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Workshop: Remixing – eine Kunstform unter der Lupe (Folge 2)

Materialschlacht

Im zweiten Teil unseres Remixing-Workshops zeigen wir dir, wie du an geeignete Samples kommst und diese passend bearbeiten kannst.


Materialschlacht

In der ersten Folge unseres Workshops widmeten wir uns den Grundlagen und dem benötigten Equipment für einen Remix. Nun wollen wir uns das Ausgangsmaterial, die Auswahl passender Originalpassagen sowie die Möglichkeiten der Tempoanpassung ansehen.

Das dir zur Verfügung stehende Ausgangsmaterial entscheidet maßgeblich darüber, wie groß deine Eingriffsmöglichkeiten sind und wie sehr du deine kreativen Vorstellungen umsetzen kannst. Solltest du in der glücklichen Lage sein, dass ein Plattenlabel mit einem Remix-Auftrag auf dich zukommt, erhältst du in der Regel alle Audio-Files des Songs in Einzelspuren oder in zusammengefügten Gruppenspuren. Letztere liegen meist auch vor, wenn du bei einem der zahlreichen Remix-Wettbewerbe teilnimmst, die du mit wenig Internet-Recherche findest.

Für viele Künstler liegt der Reiz an einem Remix häufig darin, aus einem bekannten Song vergangener Tage einen durchschlagenden Clubhit zu produzieren, der einem viele Türen als Produzent und Remixer öffnet. Werden dir die Originalspuren nicht gestellt, bleibt dir also nichts anderes übrig, als dich mit dem Stereomix als Ausgangsmaterial anzufreunden. Es sei denn, du findest auf der B-Seite einer Single oder in Internet-Foren eine entsprechende Instrumental- oder A-capella-Version.

Bevor du einen solchen Remix veröffentlichst, möchten wir dir aber dringend raten, dich mit den Rechteinhabern in Verbindung zu setzen und die benötigte Erlaubnis einzuholen (Stichwort: „Sample Clearing“). Sonst muss womöglich der potenzielle Club-Hit wieder eingestampft werden, was teuer ist und unschöne Konsequenzen nach sich ziehen kann. Auch wenn dir nach dem Release noch ein Deal mit den Rechteinhabern gelingt, stehen deine Chancen für akzeptable Bedingungen sehr schlecht.

Am besten wendest du dich mit der Rechtefrage schon bevor du dich an die Arbeit machst an das Plattenlabel, das das ursprüngliche Lied herausgebracht hat. Je bekannter das Original ist, desto schwieriger und zugleich teurer kann es werden, hier eine legale Veröffentlichung zu erwirken.  Lasse dabei nicht den positiven Nebeneffekt eines Remix-Hits für den Original-Song außer Acht.


Auf der B-Seite von LPs findest du häufig Instrumental- oder A-capella-Versionen, die sich als Ausgangsmaterial für deinen Remix eignen.

Auswahl passender Passagen

Vom verfügbaren Ausgangsmaterial hängt ab, welche Stellen aus dem Original sich für deinen Remix überhaupt verwenden lassen. Während du bei allen Einzelspuren eher die Qual der Wahl hast, limitiert dich im Falle des Stereomixes eher die Schwierigkeit, passende Stellen aufgrund der gleichzeitigen Präsenz von Vocals und diverser gleichzeitig erklingender Instrumentierung zu finden.

Da es nicht möglich ist, Vocals oder andere Instrumente gänzlich aus einem fertigen Stereomix zu isolieren, wirst du zumindest um den Einsatz eines vollparametrischen EQs nicht herumkommen. Damit kannst du die gewünschte Passage zumindest ein wenig von anderen Instrumenten in der Frequenzebene bereinigen. Unter Umständen eignen sich einige Passagen auch nur als gefilterte Variante in deinem Remix, was aber nicht weiter tragisch ist, solange das Ergebnis zu gefallen weiß.

