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Interview: Bob Katz

Der Mastering-Zauberer

Bob Katz, einer der Meister des Masterns, verrät im Interview, wie er arbeitet und welche Fehler man vermeiden sollte.


Der ...

Dass man Aufnahmen mischen muss, verstehen auch unerfahrene Musiker sofort. Was genau es mit dem Mastering auf sich hat, ist schon deutlich weniger Leuten klar. Dabei ist es unerlässlich, wenn man einen ausgewogenen und überall gut klingenden Sound möchte. Einer der großen Meister des Masterings ist Bob Katz, der schon für Ella Fitzgerald, Duke Ellington, The Royal Philharmonic Orchestra oder Sinead O’Connor gearbeitet hat. Wir sprachen anlässlich der Sennheiser Drum 'n' Remix Challenge mit ihm.

Wenn Alben veröffentlicht werden, steht natürlich die Band im Fokus. Doch jeder weiß, dass auch fähige Techniker nötig sind, damit die Aufnahmen wirklich gut klingen. Einer der wichtigsten Jobs im Studio ist neben dem Produzenten und dem Tontechniker der Mastering Engineer. Seine Stunde schlägt, wenn Aufnahmen und Mix abgeschlossen sind und es darauf ankommt, noch mal mit frischen Ohren dafür zu Sorgen, dass aus einzelnen Songs ein in sich stimmiges Album wird, das über möglichst viele verschiedenen Anlagen immer richtig gut klingt.

Eine der Ikonen des Masterings ist Bob Katz, der nicht nur unzählige Alben klanglich veredelt hat, sondern auch das Mastering-Referenzlehrwerk „Mastering Audio: The Art And The Science“ verfasst hat. Aktuell stellt er seine Fähigkeiten bei Sennheisers Drum 'n' Remix Challenge zur Verfügung, denn er wählt die besten Bewerber aus, gibt ihnen Tipps – und wird den Mix des Gewinners am Ende professionell mastern. Im Interview verrät er uns, wie er zum Mastern kam, warum er sowohl analoges wie auch digitales Equipment einsetzt und was ihn an modernen Aufnahmen am meisten nervt.

People nStuff: Hallo Bob. Einige unserer Leser kennen dich sicher noch nicht. Erzähl doch kurz, wie deine Karriere abgelaufen ist – und warum du dich aufs Mastering spezialisiert hast.
Bob Katz:
Ich war schon immer sowohl an Elektronik wie auch Musik interessiert. Im Alter von 10 Jahren habe ich angefangen Klarinette zu spielen. Und für Audiotechnik interessierte ich mich bereits in der High School! Mit 13 Jahren habe ich meinen ersten Tape Recorder auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt, gelernt, wie man lötet und wie man eine Kopfhörerbuchse in Geräte, die keine haben, einbaut. Später wurde ich Audio Supervisor beim Connecticut Public Television Network und machte mich dann selbstständig.

Ich spezialisierte mich darauf Musik direkt auf ein Zweispurgerät aufzunehmen, deshalb lernte ich schnell alle Tricks, wie man Aufnahmen verbessern kann, was ja Mastering ausmacht, wenn ich sie dann mit nach Hause nahm. Man kann ja nicht noch mal mixen, wenn man direkt auf zwei Spuren aufnimmt. Meine AKG 451E Mikros beispielsweise sind fantastisch, haben aber wenig Bass, wenn sie etwas weiter von der Audioquelle entfernt stehen. Deshalb lernte ich Orchesteraufnahmen nachträglich zu Remastern, also in dem Fall mit dem EQ zu bearbeiten. In den späten 1980ern wurde ich dann der audiophile Recording Engineer und technische Direktor bei Chesky Records, dem führenden Label für Audiophile und arbeitete weiter daran, mein Können in Sachen minimalistischer Abnahme von Jazz und anderen Bands auszubauen. Und ich masterte diese Aufnahmen dann natürlich auch. Ich machte mich dabei intensiv mit dem Klang von Livemusik vertraut. Heutzutage versuche ich Master zu erstellen, die die Qualität von Livemusik beinhalten, die live klingen, kraftvoll und so echt wie möglich – und das bei allen Arten von Musik, von Klassik über Rock bis Hip-Hop.


