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Im Fokus: Fachkraft für Veranstaltungstechnik

Arbeitsplatz Bühne

Was macht eigentlich eine „Fachkraft für Veranstaltungstechnik“ – und was darf man als Band alleine?


Arbeitsplatz Bühne

Den Beruf des „Veranstaltungstechnikers“ oder Roadies stellen sich viele auch heute noch eher romantisch vor. Doch wie genau sieht eigentlich der Alltag aus? Wie wird man professioneller Techniker? Diese und viele weitere Fragen klären wir hier.

Gleißende Lichter, wummernde Bässe, Champagner in Strömen. Nächtelange Partys mit den angesagtesten Topacts und den schärfsten Groupies, Glamour und die besten Hotels in jeder Stadt. Mittendrin du, am Gürtel ein Multitool und eine ultrahelle Taschenlampe, dein Outfit ist stilsicher: schwarze Funktionshose, schwarzes Bandshirt, schwarze Softshelljacke und lässig in der Tasche ein paar Riggerhandschuhe. Du bist der Veranstaltungstechniker, der Roadie, du hast die Technik im Griff und den Überblick über die gesamte Bühne.

Kurzer Break, gleicher Ort, gleiche Zeit – nur eine Prise mehr Realismus: grelles Neonlicht im Backstage, die Amps sind gerade aus, irgendwo steht noch ein Becher Kaffee, der auch schon mal heißer war. An irgendeiner Hotelbar nimmt die Band noch einen Drink und die Stadt, in der du gerade bist, sieht aus wie jede andere auch. Mittendrin du. Es gibt eine kurze Absprache unter Kollegen, wer sich um welches Gewerk kümmert, denn der Truck steht schon am Loadingdock und der Fahrer hat wie immer Zeitdruck. Kein Tool, keine Taschenlampe, sondern ein Trusshammer und der Lärm geht los. Bühnenelemente schleppen, Cases wuchten, Kabel durch eine undefinierbare Substanz aus den Yellowjackets zerren, Kisten schieben. Während die ersten Cases die Rampe hochgeschoben und in den LKW geladen werden, schaust du kurz auf die Uhr – 0:30 Uhr. Du bist einer von vielen Veranstaltungstechnikern, ein Roadie – und du hast noch mindestens eine Stunde vor dir, bis du in irgendeinem Budgethotel eincheckst. Für ein paar Stunden Ruhe, denn um sieben klingelt der Wecker. Nächste Stadt, nächste Show.

Nicht erschrecken, vieles von dem oben geschriebenen ist womöglich etwas überspitzt dargestellt. Vieles davon ist jedoch auch bittere Realität für nicht wenige Veranstaltungstechniker. Die Zeit, wo jeder nach der Schule in die Glitzerbranche wollte und die Standardempfehlung bei der Berufsberatung für Schulabsolventen lautete, „machen sie doch was mit Medien“ ist zum Glück vorbei und das verklärten Berufsbild des Veranstaltungstechnikers ist der Realität gewichen, dennoch hat die „Fachkraft für Veranstaltungstechnik“, so die offizielle Berufsbezeichnung, immer noch deutlich mehr Charme für viele, als es ihr dröger Name vermuten lässt.
Woher kommt das?

Machen wir uns mal auf die Suche nach der Realität und fangen dazu vor etwa 50 Jahren an. Damals nämlich entstand in Deutschland ein Beruf, den es bislang noch nicht gab: der (nennen wir ihn mal) Bandtechniker oder eben Roadie. Krautrockbands wie Hoelderlin, Birthcontrol, Can oder Grobschnitt wurden populär und spielten erste Tourneen, auch Urgesteine wie Udo Lindenberg mit seinem Panikorchester hatten damals ihre ersten Gigs. Ein Transporter voll Equipment wurde vollgepackt und man fuhr von Ort zu Ort, spielte an jeder Steckdose und übernachtete in Kommunen oder bei Freunden. Damit sich die Musiker um ihr Ding kümmern konnten, wurde irgendwann der junge Mann zum Mitreisen gesucht – wer löten konnte, technisches Verständnis hatte und einen Führerschein, der brachte sich alles Weitere von Tag zu Tag selbst bei. Klassische Verleihbuden gab es damals nicht – Bands hatten ihr eigenes Equipment und tauschten sich untereinander aus. Nicht selten warfen auch mehrere Bands ihr Equipment zusammen, um größere Festivals oder Gigs spielen zu können. Was damals so zusammengebaut wurde, mutet heute mitunter sehr surreal an.


Selbst bei bekannten Acts wie hier Pink Floyd war früher alles mehrere Level überschaubarer.

