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Workshop: Producing Basics (Teil 1)

Do it yourself

Lerne hier Schritt für Schritt, wie du einen simplen House-Song erfolgreich produzieren kannst.


Do it yourself

Musikproduktionen lassen sich heutzutage dank verhältnismäßig günstigem Equipment sehr einfach realisieren. Auch das dafür notwendige Know-how hält sich in Grenzen. So behaupte ich, dass jeder Kreativling eine amtliche Vorproduktion für seinen Song erstellen kann, die Freunde beeindruckt und so manchen Profi hellhörig macht. Im ersten Workshop-Teil von „Producing Basics“ erfährst du die Rahmenbedingungen.

Will man heute auf sich aufmerksam machen, so ist eine professionelle Präsentation im Netz unerlässlich. Junge Bands und Musiker haben aber meist nicht das Geld, um ihre Ideen mit erfahrenen Produzenten in einem großen Studio umzusetzen. Welche Lösung also bleibt? Natürlich die Do-it-yourself-Strategie. Aus dieser Notwendigkeit heraus entstand dieser neue Workshop: Producing Basics.

Zwar konzentriert er sich auf elektronische Musik – genauer gesagt auf einen House-Song –, die Grundidee ist jedoch auf jede Stilrichtung anwendbar. Allerdings erzähle ich hier keine Märchen und behaupte, dass du am Ende der Workshop-Reihe auf Avicii-Niveau produzieren kannst. Aber wenn du hier genau aufpasst, wirst du unglaublich schnell Erfolge erzielen. Schluss mit der Theorie und Klartext: Ich nenne dir jetzt den Song, den wir zusammen erstellen wollen: „Dirty Bitch“ von Natural Needs.


Der Track wurde mit der Idee geboren, einen plakativen House-Song zu schreiben. Er ist knapp über drei Minuten lang, was dem kommerziellen Standard entspricht. Dadurch ist das Stück kurz genug für das Radio und enthält trotzdem genügend Songelemente, um nicht zu plump zu wirken. Dementsprechend ist „Dirty Bitch“ mit einem flotten Tempo von 128 Beats pro Minute versehen und verfügt über den folgenden klassischen Aufbau:

Strophe – Prechorus – Chorus – Strophe – Prechorus – Chorus – C-Part – Chorus

Vom Kompositorischen her besteht der Song aus nur vier Akkorden – noch ein Mainstream-Standard. Das Lied fängt mit F#m an und geht dann weiter mit D, A und E. Das sind die Stufen VI – IV – I – V in der Tonart F#m. Vielleicht wirst du dir jetzt denken, das wäre zu einfallslos, aber viele der größten Hits überhaupt beruhen auf nur vier Akkorden. Dadurch wird Musik eingängiger für den Hörer – und genau das ist es, was man mit House erreichen möchte. Zum Thema „Four-Chords“ empfehle ich dir übrigens folgendes Video:


Das Equipment

Bevor du anfangen kannst, musst du etwas Geld investieren. Das Ganze fängt bei einem Computer an – und davon gibt es hunderte Modelle. Schau darauf, dass der Rechner auf deine Bedürfnisse abgestimmt ist. Ich vermute mal, dass er nicht zu teuer sein darf. Deshalb konzentriere ich mich auf eine klassische Workstation mit separiertem Computer und Desktop. Für die Vorproduktionszwecke reicht ein handelsüblicher Windows-Rechner. Meiner befindet sich im Preissegment von 500 Euro und arbeitet tadellos.

Achte auf einen möglichst großen Arbeitsspeicher. Diesen benötigst du, damit alle Effekte und Spuren problemlos parallel laufen. Die CPU sollte möglichst leistungsstark sein, um das ganze Projekt stemmen zu können. Außerdem benötigst du viel Festplattenspeicher, da sich mit der Zeit einige Produktionen ansammeln und ein Projekt nicht gerade wenig Platz verbraucht. Sinnvoll ist es auch, auf genügend USB- und wahlweise FireWire-Schnittstellen zu achten sowie einen Brenner, um fertige Produktionen auf CD zu bannen.

Im Folgenden stelle ich dir mein Klangarsenal vor – wofür du dich aber entscheidest, ist natürlich dir überlassen. Wichtig ist, dass du dich an deinem Arbeitsplatz wohlfühlst und so effektiv wie möglich arbeiten kannst. Am liebsten produziere ich mit Steinbergs Cubase 7.5 und dementsprechend kommt in diesem Workshop auch diese DAW zum Einsatz. Übrigens: „DAW“ bedeutet „Digital Audio Workstation“ und ist ein digitaler Arbeitsplatz zum Musikmachen auf dem Rechner in Form eines Programms.

