Kontakt -  Heft -  Umfrage -  Impressum -  Termine -  Newsletter 

Besuche unsere Facebook-Seite Folge uns auf Twitter Videos von MusicnStuff auf Youtube Folge uns auf G+ MusicnStuff auf myspace Besuche unsere Instagram-Seite

Test: PreSonus StudioLive 24 Series III

Fetter die Channels nicht klingen

Was für ein fettes Update! PreSonus haut mit dem neuen StudioLive-Mischer einen echten Hammer für Bühne und Studio raus.


Fetter die Channels ...

PreSonus gehört längst zu den weltweit wichtigsten Anbietern für Beschallungs- und Recordinglösungen. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn der US-amerikanische Audio-Spezialist reagiert gekonnt auf die Anforderungen des Marktes. Dies beweist er wieder einmal mit seinem neuesten Digitalmischpult StudioLive 24 Series III. Wir hatten es im Test.

Wie heute so manche großen Firmen fing auch PreSonus in einer Garage an. Das war 1995. Was damals mit dem recht innovativen Acht-Kanal-Dynamikprozessor DCP-8 begann, gipfelt über 20 Jahre später in einer vollständigen Produktionsumgebung. Allerdings nicht in einem ausartenden Studio und zahlloser Peripherie – wie man vielleicht meinen mag. Nein, es handelt sich um ein kompaktes Digitalmischpult und „eine handvoll Software“: dem StudioLive 24 Series III. Klar, das klingt im ersten Moment weder überzeugend noch wirklich außergewöhnlich. Doch, Moment!

PreSonus hat alle nötigen Tools und Funktionen für beinahe jedwedes musikalisches Szenario an Bord seines neuen Mixers gepackt. Das gilt sowohl für den Studio- als auch für den Live-Betrieb. Mehr noch, denn auch Recordings von Einzelspuren sind dabei entweder in Kombination mit einer DAW oder als Stand-alone-Institution möglich. Der Hersteller liefert freilich gleich seine eigene Produktionssoftware Studio One 3 Artist mit. Und das Interessante am Ganzen: Das alles gibt es zu einem unschlagbaren Preis.

Bereits vor gut zehn Jahren sorgte die erste StudioLive-Serie für viel Aufmerksamkeit. Insbesondere, da diese in der Bedienung analogen Mischpulten nachempfunden war. Das gab es bis dato in dieser Form für digitale Geräte so nicht: Jedem Parameter war ein bestimmter Potentiometer, Encoder oder Button zugeteilt. Von diesem Konzept hat sich PreSonus nun mit Series III jedoch entfernt. Wie bei den meisten anderen Digitalpulten übernehmen nun insgesamt weniger Drehregler und Taster die Aufgaben von weit mehr Funktionen.

Neu an Series III ist nicht nur die überarbeitete Bedienoberfläche an sich. Hinzugekommen ist für jeden Kanal und Funktionsencoder ein kleines Display. Dieses zeigt an, welcher Kanal welches Signal führt beziehungsweise welcher Encoder welchen Parameter beeinflusst. Somit erübrigt sich mitunter das schriftliche Festhalten der Kanalbelegung mithilfe von Malerkrepp, zusätzlichen Zetteln oder Konsorten. Unübersehbar ist aber vor allem das frische 7-Zoll-Touchdisplay. Aber dazu gleich mehr.



Mit dem 7-Zoll-Touchdisplay ermöglicht Series III eine viel tiefgreifendere Bedienung als es die Modelle zuvor jemals hätten bieten können.

Noch mehr Neuerungen

Die neu arrangierte Bedienoberfläche ist aber nicht der einzige Unterschied zu den vorangegangenen StudioLive-Modellen. USB 2.0 anstatt Firewire – eine wirklich sehr weise Entscheidung. Mit der universalen Schnittstelle eröffnet PreSonus nämlich einen quasi völlig neuen Zugang zu modernen Computern, ohne zusätzlich einen Adapter oder eine Steckkarte zu benötigen. Das wurde ehrlich gesagt höchste Zeit, denn welcher Rechner kommt heute standardmäßig noch mit der relativ veralteten Schnittstelle?

Was das StudioLive 24 Series III zu einer waschechten Stand-alone-Institution macht, ist die Aufnahmesoftware Capture. Zugegeben, das Programm hat schon einige Jahre auf dem Buckel und dürfte manchem PreSonus-User bekannt sein. Neu ist allerdings, dass Capture direkt auf dem Mixer läuft. Das heißt, es wird kein zusätzlicher Computer mehr benötigt, um alles aufzeichnen und abspielen zu können. Lediglich eine ausreichend große SD-Karte im Slot „Live Recording“ ist von Nöten, da nicht im Lieferumfang enthalten.