Es wird professionell

In den folgenden Jahren entstanden die ersten Verleiher – noch ganz anders als man heutige Unternehmen kennt. Geld für Markenlautsprecher war rar und wenn, dann waren die benötigten Teile meist nur in den USA oder England verfügbar. Man baute also selbst nach, Kopierte und zahlte Lehrgeld. Ein Veteran aus dieser Zeit, der tatsächlich heute noch im Geschäft ist, beschreib das mal so: „Du hast in der BBC die Stones gesehen und dir gemerkt, wie die Kisten aussahen. Dann hast die nachgebaut und nach dem ersten Gig waren alle Hochtöner durch. Von dem Geld, dass du beim Konzert verdient hast, hast du dir dann neue Hochtöner gekauft und versucht, die Boxen so zu ändern, dass nix mehr passiert.“ Sogar Verstärker oder Mischpulte wurden damals noch selbst gebaut – heute praktisch unvorstellbar. Man kopierte untereinander und lernte aus den eigenen Fehlern – und denen der Anderen.

In den 80ern schwappte immer mehr Material aus den USA über den Teich nach Europa, meist über England, wo Mitte der 70er schon die ersten professionellen Verleiher ihre Firmen gründeten. Das Material wurde immer professioneller und auch die Crews wurden immer besser. Trotzdem gab es damals praktisch nur Quereinsteiger im Business. Wer etwas konnte, was auf Tour gebraucht wurde, der war dabei. Zu dieser Zeit galt der Bandtechniker auch immer noch als alternativer Lebensentwurf zum normalen, geregelten Berufsalltag. Festanstellung? Krankenkasse? Rente? Alles Fehlanzeige!

1999 schließlich boten die IHKen in Deutschland erstmals einen Ausbildungsberuf zur „Fachkraft für Veranstaltungstechnik“ an – in dreieinhalb Jahren sollte potentiellen Interessenten das vermittelt werden, was ein Veranstaltungstechniker braucht. Strom, Statik, Mechanik, Brandschutz und Sicherheitstechnik für die Branche, dazu Fachwissen rund um Traversen, Audio und Licht. In den folgenden Jahren waren es mit großer Mehrzahl dann auch altgediente Recken, die schon Jahrelang im Business waren, die praktisch nachträglich eine Qualifikation erwerben wollten.

Seither treten durchschnittlich etwa 1.900 Berufsanwärter jedes Jahr ihre Ausbildung an – eine beachtliche Zahl an Bewerbern für eine eigentlich recht kleine Branche. Ein Großteil der Absolventen landet nach der dreieinhalbjährigen Ausbildungszeit meist in einer mehr oder weniger gewollten Selbstständigkeit und arbeitet als freier Techniker oder Freelancer auf Auftragsbasis. Weit weniger ergattern einen der begehrten, festen Arbeitsverträge in einem Betrieb – und eine Hand voll Absolventen schiebt gar ein fachspezifisches oder fachfremdes Studium nach. Nicht zu vergessen ist auch ein nicht unerheblicher Prozentsatz derer, die nach der Ausbildung der Veranstaltungstechnik den Rücken kehren und sich in einem gänzlich anderen Betätigungsfeld umsehen.

Bei dieser Menge an Technik kommt man ohne eine solide Ausbildung nicht weiter.

Wie wird man Profi?

Reicht es aus, Musiker zu sein? Eine dicke Anlage zu haben? Sowas schon immer gemacht haben zu wollen? Ganz sicher nicht – denn aus dem jungen Mann zum Mitreisen ist inzwischen ein hochqualifizierter Techniker mit einem sehr speziellen Anforderungsprofil geworden. Die gesamte Branche wandelt sich immer mehr von einer lockeren Gruppe von Enthusiasten, die am Wochenende Rock ´n´ Roll machen wollten zu einer handfesten Industrie mit den entsprechenden Strukturen. Zusätzlich ist im Vergleich zum herkömmlichen Industriebetrieb noch einiges an Zusatzqualifikation nötig. Nachtarbeit, Wochenendarbeit, ausgeprägte Reisebereitschaft, körperliche Belastbarkeit – all das wird heute von einem Veranstaltungstechniker ganz selbstverständlich erwartet.