Mastering-Ikone Bob Katz wird den Gewinner-Track akustisch perfektionieren.

Die Kunst des Masterns

PnS: Wie würdest du die Funktion des Mastern im Schaffensprozess eines Albums beschreiben? Und hast du einen speziellen Ansatz?
Bob:
Beim Mastering geht es darum eine gemischte Aufnahme so gut wie möglich zu präsentieren. Mein Ansatz dabei ist es zu versuchen die Dynamik, den Raum und das Gefühl einer Liveperformance festzuhalten. Und die Kunden sind damit richtig glücklich. Ich versuche nicht etwas zu reparieren, was gar nicht kaputt ist – stattdessen erweitere ich die Aufnahmen und helfe dabei herauszuarbeiten, was die Musik zu sagen versucht.

PnS: Du hast auch den Lehrbuchklassiker „Mastering Audio: The Art And The Science“ geschrieben. Was war deine Überlegung dabei?
Bob:
Ich hatte schon immer Spaß daran Audiotechnik zu unterrichten und mein Wissen weiterzugeben. In den späten 1970ern war ich ein selbständiger Recording Engineer und habe Kurse in Audioproduktion am Institute of Audio Research in New York City gegeben. Ich mag es einfach mein Wissen und meine Erfahrung aus 40 Jahren Aufnehmen, Mischen, Mastern und technischer Entwicklung mit anderen zu teilen. Zudem bin ich sehr an digitaler und analoger Audiotechnik interessiert und weiß, wo da die typischen Stolperfallen versteckt sind. Deswegen zeige ich den Leuten gerne, dass digitale Audiotechnik keineswegs leichter zu handlen ist als analoge. Durch nur eine Mausbewegung oder ein Missverständnis kann deine Aufnahme kälter und kleiner klingen. Aber wenn du den exakten Abläufen für digitale Audioproduktion folgst, werden deine Recordings größer, weiter, wärmer und tiefer. Das ist doch ein guter Grund mein Buch zu lesen.

Auch Bob Katz musste sich erst an die neuen Herausforderungen aktueller Aufnahmen herantasten.

Schlechter Raum = schlechter Sound

PnS: Inwiefern haben die technischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte deine Art des Masterns verändert? Würdest du sagen, dass die Qualität der Musikproduktion heute schlechter ist als in den 1980ern oder 1990ern?
Bob:
Eine gute Frage, und nur schwer in Kürze zu beantworten. Der erste Punkt ist, dass der Loudness War (der Trend, Aufnahmen immer lauter und komprimierter zu mastern; Anm. d. A.) im Zusammenspiel mit einer Menge unerfahrener Leute, die versuchen ihre eigenen Aufnahmen – meist mit schlechten Samples in einem kleinen Kämmerchen – zu erstellen, dazu geführt hat, dass die Klangqualität und der Fortschritt in Sachen Musikaufnahme wirklich weit zurückgeworfen wurde.

Und ja, mein Mastering-Ansatz wurde davon beeinflusst. Ich musste mir alle möglichen Tricks draufschaffen, um schlechte bis mittelmäßige Mixe „zu reparieren“. Spezielle Masteringverfahren können einer ordentlichen Aufnahme zu einem guten Klang verhelfen – und einem guten Mix zu einem exzellenten Sound. Wir bekommen immer mehr Aufträge eine Art „Remix“ zu machen und während des Masterings Fehler zu beheben. Aber das ist kein Ersatz dafür, dass ein guter Mix der erste Schritt ist. Mein Vorschlag an Tontechniker ist also, möglichst früh während der Aufnahmen schon eine erste Mischung an den Mastering Engineer zu schicken und sich seine oder ihre Vorschläge anzuhören. Denn je besser der Mix ist, desto besser wird auch das Master werden.  