Die Herausforderung bei einem Remix ist, möglichst viele charakteristische Stellen des Originals herauszuarbeiten und perfekt in die neue Produktion zu integrieren. Um diese zu finden, ist es wichtig, dass du dir das Original immer wieder anhörst. Hierbei ist nicht nur die Hookline (die prägnanteste Melodie oder Textpassage) von Bedeutung, sondern auch die vielen Sub-Hooklines, die ebenfalls zur Wiedererkennung eines Songs beitragen. Diese sind aber meist nur subtil zu hören. Beispiele hierfür sind charakteristische Adlips, Backing-Vocals, kleine Melodiemotive und vieles mehr. Je öfter du einen Song hörst, desto mehr dieser Elemente fallen dir auf.

Es kann dir übrigens auch passieren, dass die eigentliche Hookline gar nicht in das Genre deines Remixes passt, da der Original-Song aus einer komplett anderen Richtung kommt und sich einfach nicht richtig einfügen lässt. Mit den Sub-Hooks kann dir aber dennoch ein toller Remix gelingen, der nicht weniger an das Original erinnert, als du es mit der Haupt-Hookline geschafft hättest.

Um das Tempo deiner Samples manuell zu berechnen, schneide einen oder mehrere Takte möglichst genau aus, messe die Länge und führe folgende Rechnung durch: 60 / Länge des Loops in Sekunden x Anzahl der Takte x 4 (bei einem 4/4 Takt).

Tempowahl

Bevor wir nun mit dem eigentlichen Remix beginnen, gilt es, ein Songtempo zu definieren und das Ausgangsmaterial daran anzupassen. Während bei einer Auftragsarbeit die Geschwindigkeit bekannt sein dürfte, hast du im Falle eines „fremden“ Stereomixes meist das Problem, dass du nicht weißt, wie schnell der Song überhaupt ist.

Um das Tempo des Originals herauszufinden, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Du kannst auf die im Sequencer vorhandene Tempoerkennungsfunktion zurückgreifen, die jedoch nicht immer zuverlässig ist – abhängig vom jeweiligen Ausgangsmaterial. Viele Programme verfügen außerdem über die sogenannte Tempo-Tab-Funktion, bei der du das Tempo auf der Maus oder dem Keyboard mitklopfst. Am genauesten lässt sich das Tempo jedoch manuell bestimmen.
 
Dafür schneidest du einen oder mehrere Takte des Ausgangsmaterials loopfähig heraus und misst genau seine Länge. Anschließend führst du folgende Rechnung durch: 60 geteilt durch die Länge des Loops in Sekunden mal die Anzahl der Takte mal vier (bei einem 4/4 Takt). Das Ergebnis wird umso genauer, je mehr Takte du für diese Berechnung verwendest – vorausgesetzt die Produktion zeigt keine großen Geschwindigkeitsschwankungen im ausgewählten Bereich.

Für einen Dance-Remix solltest du ein Tempo im Bereich zwischen 120 und 145 bpm (Beats per Minute, englisch: Schläge pro Minute) wählen. Das bedeutet, du stellst deinen Sequencer darauf ein. Da sich der Herzschlag im Club meist an die sehr basslastig eingestellte Anlage anpasst, erreichst du bei einer Geschwindigkeit von über 120 bpm eine Erhöhung des sowieso schon aus der Ruhe gekommenen Pulses der Crowd – und zugleich Partylaune. Jenseits von 140 bpm wird es allerdings für die Clubgäste relativ schwierig, zu deinem Remix zu tanzen. Außerdem minimiert das deine Chancen auf einen kommerziellen Erfolg.

Ableton Live bietet eine Auswahl verschiedener Warp-Modi.