Viele Ausbildungsbetriebe gehen daher den Weg über ein oft mehrwöchiges Praktikum, bevor sie die Ausbildungsplätze vergeben. Hier kann geprüft werden, ob der Bewerber tatsächlich die Anforderungen erfüllt, ober er ins Team passt und ob seine Vorstellungen vom „Leben als Roadie“ dem entsprechen, was dieses Leben tatsächlich bedeutet. Insbesondere der Punkt „Teamfähigkeit“ ist immens wichtig, denn auf einer Produktion arbeitet man eng mit Kollegen zusammen, muss als Teil des Teams funktionieren und hockt mitunter auch länger auf engem Raum zusammen. Wer da nicht teamfähig ist oder zu gerne sein Ego poliert, der sprengt mitunter eine komplette Produktion – oder macht zumindest den Job unnötig schwerer.

Belastbarkeit ist ebenso ein großes Thema. Hinter der Bühne geht es mitunter deutlich rauer zu als vor der Bühne, wo alles immer nett und shiny sein muss. Klare Ansagen, deutliche Worte, Stresssituationen und Termindruck sind nichts für zarte Gemüter. Dabei sollte aber auch niemand vergessen, dass der Ton oft rauer ist als die Typen selbst.

Gerade bei großen Aufbauten ist Fachwissen gefragt – sonst wird es lebensgefährlich!

Was ist mit den Hardskills?

Wer sich auf den Weg macht, Veranstaltungstechniker zu werden, der sollte zunächst eins sein: volljährig. Klingt banal, ist aber praktisch unabdingbar. Das deutsche Arbeitszeitschutzgesetz erlaubt Auszubildenden unter 18 Jahren nämlich nur in begründeten Ausnahmefällen und unter strengen Auflagen die Arbeit an Wochenenden oder nachts. Ein Führerschein wird inzwischen auch fast überall vorausgesetzt, auch das hat ganz praktikable Gründe. Wer nachts oder am Wochenende auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, der hat mitunter ein Problem, vom Job oder zum Job zu kommen.

Darüber hinaus orientieren sich die Anforderungen an zukünftige Veranstaltungstechniker eigentlich weniger an einer musikalischen Vorbildung, dafür umso mehr an technischem Verständnis. Klingt kurios – aber der Veranstaltungstechniker ist weit weniger kreativ, als viele meinen. Natürlich schadet es nicht, ein Instrument oder in einer Band zu spielen – das schadet ja nie – aber weit wichtiger ist ein Verständnis für technische Zusammenhänge, Mathematik, Physik und jede Menge Organisationstalent. Inzwischen gibt es an vielen Schulen Technik-AGs oder ähnliche Einrichtungen, in denen man erste Erfahrungen sammeln kann. Solche Institutionen schulen das Grundverständnis für die Zusammenhänge, die später in der Ausbildung wichtig werden: wie funktionieren Lautsprecher, Verstärker, Dimmer oder Mischpulte? Wie verkabele ich eine Anlage – und welche Komponenten benötige ich überhaupt.

Viel diskutiert wird auch über die notwendige Vorbildung – also den benötigten Schulabschluss, den potentielle Auszubildende mitbringen sollten. Viele Ausbildungsbetriebe setzen inzwischen tatsächlich ein Abitur oder Fachabitur voraus – was mit Blick auf die Volljährigkeit der Azubis ja auch nachvollziehbar ist. Aber auch ein Real- oder Hauptschulabschluss oder ein Gesamtschulabschluss sind keine Hürde, eventuell lässt sich ja die Wartezeit bis zum 18. Geburtstag mit einem Berufsgrundschuljahr, zum Beispiel mit dem Schwerpunkt „Elektrotechnik“ oder ein Jahrespraktikum im Lager einer Technikfirma überbrücken.

Bleibt noch der Blick auf die persönliche Gesundheit. Eine robuste Konstitution schadet auf keinen Fall, mitunter fordern Arbeitgeber für bestimmte Tätigkeiten (Rigging, Höhenarbeit) auch bestimmte Gesundheitschecks.

Soweit zu Teil eins dieses Specials. In Teil zwei geht es dann ab in die Praxis. :) Vorher haben wir aber noch ein Interview mit einem erfahrenen Profi der Branche für dich:

Falco Zannini gewährt Einblicke in die Arbeit als Fachkraft für Veranstaltungstechnik.

Interview mit Falco Zanini

Du merkst schon, das ist ganz schön kompliziert, herauszufinden, wer eigentlich was darf. Um hier Licht ins Dunkel zu bringen, sprachen wir mit dem Meister der Veranstaltungstechnik Falco Zanini über seine Erfahrungen aus langjähriger Praxis und welche Fehler am meisten gemacht werden.

