich auf nahezu jedem Song meine Les Paul Standard gespielt.

PnS: Welche Mikrofon-Technik bevorzugst du?
Dan:
Als Overhead-Mikros für das Schlagzeug habe ich Coles Mikrofone verwendet. Der Bass wurde über einen Hiwatt-Verstärker– ganz ohne Effekt-Pedale, nur über ein Bock-iFet-47-Mikro aufgenommen. Justin hat durch ein Flea 47 Mikrofon gesungen, dass auf dem Neumann U47 basiert. Es stammt von einer slowenischen Firma, die wirklich exzellente Mikros bauen. Das ging in einen analogen Mikrofonvorverstärker, einen AMS Neve 1073 DPA. In meinem modularen Studio, dem Hawk’s Nest hab ich viele alte Pre-Amps stehen. Und ich verwende alte Vintage Trident Mikrofon-Vorverstärker: Trident A-Range Mic Pre/EQ. Zu denen hat mir Roy geraten. Er meinte, wenn ich davon welche in die Finger kriegen würde, sollte ich sie kaufen, was ich auch gemacht habe. Die sind sehr teuer, die werden ja nicht mehr hergestellt. Die ich bekommen habe, stammen lustigerweise aus einem Studio, in dem Queen, David Bowie und T.Rex ihre ersten Aufnahmen gemacht haben. Da hatte ich echt Glück! Für E-Gitarren und Akustikgitarren sind die spitze. Ich hab früher übertrieben viel mit Equalizern gearbeitet, was ich gar nicht mehr mache.

Ansonsten verwende ich gerne Bändchenmikrofone wie das Coles 4038, Beyerdynamics M160 und ein paar Ambient-Mikros. Coles STC zum Beispiel ist ein super Mikrofon für Gitarren- und Schlagzeug-Sounds. Meine Mix-Konsole ist ein modifiziertes Chandler EMI TG Abbey Road Desk. Da bekomme ich vernünftig viele Kanäle drauf, die ich von Pro-Tools auf die Konsole ziehen kann. Es ist dann so, als würde man über eine 250.000 Pfund teure Konsole mischen, aber es ist alles in einem Rack verstaut.

Hier das coole Video zu „Barbarian“ in einer Live-Version:




Keine Gimmicks

PnS: Weichst du auch in anderen Belangen gern von gesetzten Studio-Standards ab?
Dan: Wir haben vollständig auf eine Gesangskabine verzichtet. Das Gesangsmikrofon hing über meiner Schulter direkt im Kontrollraum. Man bekommt so viel lebendigere Gesangs-Takes hin, ähnlich wie auf Demos. Eine Gesangskabine ist doch eh nur eine Art Penis-Verlängerung im Studio-Bereich. Man braucht das nicht wirklich. Man muss nur für Ruhe im Raum sorgen, dann geht das auch so. Man kann in manchen Produktions-Bereichen echt Geld zum Fenster rauswerfen, wo es gar nicht nötig ist. Ich mag zudem das Gefühl, mit dem Sänger bei den Gesangsaufnahmen im gleichen Raum zu sein. Das ist viel cooler.

PnS: Wie schaut euer Bühnen-Equipment momentan aus?
Dan: Das ist so ziemlich genau das Gleiche. Live spielen wir dasselbe Equipment und dieselben Pedale wie auf dieser Platte. Diese ganze Heilige-Gral-Mentalität, die beste Gitarre für ein bestimmtes Riff zu finden, ist albern. Ich spiele einfach meinen Marshall, das reicht doch. Wie gesagt, unser Ansatz ist nunmehr deutlich minimalistischer.


Weitere Infos: The-Darkness-Website
The Darkness auf Facebook



Leser-Kommentare:
Keine Kommentare

Kommentar schreiben...

Das könnte dich auch interessieren:




layout-domain.tmpl