PnS: Arbeitest du lieber am Rechner mit Software oder setzt du auf Outboard Equipment? Und nutzt du weiterhin analoge Geräte?
Bob:
Ich arbeite sowohl digital wie auch analog. Das digitale Processing im Rechner mache ich mit Seqoia (eine professionelle Postproduction-Software von Magix; Anm. d. A.) und mit Plug-ins sowie den besten digitalen Outboard-Prozessoren von Weiss und TC Electronic. Dazu kommen analoge Geräte von Maselec, Dangerous Music, Bettermaker, Pendulum, Anamod, API und vielen anderen.

Wenn es darum geht, einen möglichst transparenten Ansatz umzusetzen, tendiere ich dazu mehr digitales Processing einzusetzen. Muss ich dagegen einer Aufnahme mehr Wärme verpassen, ihr eine gewisse Färbung geben oder bestimmte störrische Probleme lösen, die sich nur mit analogem Equipment beheben lassen, setze ich eher auf analoges Processing. Bitte lest mein Buch, um alles zu den Irrtümern des analogen Summierens zu erfahren. Analoges Summieren ist wirklich nicht nötig, es ist kein „Heilmittel“ für Probleme beim digitalen Summieren. Wenn man das digitale Summieren richtig macht, ist es komplett transparent und man braucht analoge Geräte nur, um noch eine Färbung hinzuzufügen oder für nachträgliches Processing.

Bob Katz wählt bei der Sennheiser Drun 'n' Remix Challenge nicht nur die Finalteilnehmer aus, er gibt auch Tipps für den Mix.

Tipps vom Profi

PnS: Du bist Teil der Sennheiser Drum ’n’ Remix Challenge. Welche Fehler erwartest du von den Teilnehmern, die ja Amateure sind? Und hast du schon vorab Tipps für die Tontechniker?
Bob:
Ich bin mir sicher, dass die Teilnehmer ihr Bestes geben und wenig Fehler machen werden – sie wollen ja schließlich den Wettbewerb gewinnen. Als Hilfestellung möchte ich zu bedenken geben, dass der am weitesten verbreitete Fehler, den ich im Mixen immer wieder höre, der ist, sich nicht richtig um den Bass zu kümmern und auf zu kleinen Lautsprechern zu mischen. Der zweithäufigste Fehler ist, ungeeignete Monitore zu verwenden und in einem Raum zu mischen, der den Klangcharakter verzerrt. Je unverfälschter dein Monitoring ist, desto schneller und leichter kannst du mischen. Wenn du von einem schlechten Raum oder billigen Monitorboxen behindert wirst, kannst du dir sicher sein, dass es richtig viel Zeit kosten wird. Ich wiederhole: Es wird viel Zeit kosten, richtig zu mischen.

Vertrau nicht darauf, dass dir deine Monitore die Wahrheit erzählen. Versuch in dem Fall lieber ein Paar hervorragende Kopfhörer zu bekommen und einen Kopfhörerverstärker, der dieser Aufgabe gewachsen ist. Richtig gut ist etwa der Sennheiser HD 800, aber schon der HD 280 Pro zeigt dir sehr genau, was im Bassbereich so passiert. Aber misch nicht mit den Kopfhörern, das macht dein Stereobild komplett kaputt. Benutz sie nur, um auch in einem schlechten Raum eine Referenz in Sachen Bass zu haben. Und dann hör dir deinen Mix auf einer Reihe verschiedener Anlagen an und mach dir Notizen. Dann mach einen Remix und check den wieder in den unterschiedlichen Referenzsituationen.

Danach wirst du vermutlich zu der Erkenntnis kommen, dass es besser wäre deinen Mischplatz zu optimieren, weil du sonst jede Menge Zeit, Energie und Geld mit der Nutzung von externen Monitorreferenzen verschwendest.

Ein weiterer Fehler, der recht häufig gemacht wird, ist, sich beim Mix an schlecht gemasterten Aufnahmen zu orientieren, was dann zu einer Spirale zunehmender Verzerrungen führt. Und wenn ein Mix zu verzerrt ist, kann der Mastering-Prozess das sogar noch verschlimmern. In dem Fall, wenn ein Remix unmöglich ist, kann ich auch nichts mehr machen.

