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Interview: Stefan Honig – Teil 1

Die Aufgaben eines Musikers

Erfolgreich mit Akustik-Sound – das sind Stefan Honig & Band. Im Interview verrät er, was Musiker bedenken sollten, wenn sie Profis werden wollen.


Die Aufgaben eines ...

Mit mittlerweile rund 20 Jahren Erfahrung schreibt Stefan Honig Songs für ein immer größeres Publikum. Zu Recht, da hier immer das gewisse Etwas aus den Kompositionen heraussticht. Hinter dem Musiker verbirgt sich ein bodenständiger Mensch, der sich klare Gedanken zum Musikerdasein macht und nicht verträumt in den Tag lebt. Im Rahmen seiner 2014er Tour hat der Düsseldorfer sich ausgiebig Zeit für ein Pläuschchen mit uns genommen.

People nStuff: Du warst vor deiner aktiven Musikerkarriere Erzieher. Wenn du deinen damaligen Job mit dem jetzigen vergleichst: Was sind für dich die größten Unterschiede?
Stefan Honig:
Ich glaube die größte Herausforderung ist es, dass man sich immer wieder neue Ziele setzt und sich motiviert neue Sachen zu machen, weil man keinen Job hat, bei dem man um 8 Uhr im Büro erwartet wird. Da kann man auch mal gut einen Tag nichts machen. (lacht) Wird dann auch schnell mal eine Woche wenn man nicht aufpasst. Da bin ich die ganze Zeit immer im Konflikt mit meinem inneren Schweinehund. Ich bin deutlich ausgeglichener, wenn ich mir so viel Pläne mache, dass ich immer etwas zu tun habe. Nebenher verdiene ich natürlich auch noch etwas, weil so viel machen wir mit der Band auch nicht an Profit. Das ist dann super schwierig, etwas zu finden, was es einem erlaubt die Sache mit der Band noch zu machen. Das ist eine ständige Gratwanderung. In erster Linie eröffnet es einem eine Menge Freiheiten, um alles das zu machen, was man mit einem normalen Job nicht erreicht.

PnS: Welchen Tätigkeiten gehst du denn neben deinem Musikerdasein noch nach?
Stefan:
Unterschiedlich. Ich arbeite jetzt demnächst wahrscheinlich in einem Hostel in Köln. Manchmal übersetze ich Texte vom Englischen ins Deutsche, da meine Englisch-Kenntnisse ganz gut sind. Als ich noch viel Solo unterwegs war, spielte ich sehr oft. Davon konnte ich alleine fast noch besser leben, da die Kosten relativ gering waren. 2012 habe ich an die 160 Gigs gespielt. Wenn man das hauptsächlich alleine macht, dann geht das natürlich. Da reichen auch 80 € am Abend, die man in den Hut kriegt. Wenn du aber mit einem Bus durch die Gegend fährst, mit Soundmann, Tour-Manager und fünf Musikern, die auch Geld verdienen wollen, dann ist die höhere Gage, die du bekommst, auch nicht profitabler. Da bleibt für den Einzelnen eher weniger übrig.


Stefan Honig ist aktuell bevorzugt mit seiner Band unterwegs.

Keine Weltstar-Pläne

PnS: Welche Illusionen sollte man sich als Musiker oder Band nicht machen, wenn man den ersten großen Schritt geschafft hat?
Stefan:
Das Ding ist einfach: Es gibt so wenige Musiker, die Songs schreiben und einen Erfolg verbuchen, der lange hält. Ich denke, dass man sowas nicht planen kann. Da macht man sich eine Menge Illusionen, wenn man glaubt, einen großen Evergreen zu schreiben. Wenn wir als Band nix Neues machen, dann haben wir in vier Jahren nichts mehr von dem was wir jetzt machen. Da muss man wirklich in einen Bereich vorstoßen, wie die ganz Großen. Ich glaube mal gehört zu haben, dass Sting pro Woche noch 3.000 € für „Roxanne“ an GEMA-Einnahmen bekommt. (lacht) Wenn du so einen Song auf den Markt bringst, dann ist das natürlich super. Das hält auch dein Leben lang. Aber, allein sich schon über 10 Jahre zu etablieren, ist ein riesen Aufwand. Da muss schon etwas Krasses passieren, dass man dadurch so viel Geld auf die Seite legen kann, dass es dann das gewesen ist. Ich denke nicht, dass man sich als Musiker in unserer Größenordnung darauf verlassen kann, dass da einfach so Kohle kommt. Du musst dafür einfach arbeiten. Momentan acker ich für das jetzige und das kommende Jahr. Dann werden die Karten wieder neu gemischt. Neue Platte, neues Glück.

Auf der Bühne ist Stefan Honig voll und ganz in seinem Element.