Music nStuff: Ab wann brauche ich für meine Veranstaltung einen Veranstaltungstechniker?
Falco Zanini:
Ich gehe davon aus, dass du eine fertig ausgebildete Fachkraft für Veranstaltungstechnik meinst, denn „Techniker“ kann sich jeder nennen, der meint, das tun zu können, selbst der Dorf-DJ, der eigentlich Metzger ist. Wenn Du also sicher sein willst, dass die für deine Veranstaltung passende Technik richtig aufgebaut und bedient wird, solltest du schon darauf achten, dass der von dir ausgewählte (oder auszuwählende) Dienstleister über ausgebildete Fachkräfte und einen Meister verfügt.  
 
MnS: Reicht eine Fachkraft? Oder darf der dann gar nicht alles (Licht, Ton, Strom, Bühnenaufbau) machen?
Falco:
Die gut ausgebildete Fachkraft hat in der Regel umfassend die Grundlagen gelernt und sich häufig spezialisiert. Daher sollte sie einen Standardaufbau leisten können. Das Prüfen der Hausanschlüsse vor Aufstecken und nach Errichten der gesamten Anlage kann und darf nur eine Elektrofachkraft für Veranstaltungstechnik (EFKVT). In der Fachkraftausbildung ist das erst ab diesem Ausbildungsjahr Teil der Ausbildung. Der separate Kurs zur EFKVT dauert allein sechs Wochen. Alle Riggingaufgaben darf wiederum nur ein Rigger mit Sachkunde für Veranstaltungsrigging durchführen. Dort gibt es drei verschiedene Level nach igvw-Standard. Zum Aufbau von Gerüsten und Zelten ist „eigentlich“ ebenfalls spezifische Sachkunde erforderlich.
 
MnS: Was darf ich als Musiker selbst machen?
Falco:
Der Musiker darf seine Instrumente aufbauen und anschließen, seine PA und das Licht. Dennoch ist eine Elektrofachkraft nötig, wie schon erwähnt. Dabei geht es auch im schlimmsten Fall um Versicherungen, wenn es in die Hose gegangen ist. Es darf auch nicht vergessen werden, dass alle Betriebsmittel, besonders die elektrischen, regelmäßig (mindestens jährlich) durch eine EFK geprüft werden müssen. 

 

Es ist kompliziert

MnS: Wer überprüft eigentlich, ob bei öffentlichen Veranstaltungen alles mit rechten Dingen zugeht?
Falco:
Das richtet sich danach, ob die Veranstaltung im Regelungsbereich der Versammlungsstättenverordnung oder des Ordnungsrechts stattfindet und welche Teilbereiche zu kontrollieren sind. Vor Ort hat der Veranstalter in der Regel mit der Bauaufsicht und der Feuerwehr zu tun und natürlich mit dem Ordnungsamt. Eine wirkliche Kontrolle findet bestenfalls bei größeren Veranstaltungen statt. Viel zu häufig ist es leider so, dass die Kontrollbehörden keinerlei Personal mehr haben, um wirksame und präventive Kontrollen durchzuführen. Oft ist es so, dass sich erst nach einem Unfall das Amt für Arbeitsschutz und die Staatsanwaltschaft kümmern. Dann ist es jedoch zu spät…
 
MnS: Wie sehen die Strafen bei Vergehen aus?
Falco:
Da kann ich nur sagen: Es kommt darauf an! Ein falscher Aufbau ist leider noch kein Vergehen. Erst wenn es zu einem Unfall gekommen ist, greift das Strafrecht, da es einen Sach- oder Personenschaden gab. Also Körperverletzung, Totschlag usw. Oder es wird nachgewiesen, dass es gravierende Verstöße gegen das Arbeitsschutzrecht gab. Dann handelt es sich um Ordnungswidrigkeiten, die individuell bestraft werden.
 
MnS: Kann ich als Veranstalter die Haftung für meine Veranstaltung abgeben?
Falco:
Nein, nicht komplett. Du kannst und solltest Teilbereiche delegieren, wie z.B. die Leitung und Aufsicht bei Auf- und Abbau. Hier ist eine Bühnenfachkraft zwingend gefordert durch die DGUV Vorschrift 17, die alte BGV C 1. Ob das nun eine Fachkraft für Veranstaltungstechnik oder ein Meister ist, richtet sich nach dem Grad der Gefährdung und der Komplexität. Eine Entscheidungshilfe gibt es in der DGUV Information 215-310, dem Leitfaden für unsere Branche. Dieser ist auf dieser informativen Seite erhältlich: http://www.vbg.de/DE/3_Praevention_und_Arbeitshilfen/1_Branchen/10_Buehnen_und_Studios/Buehnen_und_Studios_node.html

Weitere Infos zu Falco findest du auf www.falco-zanini.de

Und Teil zwei dieses Specials findest du in Kürze hier



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