Was heißt aber „alles aufzeichnen“? Ganz einfach: die Einzelsignale aller 32 Kanäle inklusive der jeweiligen Fat-Channel-Einstellungen und Fader-Positionen. So hat man daheim eins zu eins das, was man live gemacht hat. Das hilft etwa beim Analysieren der eigenen Arbeit oder dem nachträglichen Mischen ausgehend von den Live-Einstellungen. Mit Capture lassen sich Signale ebenso abspielen. Das ermöglicht zum Beispiel virtuelle Soundchecks, ohne die Band noch einmal auf die Bühne bitten zu müssen. Für das Aufzeichnen und Abspielen stehen übrigens direkt unterhalb des Bildschirms großzügige Transport-Taster bereit.

Da wir bereits davon sprachen: Auch der sogenannte „Fat Channel“ erfuhr ein Lifting. Der virtuelle Kanalzug ist nun Plug-in-basiert und erlaubt es somit, unterschiedliche Zumisch- und Ersetzungseffekte für den gewünschten Klang auszusuchen. So können beispielsweise neben dem Standardkompressor eine FET- oder eine Röhren-Emulation für jeden Kanal einzeln ausgewählt werden. Hier gibt es wirklich viel zu entdecken, auszuprobieren und zu nutzen.


Einerseits weniger, andererseits viel mehr: Der überarbeitete Fat Channel des StudioLive 24 Series III hält einige Besonderheiten bereit.

Über das Bedienkonzept

Warum PreSonus die Handhabung für das StudioLive 24 Series III umgekrempelt hat, dafür gibt es mehrere Gründe. Einerseits wäre da wohl das Konzept an sich. Klar, jemand, der sich mit seinem StudioLive auskennt, wird die analogen Schüsseln nachempfundene Steuerung blind beherrschen. An Veranstaltungsorten mit wechselnden Technikern aber etwa kann es sinnvoll sein, ein Bedienkonzept bereitzustellen, mit dem jeder umgehen kann, der sich einmal mit digitalen Mixern auseinander gesetzt hat.

Andererseits – und das ist wohl der wichtigste Aspekt – erübrigt sich nun das Platzproblem. Denn: Wenn für jeden Parameter ein Bedienelement benötigt wird, reicht selbst die Oberfläche eines StudioLive 32 Series III nicht mehr aus, um alles unterzubekommen. Und wie bereits angesprochen: Der Fat Channel besitzt nun einen neuen Ansatz, der nur noch schwer mit dedizierten Bedienelementen abgebildet werden kann. Schon alleine für den Kompressor bräuchte man ansonsten strenggenommen drei verschiedene Sektionen. Dass das keinen Sinn macht und nicht mehr übersichtlich wäre, leuchtet sicherlich jedem ein.

Das frische Bedienkonzept am Mixer selbst wäre ohne eine zusätzliche Komponente nicht möglich gewesen: den neuen Displays über den Encodern in der Mitte des StudioLive 24 Series III. Diese zeigen an, welches Element welche Funktion übernimmt und welches Tool ausgewählt ist. So steht etwa ganz oben im bis zu vierzeiligen Bildschirm, ob der Standard-, FET- oder Tube-Kompressor ausgewählt ist. Das ist überaus praxisorientiert und trägt sehr zum Bedienkomfort bei.

PreSonus geht auch anderweitig mit der Zeit: Das StudioLive 24 Series III lässt sich nicht nur direkt über die Mischpultoberfläche steuern, sondern mittels der Software UniversalControl über einen Computer oder mit der App UC Surface sogar über gleich mehrere iPads. Gut gelöst hierbei ist, dass sich der Workflow bis zu einem gewissen Grad auf die eigenen Bedürfnisse zuschneiden lässt. Dazu gehört etwa das Anpassen des Fat Channel auf dem iPad. Ja, sogar die Musiker können hier über ihr iPhone, iPod Touch und Android-Handy mittels QMix-UC ihren Monitormix selbst regeln. Das ist heute ohnehin kaum wegzudenken.


Nur ein Blick auf das kleine Display über dem jeweiligen Encoder genügt – und Tool sowie Parameter sind klar.

Haptische Kriterien

Im Grunde ist die Bedienung des StudioLive 24 Series III relativ selbsterklärend – wie bei den meisten Digitalmischpulten. Vorausgesetzt natürlich, man kennt sich in der Materie einigermaßen gut aus. Mix-Frischlingen sowie Umsteigern auf ein Digitalsystem bleibt nichts anderes übrig, als sich ein wenig mit dem Konzept auseinanderzusetzen. Das Praktische hierbei: Durch die intuitive Parameteraufteilung findet man sich schnell zurecht und weiß, wohin man greifen muss, um die gewünschte Änderung herbeizuführen.

