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Checkliste: Soundcheck für Techniker

Lampenfieber? Als Tontechniker?

Schlecht vorbereitet zum Gig? Nicht nur für Musiker ein No-Go. Wir zeigen dir, wie dich nichts aus der Ruhe bringt.


Lampenfieber? Als ...

Nicht nur für die Musiker auf der Bühne kann ein Konzert Stress bedeuten. Auch die Leute hinter den Kulissen und an der Technik kommen oft in Zeitnot. Wir zeigen dir, wie du als Live-Techniker immer einen klaren Kopf behältst und deinen Job bestens machst.

Kann man als Sound Engineer am Mischpult Lampenfieber haben? Ja, man kann. Und die Situation kennen sicherlich viele von euch: Nach Monaten im Probenraum steht endlich der erste Gig an. Die Aufregung ist groß, man packt das Equipment zusammen, lädt den Wagen, fährt los und in die Vorfreude auf den ersten Gig mischt sich etwas Unsicherheit. Der Gitarrist geht noch mal seine Sounds im Kopf durch, der Sänger summt vor sich hin und der Drummer sitzt hinten im Wagen und groovt sich schon mal mit einem Bleistift auf den Oberschenkeln ein. Der Tonmann der Band sitzt dann ja meistens vorne links und sollte sich auf den Verkehr konzentrieren, aber in Wirklichkeit gehen ihm wohl ganz andere Dinge durch den Kopf: Wie wird wohl der Sound sein? Passt das PA-System? Haben wir genug Zeit für den Soundcheck?

Wenn euch solche Gedanken nicht neu sind, dann solltet ihr euch eine kleine, aber effektive Strategie zulegen, mit der ihr die wichtigsten Fragen bereits im Vorfeld klären könnt und mit der ihr die größten Probleme vor Ort in der Location locker umschiffen könnt. Das spart Nerven, hinterlässt einen professionellen Eindruck beim Booker oder Betreiber der Location und sichert euch so zwei Dinge: weitere Gigs und mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge – Catering, Fans und Feierabendbier!


Gute Vorbereitung ist die halbe Miete. Versucht also schon vorab, möglichst viel zu klären.

Be prepared! Drei wichtige Dinge vor dem Gig

1.    Nehmt mit genügend Vorlauf Kontakt zum Veranstalter oder zur Location auf. Tauscht dabei alle wichtigen Informationen aus. Dazu gehört eure Besetzung, welche Backline ihr mitbringt oder ob ihr eventuell die vorhandene Backline nutzen oder teilen könnt, wann ihr ankommen könnt oder ankommen müsst und wie der Ablauf vor Ort aussehen wird. Besonders bei Festivals oder bei Gigs mit mehreren Bands ist ein sauberer Zeitplan so was wie das Rückgrat des Abends. Informiert den Veranstalter oder Betreiber jetzt schon, dass ihr einen eigenen Tonmann dabeihabt und tauscht alle relevanten Telefonnummern und Kontakte aus. Wichtig dabei: Reduziert das auf die maßgeblichen Personen – niemand muss wissen, dass die Freundin des Bassisten Photos macht und die Freundin des Sängers den Merch übernimmt. Es kommt aber sehr wohl darauf an, wer Ansprechpartner der Band ist und wer sich um die Technik kümmert.

2.    Schickt einen aktuellen Rider mit. Spart euch dabei irgendwelche Egotrips oder überzogene Forderungen, verzichtet auf esoterische No-Go-Listen und Aufzählungen von eurem Wunschequipment. Booker oder Veranstalter erkennen mit einem Blick, ob euer Rider bei den Stones abgekupfert wurde oder wirklich sinnvoll und praxisnah gestaltet ist. Zu einem guten, sachdienlicher Rider gehört ein Stageplot, auf dem alle Positionen auf der Bühne klar dargestellt sind, eine Kanalliste und eine Übersicht über die Backline. Viele Locations geben inzwischen auch einen Local Rider raus, in dem deren verfügbares Equipment und alle wichtigen Informationen zur Bühne aufgeführt sind. Fragt beim ersten Kontakt einfach nach und bittet darum, diese Informationen zugeschickt zu bekommen.