Ein Hoch aufs deutsche Publikum

PnS: Mit der Band seid ihr schon gut rumgekommen: China, USA, Polen und Großbritannien. Wie habt ihr die unterschiedlichen Kulturen auf den Konzerten wahrgenommen? In manchen Ländern wird ja kaum Merch gekauft.
Stefan:
Ja, das ist so. In China zum Beispiel haben wir es so gemacht, dass wir die Pressung vor Ort geregelt haben, da die hier gepressten CDs dorthin zu importieren viel teurerer ist. Da macht man sonst Minus. Deswegen haben wir für beide China-Touren jeweils eine CD dort herstellen lassen. Als ich vor zwei Jahren in Polen noch Solo unterwegs war, lief es dort zum Beispiel auch so ab. Polen ist auch ein moderner Musikmarkt und wenn man da eine Promoagentur hat, die sich um einen kümmert, dann kann ich mir vorstellen, dass es jetzt schon ganz anders aussehen könnte. Die Touren, die ich dort gemacht habe, waren selbst gebucht. In das Auto gesetzt und hin gefahren. In den kleinsten Kaschemmen gespielt, so wie ich das jahrelang auch schon in Deutschland gemacht habe. Das war eben eine total andere Nummer, als so eine Tour, wie sie jetzt gerade läuft. Nun gibt es eine Bookingagentur, Promotion, Radio-Plays und Interviews. Das ist ein ganz anderer Aufwand. Wenn man in einem Markt wie dem polnischen gut ankommt, funktionieren die Shows auch. Wie die dann ablaufen, weiß ich nicht, weil wir sowas noch nie gespielt haben. In England hatte ich das Gefühl, dass das Publikum unruhiger ist.

Hier in Deutschland gibt es im Vergleich dazu eine krasse Zuhörkultur, da die Leute wirklich auf Konzerte gehen und der Musik Aufmerksamkeit schenken. Klar, hier hast du auch immer die zwei bis drei Leute die brabbeln. Aber insgesamt finde ich, ist Deutschland ein echt unfassbar dankbares Land, um zu Touren, weil sich die Leute respektvoll die Musik anhören. China ist wieder eine ganz andere Nummer. Da sind die Leute sehr enthusiastisch und auch sehr gute Zuhörer. Da muss man im Anschluss immer noch mit allen Fotos machen. Das passiert dir hier auf den Konzerten nicht so oft. Klar, kommt schon mal vor, dass hier und da wer ein Foto machen will, aber das ist eher die Ausnahme. Da muss man in China schon noch eine Stunde nach dem Konzert mit einplanen (grinst).

Das aktuelle Album von Honig hört auf den einprägsamen Namen „It's Not a Hummingbird,It's Your Father's Ghost“.

Das passende Label finden

PnS: Wenn eine Band ihren ersten Labelvertrag bekommt: Auf was ist da definitiv zu achten?
Stefan:
Die allererste Honig-Platte war bei einem Düsseldorfer Label unter Vertrag. Da war aber von Anfang an klar, dass die keinen großen Promo-Etat haben. Dann wollte ich das Ganze selber machen, weil man über das Internet vieles von Zuhause aus machen kann, wenn man genug Energie reinsteckt. Vielleicht auch noch viel mehr, als ein kleines Label macht. Bei Haldern Records (aktuelles Label, bei dem Honig unter Vertrag steht, Anm. d. Autors) war für mich einfach der Grund, warum ich „Ja“ gesagt habe, der, dass ich die Leute persönlich kenne.

Es ist ja nicht so, dass man ein Demo wegschickt und dann ruft plötzlich jemand zurück und meint: „Hey, wir nehmen dich unter Vertrag!“ Das ist in der Praxis ganz anders. Man lernt Leute kennen, die sehen einen über ein Jahr hinweg vier oder fünf Mal bei deinen Konzerten oder du machst hier mal und da mal eine Kooperation. Irgendwann ist es dann soweit, dass die Leute vom Label sagen: „Hör mal, wir könnten uns da eine Zusammenarbeit vorstellen“. Da ich die Leute in dem Punkt auch schon etwas kennengelernt hatte, da ich auch wusste, wie die so arbeiten, habe ich mir da wenig Sorgen gemacht, weil die einem kreativ jegliche Freiheit lassen. Das war für mich immer wichtig, da ich Musik machen will, ohne mir sagen lassen zu müssen, dass mein Schlagzeuger nicht cool genug ist oder so. Das machen die nicht.

Beim aktuellen Album wurde auch richtig Kohle in Promo investiert. Radio-Promotion, Presse-Promoter und so wurde da arrangiert, damit die Platte funktionieren kann. Ich denke, es ist einfach wichtig, dass man persönliche Ansprechpartner hat. Bei einem kleinen Label wie Haldern besteht die Möglichkeit, dass wir mit der Platte, die wir jetzt gemacht haben, zu einem Prioritäten-Thema werden und es eventuell heißt: „Okay, das ist jetzt die Band, auf die wir uns konzentrieren.“ Wenn du bei Universal bist, ist das schon schwieriger. Klar, das kann bei einer Firma der Größenordnung auch klappen, ist aber halt nicht einfach. Insofern denke ich, muss man immer schauen, was von der Zusammenarbeit und Aufstellung her Sinn macht. Das ist manchmal viel sinnvoller, als sagen zu können, dass du bei einem riesen Plattenlabel bist. Das Label, bei dem wir jetzt sind, ist, meiner Meinung nach genau perfekt. Wir sind da sehr happy. Man muss auch immer darauf schauen, dass das Image des Labels gut mit dem Image der Band harmoniert. Ich finde, dass es hilft, wenn man ein Gesamtpaket schnürt.

 

Stefan Honig hat natürlich noch mehr zu sagen. Deswegen findest du hier demnächst auch noch Teil 2 dieses Interviews, in dem Stefan Tipps zum Instrumentenkauf gibt und über gelungene Showeinlagen sowie das Touren an sich spricht. Und um dir die Wartezeit zu versüßen, findest du hier Honigs aktuelles Video zu „Lemon Law“:




Weitere Infos: Honig Website
Honig auf Facebook



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