Dennoch gibt es ein paar Dinge, die aus unserer Sicht noch ein wenig verbesserungswürdig sind. Da wäre vor allem das Display. Dieses ist zwar ausreichend groß und übersichtlich designt, aber: Direkte Parameteränderungen sind nur bedingt möglich. Beispielsweise lässt sich zwar beim EQ jedes Band durch ein Tippen auswählen, aber nicht durch Wischen verändern. Stattdessen muss der Encoder darunter bemüht werden – weniger intuitiv. Das mag bei anderen Produkten ähnlich sein, aber so richtig zeitgemäß scheint das nicht mehr. Womöglich hatte PreSonus aber einen guten Grund dafür.

Ein weiterer Punkt ist, dass das Display recht träge wirkt. Dazu zählt etwa der Frequency Analyzer, der optisch merklich eine gute Sekunde hinter dem Signal liegt. Ab und zu muss man auch ein Element ein zweites Mal antippen, um dieses auszuwählen. Das kann in stressigen Situationen frustrierend sein. Wer hierbei lieber auf Nummer Sicher gehen möchte, kann allerdings einfach auf die Bedienelemente links vom Bildschirm zugreifen; dort finden sich die wichtigsten Parameter eins zu eins gespiegelt. Und da gibt es wirklich nichts zu meckern: Alle Buttons, Drehgeber und Fader vermitteln einen hochwertigen Eindruck.

Vor allem die Taster am StudioLive 24 Series III sind positiv hervorzuheben. Diese liefern mit ihrem deutlichen, aber nicht schwerfälligen Druckpunkt ein schönes haptisches Feedback. Nicht nur das, durch ihre eindeutige farbliche Hinterlegung weiß man immer, was gerade aktiviert ist – und das sowohl in dunklen Räumen als auch bei direkter Sonneneinstrahlung. Für eine bessere Übersicht sehr dienlich ist übrigens, dass die „Select“-Taster für jeden Kanal mit einer von insgesamt 16 Farben anders eingefärbt werden können.


In insgesamt 16 verschiedenen Farben kann der Taster „Select“ eines jeden Kanals leuchten.

Sound im Einsatz

Wir haben viel über das Bedienkonzept und einige der Neuerung gesprochen. Jetzt ist es höchste Zeit, sich mit dem Sound und dem Drumherum zu beschäftigen. Und in puncto Klang lässt sich nur Positives sagen, denn das StudioLive 24 Series III tut genau das, was es soll: Es überträgt das Signal erst einmal relativ neutral und detailreich, ohne die berüchtigte digitale Sterilität aufzuweisen. Die insgesamt 24 XMAX-Preamps arbeiten dabei sehr präzise. Mit einem Verstärkungsgrad von bis zu 60 dB bieten sie außerdem genügend Headroom, um selbst die leisesten Signale auf Arbeitspegel zu bringen.

Was PreSonus wirklich löblich hinbekommen hat, sind die Emulationen für EQ, Kompressor und Effekte. Der Vintage-Equalizer etwa sorgt für eine authentische, überaus musikalische Klanganpassung, und der Tube-Kompressor für eine gewisse „analoge“ Wärme im Signal. Schön umgesetzt hierbei ist ebenso die optische Komponente: Jedes Tool besitzt sein eigenes, dem Original nachempfundenes Design – wie man es eben von unterschiedlichen Plug-ins innerhalb einer DAW kennt.

Übrigens: Anschlussseitig verzichtet das Digitalpult nun gänzlich auf Insert-Send-Returns. Freilich, alles Nötige hat der Mixer mit an Bord. Wer dennoch auf Outboard-Equipment nicht verzichten möchte, kann sich Inserts selbst „bauen“. Mit dem StudioLive 24 Series III stehen hierfür genügend Ein- und Ausgänge bereit. Und wer lieber sein geliebtes Dritthersteller-Plug-in verwenden möchte, hat immer noch die Möglichkeit, in Kombination mit einer DAW zu arbeiten. Hierbei eignet sich vor allem das mitgelieferte Studio One 3 Artist.