3.    Fragt nochmal nach – und zwar ein paar Tage vor dem Gig. Dazu ist ein einfaches, kurzes Telefonat oder eine sachliche E-Mail ausreichend. Gibt es Änderungen im Zeitplan? Sind alle Infos angekommen? Gibt es Änderungen beim Equipment oder bei der Backline? Keine Angst, professionelle Veranstalter fühlen sich von solchen Nachfragen keineswegs genervt, sondern erachten so was in aller Regel als professionell und engagiert.

Checkt lieber zweimal, ob wirklich alles dabei ist – sonst ärgert ihr euch später.

Der Tag X – drei wichtige Tipps, bevor es losgeht

4.    Seht zu, dass ihr wirklich alles dabei habt. Kopfhörer, Talkbackmikro, Channellist, Stageplot und Setliste sind die wichtigsten Dinge für den Tonmann. Nichts nervt mehr, als erst mal nach irgendwelchen Zetteln oder Dingen suchen zu müssen. Damit klaut ihr nicht nur euch Zeit, sondern auch den Kollegen vor Ort den letzten Nerv. Eine kleine, kompakte LED-Leuchte (ich hab da was von Ikea für 10 Euro), ein Edding und ein bisschen Zumpeltape am Gürtel komplettieren eure Ausstattung. In den digitalen Tagen ist ein USB-Stick womöglich noch eine gute Option, um eventuell den Gig direkt mitschneiden zu können.

5.    Seid pünktlich. Also fahrt lieber etwas zu früh los als zu spät. Das entspannt und lässt noch einen Puffer für Eventualitäten.

6.    Seid freundlich und professionell. Denkt dran – ihr seid der Gast, also stellt euch vor, merkt euch die Namen der Kollegen vom Haus und behandelt sie mit Respekt und Kollegialität. Auch hier sind Egotrips gänzlich unangebracht. Ein kluger Mann hat mal gesagt, es wäre völlig egal, ob der Milchmann oder Mick Jagger den Raum betritt.

Wenn ihr die Technik nicht kennt, fragt lieber – hier ist Eitelkeit fehl am Platz.

Ran ans Pult – jetzt wirds technisch!

7.    Verschafft euch einen Überblick über die Technik. Seid dabei ehrlich zu euch und ehrlich zu den anderen. Wenn ihr das Pult nicht kennt, wenn euch das PA nicht vertraut ist, dann bittet den Haustechniker um Mithilfe. Das schändet nicht, sondern sorgt für professionelle Arbeitsbedingungen. Tauscht alle wichtigen Informationen aus, so dass jeder weiß, was zu tun ist und was von ihm erwartet wird.

8.    Hört mal rein. Womöglich ist ja schon eine Band auf der Bühne oder ihr habt ein paar Lieblingsstücke auf CD oder dem iPad dabei. Verschafft euch so einen akustischen Überblick über die Location – vielleicht habt ihr ja noch ein paar Geschmacksanpassungen für euren Sound vor. Dann sprecht das mit den Kollegen vom Haus ab und greift nicht einfach in deren PA ein. Meist kennen die Kollegen ihr Haus wie ihre Westentasche und haben all die Soundwünsche schon mal gehört.

Macht euch Notizen zu den wichtigsten Punkten – dann könnt ihr darauf zurückgreifen, wenn es stressig wird.

Die schnelle Strategie für perfekten Sound

9.    Die hab ich auch nicht. Hätte ich sie, dann wäre ich wahrscheinlich der bestgebuchte Tonmann überhaupt. Was ich aber habe, sind ein paar einfache Grundregeln, mit denen man die schlimmsten Fehler von vorneherein vermeiden kann. Ich brauche dazu nur sauber eingestellte Gains, richtig positionierte Mikros und drei Subgruppen oder VCA/DCA-Gruppen.

- Startet beim Soundcheck erst mal mit den Gesangsmikros. Pegelt die gut ein, verpasst dem Kanal oder den Kanälen einen Lowcut gegen Rumpel- und Handgeräusche und routet sie über eine Gruppe auf die Summe. Achtet beim Einpegeln darauf, dass immer noch ein paar dB Platz nach oben bleiben, da die meisten Sänger (auch wenn sie es vehement verneinen) im Lauf der Show immer noch etwas lauter werden. Wichtig: Ab jetzt bleiben die Gesangsmikros offen, ihr könnt sie gerne um ein paar dB zurücknehmen, aber lasst die Mikros auf. Hintergrund: Gerade auf kleinen Bühnen und in Clubs nehmen die Gesangsmikros viel vom Geschehen auf der Bühne mit, übertragen also auch Toms, Snare, Gitarren und so weiter.