Tempoanpassung

Da das Tempo des Originals nur selten für das gewünschte Ergebnis richtig ist, gilt es, das  Ausgangsmaterial entsprechend anzupassen – erst recht bei einer Dance-Nummer. Viele Programme besitzen dafür mehr oder weniger gute Funktionen, die es zu beherrschen gilt. Auch von Drittanbietern bekommt man Software, die sich entweder als Plug-In in deinen Sequencer integrieren lassen oder als Stand-Alone-Anwendung funktionieren.

Die von vielen Remixern verwendete Software Ableton Live verfügt beispielsweise über eine spezielle Warp-Engine, die eine automatische Tempoanpassung auf einen definierten Wert ermöglicht – sofern es sich um rhythmisches Material mit ausreichend Transienten handelt. Zudem können mit Warp-Markern bestimmte Bereiche manuell an das gewünschte Timing angepasst werden.

Unabhängig von der verwendeten Software kannst du mit wenig Handarbeit dein Material individuell anpassen. Dies ist vor allem bei komplexen Samples nötig. Schneide hierfür die ausgewählten Passagen in möglichst kleine Teile (ein Takt oder kleiner) und bringe die einzelnen Bereiche mittels Timestreching auf die gewünschte Länge. Da du die Ausgangsgeschwindigkeit weißt und dein Projekt bereits auf das Zieltiming ausgerichtet ist, kannst du jede Passage passend auf das Projektraster strecken oder stauchen.

Vorsicht ist geboten, wenn du einen großen Geschwindigkeitsunterschied von Ausgangsmaterial zu Zieltempo mit Timestreching kompensieren willst. Hörbare Artefakte sind in diesem Fall kaum vermeidbar. Hat das Ausgangsmaterial beispielsweise 80 bpm und du willst den Remix mit einer Geschwindigkeit von 130 bpm realisieren, solltest du darüber nachdenken, das Ausgangsmaterial gegebenenfalls auf 65 bpm zu verlangsamen. Dadurch ersparst du dir unter Umständen unschöne Artefakte.

Ein Sampler erlaubt auch das Spielen von Akkorden aus isolierten Vocal-Passagen oder das Antriggern via MIDI.

Problembehandlung

Auch die Wahl des Timestrechingmodus trägt entscheidend zum Klangergebnis bei. Die verschiedenen Algorithmen reichen im Einsatzgebiet von beatlastigem Material bis hin zu komplexen Melodien. In der Regel wird dabei nur die Länge des Audiomaterials verändert, wohingegen die Tonhöhe gleich bleibt.

Bei starken Artefakten macht es durchaus Sinn, den sogenannten „Re-Pitch“- oder „Tape“-Modus auszuprobieren. Hier ändert sich zwar die Tonhöhe, das Ergebnis weist aber deutlich weniger Berechnungsfehler auf. So oder so: Probiere die verschiedenen Timestreching- oder Warp-Modi deiner Software aus und entscheide individuell, was für dein Ausgangsmaterial am besten funktioniert.  

Was beim Drumbeat vergleichsweise gut funktioniert, ist bei Vocal-Passagen schon relativ schwierig. Da unser Gehör mit der menschlichen Sprache sehr vertraut ist, werden Artefakte durch Timestreching schnell erkannt – besonders bei Vocals mit hohem Effektanteil. Vocals sollten daher mit noch größerer Vorsicht an das Zieltempo angepasst werden. Dies erreichst du zum Beispiel, indem du bei problematischen Stellen jede Silbe individuell zuschneidest und anpasst. Es macht durchaus Sinn, bestimmte Vocal-Passagen auch in einen Sampler zu laden und via MIDI anzutriggern.
 
Details zur Arbeit mit Samplern und den Möglichkeiten, die sich mit diesem Tool ergeben, greifen wir in der nächsten Folge unseres Remix-Workshops auf. Des Weiteren gehen wir auf die Erstellung eines Drumbeats, das Arrangement eines Dance-Remixes, den kreativen Effekteinsatz sowie Tipps und Tricks beim Mix und Mastering ein.



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