Noch eine abschließende Bemerkung zu den insgesamt 25 berührungsempfindlichen Motor-Fadern: Haptik und Verarbeitung lassen wirklich nichts zu wünschen übrigen. Ein wenig verwirrend ist allerdings folgender Fakt: Fader und tatsächlicher Pegel stimmen nicht überein. Ist die Fader-Position zum Beispiel auf „–60“, zeigt das Display „–50 dB“ an, bei der Stellung „–40“ sind es in real „–35 dB“. Zumindest bei der Unity-Stellung passt es mit „0 dB“ wieder überein. Hier sollte PreSonus auf jeden Fall noch einmal nachkalibrieren.


25 berührungsempfindliche, motorisierte Fader besitzt das StudioLive 24 Series III.

Fazit, technische Daten & Wertung

Im Rahmen unseres Testberichts konnten wir leider nicht auf alle Funktionen des PreSonus StudioLive 24 Series III eingehen. Zu entdecken gibt es aber noch sehr vieles. Interessant wäre etwa gewesen, die Netzwerkfähigkeit über die AVB-Schnittstelle auszuprobieren. Doch leider fehlten uns hierfür die Zeit und die passenden Möglichkeiten. Auf die konkrete Bedienung wollten wir nicht eingehen, da diese bereits andernorts ausführlich beschrieben ist. Das Beleuchten des Konzepts schien uns hier sinnvoller.

Wo wir schon dabei sind: Eingesessenen StudioLive-Usern mag das neue Bedienkonzept nicht so schmecken. Da keine dedizierten Regler mehr vorhanden sind, muss der Workflow entsprechend angepasst werden. Auch wenn es manche Schade finden, die sich ergebende Vielfältigkeit ist quasi unbegrenzt. Hierdurch wurde der Weg geebnet, um in Zukunft noch mehr verschiedene Plug-Ins einzubinden, die mit dem nunmehr alten Konzept hätten nicht genutzt werden können.

Die Neukonzipierung schafft eine breitere Basis für einen noch individuelleren Klang. Gerade die bereits integrierten Tools beweisen das. Davon völlig losgelöst ist, in welcher Umgebung das StudioLive 24 Series III zum Einsatz kommt: Vor oder auf der Bühne sowie im Studio erfüllt es beinahe jeden Wunsch. Und das nicht nur für den Tonkutscher direkt vor dem Mixer oder mittels iPad irgendwo im Publikum, sondern auch für den Musiker, der seinen Monitorsound selbst in der Hand hat.

Nicht nur die umfassende Systemlösung an sich macht das digitale Mischpult von PreSonus sehr attraktiv. Hier spielen genauso die robuste, vorbildlich gefertigte Konstruktion und das relativ schlanke Design mit hinein. Auch die aktuellen Featurewünsche aus der Praxis wurden berücksichtigt. Das Beste aber: Anhand seiner Flexibilität und der bereits mitgelieferten Möglichkeiten ist das StudioLive 24 Series III vor allem preislich unschlagbar.


Technische Daten:

Auflösung – 24 Bit zu 48 kHz
Systemlatenz – 1,9 ms (Analog-In auf Analog-Out, aktive Signalverarbeitung)
Frequenzgang – 20 Hz bis 20 kHz (± 0,5 dB)
Dynamik – 115 dB (A-gewichtet @ 48 kHz)
Eingänge – 12x XLR, 12x Kombi, 2x Stereo-Aux, Stereo-Cinch (Tape) & Talkback (+48 V)
Ausgänge – 8x XLR (Mix), 8x TRS (Mix), Stereo-Monitor, Kopfhörer, Stereo-Cinch (Tape) & AES
Sonstige Anschlüsse – USB 2.0, RJ45 (Control), Audio Network, SD-Card-Reader,
12-Volt-Lampe & Kaltgerätenetzbuchse
Bluetooth-Schnittstelle – 4.1, stereo
Kompatibilität – ab Mac OS X 10.8.5 und Windows 7 (min. Intel Core 2 Duo &
4 GB RAM), iOS 9.3 & Android 5.0
Betriebstemperaturbereich – 0 bis 40 °C
Lieferumfang – StudioLive 24 Series III, Studio One 3 Artist, Capture (Downloadcode), USB-Kabel, Ethernet-Kabel & Kaltgerätenetzkabel
Abmessungen (HxBxT) – 179 x 650 x 584 mm
Gewicht – 13,6 kg


Wertung:
+ intuitives, übersichtliches Bedienkonzept
+ All-in-one-Lösung für Studio und Bühne
+ stabile, roadtaugliche Konstruktion
+ hervorragender Sound
– Display überarbeitungswürdig


Preis (UVP): 3.199 Euro

Vertrieb: Hyperactive
Weitere Infos: PreSonus StudioLive Series III im Netz



Leser-Kommentare:
Keine Kommentare

Kommentar schreiben...

Das könnte dich auch interessieren:




layout-domain.tmpl