- Kümmert euch dann um das Schlagzeug. Wenn wenig Zeit ist, dann fokussiert euch auf Kick, Snare und Overheads. Achtet darauf, dass insbesondere die Kick und die Snare auch noch etwas Reserve beim Gain haben und seht zu, dass die Overheads einen schönen Gesamteindruck vom Set vermitteln. Ist mehr Zeit, dann könnt ihr selbstverständlich auch das gesamte Set ausgiebig checken. Zum Abschluss kommt auch das Drumset auf eine Gruppe und wird auf die Summe gerouted.

- Danach Bass, Gitarre, Melodieinstrumente und weiteres, eventuell vorhandenes Instrumentarium. Auch das landet auf einer Gruppe und von da auf dem Master. Insbesondere beim Bass ist – wenn er über eine DI-Box ins Pult geht, ein moderater Kompressor gut, um die Dynamik etwas einzugrenzen, bei Gitarren gilt das Gleiche wie bei Kick und Vocals: immer 3 dB Reserve behalten.

10.    Jetzt seid ihr praktisch schon so weit, einen ersten Song anzuspielen. Lasst dabei den Gesamtpegel von Rhythmusinstrumenten und Melodieinstrumenten erst mal 3 bis 5 dB unter dem Pegel der Stimmen – so habt ihr die auf dem PA immer im Vordergrund und könnt euch ans Finetuning machen. Die Band bekommt so auch ein Gefühl für die Pegel und kann erste Wünsche für den Monitor äußern. Vorher könnt ihr sukzessive das Verhältniss eurer drei Submixe anpassen, bis die Balance aus Stimmen, Rhythmus und Melodien stimmt.

11.    Achtet auf die Gains – sonst droht nicht nur Übersteuerung, auch ein stimmiger Monitormix wird so zum Würfelspiel. Solange ihr keinen separaten Mischer für den Monitorsound habt – und auch nur eingeschränkt kontrollieren könnt, wie die Verhältnisse auf der Bühne sind – müsst ihr euch darauf verlassen können, dass das tatsächliche Ergebnis auf der Bühne auch in etwa dem entspricht, was ihr anhand der Fader absehen könnt. Das klappt aber nur, wenn die Gains auch alle so gesetzt sind, dass alle Kanäle weitestgehend gleich ausgesteuert sind.

Geht die Band auf die Bühne, sollte es schnell gehen. Steht der Grundsound, kann man sich in Ruhe um die Details kümmern.

Wenn's dann losgeht – keep it simple!

12.    Wenn die Band auf die Bühne geht, dann solltet ihr möglichst schnell dafür sorgen, dass der Grundsound steht. Geht dazu organisiert und überlegt vor: Checked die Gains, kontrolliert drastische Ausreißer im Frequenzbild und stellt eine stimmige Balance zwischen Rhythmus, Melodie und Gesang her. Bis hier hin braucht ihr noch keine Effekte – die könnt ihr später hinzufügen. Regelt eventuell an Gates oder Kompressoren nach und passt deren Einsatzpegel jetzt unter Livebedingungen an. Fangt mit dem an, was die Band ausmacht – in der Regel ist das der Gesang, vielleicht startet die Band aber auch mit einem Intro und so habt ihr Zeit für die Melodieinstrumente. Vielleicht habt ihr auch schon mal beobachtet, dass viele Bands zu Beginn ihres Gigs ein spezielles Intro nutzen, bei dem die einzelnen Instrumente der Reihe nach einsteigen und am Ende erst der Gesang dazukommt – so was verschafft euch Zeit fürs Feintuning.