Mein Tipp für angehende Audio Engineers ist, den Klang toller Aufnahmen genau zu analysieren und sich um eine passende Monitoring-Gelegenheit in einem guten Raum zu kümmern. Lern, wie du Kammfiltereffekte vermeidest, die entstehen, wenn Monitorboxen zu nahe an Oberflächen stehen, wodurch Reflexionen entstehen, die den Frequenzgang zerstören und ernstzunehmende Senken und Spitzen im Bassbereich und den tiefen Mitten erzeugen. Übrigens: In meinem Buch „Mastering Audio Third Edition“ gibt es ein komplettes Kapitel, dass sich nur mit diesem Thema beschäftigt.

Ich wünsche dir viel Erfolg.

Mit Sennheisers DrumMic'a!-Software könnt ihr die Drumspur bis ins Detail bearbeiten.

Infos zur Sennheiser Drum ’n’ Remix Challenge

Jetzt hast du ja schon einiges von der Sennheiser Drum ’n’ Remix Challenge gehört. Doch worum genau geht es dabei eigentlich – und was hat Bob Katz damit zu tun?

Der Wettbewerb dreht sich rund um DrumMic’a!, das virtuelle Drum-Plug-in von Sennheiser und Neumann, das vor gut einem Jahr vorgestellt wurde – und mittlerweile erwachsen ist: Über 35.000 Musikschaffende aus 185 Ländern haben sich seitdem auf www.DrumMica.de für die dauerhafte Nutzung der Drum-Library registriert und nutzen den einzigartigen, mit Sennheiser- und Neumann-High-End-Mikrofonen eingefangenen Sound des High-End-Acryl-Schlagzeugs für ihre Songs.
Um dieser Community neben ihren eigenen Einzelprojekten ein gemeinsames Projekt zu geben, haben die Macher von DrumMic’a! nun die „Sennheiser Drum ’n’ Remix Challenge“ ins Leben gerufen – nicht zuletzt können auch interessierte Einsteiger in das Thema so gleich direkt mit einem spannenden, professionellen Mehrspur-Projekt auf ihrer DAW/Standalone mit ihrem virtuellen DrumKit durchstarten – ohne eigenes Recorden.

Und so gehts
Ab dem 10. November steht die umfangreiche Mehrspur-Produktion mit dem Titel „Don’t wanna be your fool“ auf www.DrumMica.de zum Download zur Verfügung. Du holst dir das Projekt (inklusive einer vorkonfigurierten DrumMic’a!-Spur) bereits spielfertig aufbereitet in Form eines ProTools-, Logic-Pro- oder Cubase-Projektes auf deinen Rechner. Solltest du mit einem anderen Programm arbeiten, stehen alternativ auch alle Einzelspuren als WAV-Files zur Verfügung. Nur die Drum-Spur ist natürlich nicht dabei, denn die soll ja mit DrumMic’a! dazu programmiert werden.

Natürlich können und sollen die einzelnen Spuren nach Belieben umarrangiert, zusätzliche Songteile oder Spuren hinzugefügt und das Ganze fertig gemischt werden. Deinen besten Mix lädst du dann bis zum 30. November auf www.DrumMica.de. Bob Katz wird dann die zehn Finalisten auswählen und jedem der Top 10 persönlich Tipps geben, was er an seinem Mix verbessern kann. Vom 15. bis zum 21. Dezember wird dann von der Internet-Community der Sieger per Voting bestimmt.

Und das Beste: Den finalen Schliff wird dem Gewinner-Song kein Geringerer als Mastering-Guru Bob Katz verleihen. Neben diesem einzigartigen Mastering und dem Ruhm des Gewinns der Sennheiser Drum ’n’ Remix Challenge winkt dem Produzenten des Sieger-Tracks zudem ein legendärer Mikrofon-Traum fürs Studio: ein Neumann TLM 107 Großmembran-Mikrofon im Wert von rund 1.560 €.


Veranstalter: Sennheiser
Weitere Infos: Sennheiser Drum ’n’ Remix Challenge



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