13.    Wenn der Grundsound steht, könnt ihr euch ans Feintuning machen. Hört euch die Drums an und startet mit der Subgruppe, wo ihr das gesamte Set hören könnt. Fehlt etwas? Ist irgendetwas zu viel? Dröhnt die Kick oder schneidet die Snare? Kommt zu wenig von den Toms? Dann nehmt euch diese Kanäle einzeln vor – aber vergesst nicht, dass das Set als Ganzes klingen muss. Niemand lobt euch für die geile Kickdrum – aber jeder hört den Groove eines gut gemischten Drumsets. Gates und etwas Kompression können helfen, den Sound klarer und sauberer zu bekommen. Achtet aber darauf, dass ihr natürliche Anschlag- oder Ausschwinggeräusche nicht mit dem Gate abschneidet. Der Bass muss sich in diesen Groove einfügen – dabei hilft der Kompressor. Er bändigt die Dynamik, die Nutzfrequenz des Basses liegt in aller Regel über dem tiefsten Ton der Kickdrum. Jetzt habt ihr auch Zeit, die Instrumente in ein Panorama zu setzen – vermeidet dabei aber extreme Einstellungen. Eine extrem auf eine Seite gepannte Gitarre mag zwar im Studio sexy sein – live beraubt sie aber etwa die Hälfte des Publikums des Genusses eines wichtigen Instruments.

14.    Jetzt gehts an die Effekte: Reserviert einen schönen Gesangshall für die Stimmen, wenn ihr die Möglichkeit habt, dann könnt ihr auch ein wenig Delay einsetzen. Für die Snare könnt ihr ein kurzes, prägnantes Reverb nutzen, Overheads und Hi-Hats klingen mit einem Raumhall natürlicher und lassen sich besser in den Mix integrieren. Achtet darauf, nicht zu viele Effekte einzusetzen, dosiert sie sparsam und nutzt sie im besten Sinne wie einen Effekt, nicht wie eine Dauerberieselung.

15.    Lehnt euch entspannt zurück und lasst die Show laufen. Natürlich müsst ihr ein Auge auf der Bühne haben und reagieren, wenn ein Musiker etwas benötigt. Ihr solltet auch mal die Position wechseln, hinter dem Mischpult weggehen und checken, wie es an anderen Positionen im Raum klingt. Achtet auf Soli und featured eventuell die entsprechenden Instrumente.

Egal, welches Mischpult ihr benutzt ... ihr solltet es in- und auswendig kennen. Damit ihr wisst, was ihr tun müsst, wenn ihr schnell eingreifen müsst.

Kleine Tipps für großen Sound

- Wer braucht den Lowcut? Praktisch jedes Instrument, abgesehen vom Bass, der Kickdrum und dem Keyboard. Insbesondere Stimmen profitieren davon, denn der Lowcut verhindert Rumpel- und Griffgeräusche und verhindert bei den Gesangskanälen die sogenannten „Plosivlaute“.


- Wer braucht den Kompressor?
Alle Instrumente, die über eine hohe Dynamik verfügen. Paradebeispiel ist der Bass, aber auch bei den Drums (Kick und Toms) kann ein Kompressor helfen, die Pegel im Zaum zu halten. Wie bei den Effekten ist es aber auch bei Kompressoren so, dass weniger immer mehr ist – sonst klingt der Mix zu matt.

- Wer braucht ein Gate? Gates sind Torwächter – machen den Kanal nur auf, wenn er gebraucht wird und schließen ihn wieder, wenn er nicht mehr gebraucht wird. Toms und die Snare lassen sich damit prima trennen und aufräumen. Instrumente, die ihren Charakter durch markantes Ein- oder Ausschwingen bekommen, solltet ihr nicht mit dem Gate bearbeiten – sonst riskiert ihr, dass diese Instrumente ihren Charakter verlieren.

- Wer braucht Effekte? Keiner – und jeder! Im Jazz sind Effekte verpönt, in anderen Genres, zum Beispiel in der Popmusik, wird sehr viel auf Effekte gesetzt. Gut kommt immer ein unauffälliger, natürlicher Raum an, denn meist wird ein Instrument auf der Bühne ja so nah mikrofoniert, dass genau kein Raumklang mit auf dem Kanal ist. Wenn ihr diesen fehlenden Raumanteil wohldosiert ersetzt, seid ihr dem guten Mix schon sehr nah.

- Hört gut zu – lernt, wie ein Instrument natürlich klingt und prägt euch diesen Klang ein. Das ist euer Ziel. Bevor ihr versucht, das Ergebnis an der Klangregelung zu korrigieren, solltet ihr zunächst an der Mikrofonauswahl und der -position arbeiten. Findet heraus, welches Mikro zu welchem Instrument passt und wie ihr es positionieren müsst.



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