Die Software ist das Herzstück der Produktion. Über sie laufen normalerweise alle Signale. Du hast die Möglichkeit, Spuren zu erstellen, darüber deine Instrumente einzuspielen, sie zu bearbeiten und anschließend zu mixen und zu exportieren. Als Ergebnis erhältst du eine fertige Audiodatei. Cubase 7.5 ist eine international verwendete, professionelle DAW. Speziell für Songwriter gibt es eine abgespeckte Version namens Cubase Artist, die gerade für Einsteiger eine günstige Alternative darstellt.

Das Shure SM27 bietet das Bassfundament, das meine etwas höhenlastige Stimme unterstützt.

Die Mittel zum Zweck

Software-seitig geht es weiter mit dem Plug-In-Bundle Komplete 9 von Native Instruments. Komplete 9 bietet dir 120 GB an Sounds in 33 virtuellen Instrumenten und Effekten. Von hochwertigen Drum-Samples bis hin zu beißenden Synthies und realistischen Effekten enthält das Paket einiges, was in dieser Produktion Verwendung findet. Nach der Installation von Komplete 9 musst du die Software in den Cubase-Ordner „VST Plug-Ins“ einfügen, damit du sie auch innerhalb der DAW verwenden kannst. Informiere dich zum Thema „Plug-In einfügen“ gerne auch auf www.steinberg.net.

Für den werdenden Hit ist es nötig, Gesang und Gitarre aufzunehmen. Dafür habe ich mir zwei von Grund auf verschiedene Mikrofonmodelle besorgt: Für die Vocals das SM27 von Shure. Da ich eine recht höhenlastige Stimme habe, liefert es genau das nötige warme Bassfundament, das mir fehlt. Außerdem überträgt das Mikro ein sehr klares und durchsetzungsstarkes Signal, weshalb es zu meinen Favoriten gehört.

Das zweite Mikrofon ist für die Aufnahme der Gitarre bestimmt. Sie ist ein häufig verwendetes Instrument in der House-Musik und gibt den sonst so perfekten Computerklängen Lebendigkeit sowie Frische. Diese akustische Schallquelle nehmen wir mit einem Audio-Technica AT2031 auf. Das Kleinmembrankondensatormikrofon schafft es, das reale Instrument im Mix besonders durchsetzungsstark gegen die mächtigen Leadsynthies und knackigen Drums zu positionieren. Am Ende geht es mir vor allem um die Strumming-Geräusche, denn diese sorgen für das luftige Feeling im Chorus.

Solltest du jetzt die XLR-Kabel in deine Mikrofone stecken, wirst du bemerken, dass dein Computer keine passenden Buchsen dafür bereithält. Deswegen benötigst du noch eine Schnittstelle. Diese heißt im Englischen Audio-Interface und ist im Endeffekt eine externe Soundkarte mit entsprechenden Eingängen für Mikrofon- und Instrumentensignale. Wichtig ist ein Interface mit Phantomspeisung, da sich erst damit die beiden Kondensatormikrofone betreiben lassen.

Das Audio-Technica AT2031 überträgt das Signal von akustischen Gitarren besonders durchsetzungsstark – hier ist das Matched-Pair-Set AT2031P zu sehen, aus dem nur ein Mikrofon für diesen Workshop zum Einsatz kam.

Hier spielt die Musik

Als Interface verwende ich das MOTU MicroBook II, da es für mein Home-Studio vollkommen ausreicht. Es bietet Buchsen für Line-Signale, Gitarre sowie Mikrofon und lässt sich via USB 2.0 mit dem Rechner verbinden. 48 Volt Phantomspeisung sind für den XLR-Eingang ebenfalls vorhanden. Zu dem Interface wird eine CD mit dem zugehörigen Treiber mitgeliefert, die du zuerst installieren musst, um es verwenden zu können. Vorne hat es außerdem einen Kopfhörerausgang und hinten zwei Main-Outs für Monitore sowie einen alternativen Line-Out.

Besonders praktisch am MicroBook II ist, dass mit dem Treiber ein virtuelles Mischpult installiert wird, über das du Signale latenzfrei bereits im Interface bearbeiten kannst. Nehme hierüber also EQing und Komprimierung vor, ohne die CPU zu belasten. Dadurch halten auch schwächere Computer umfangreichere Sessions länger durch. Zusätzlich ist die Qualität des MicroBook II optimal, sodass diese Vorproduktion auch klanglich bestens ausgestattet ist.

Ganz wichtig sind Studiomonitore. Mit normalen Lautsprechern abhören ist wie malen im Dunkeln. Du machst zwar irgendwas, weißt aber nicht genau was. Investiere deshalb viel Zeit in die Auswahl der richtigen Abhöre. Spezielle Lautsprecher fürs Studio liefern einen möglichst linearen Frequenzgang, was wichtig ist, um eine Produktion optimal mischen zu können. Ich verwende die Turbo 6 von Monkey Banana – die sehen nicht nur stylisch aus, sondern geben den Klang auch absolut klar wieder.

Als letztes sind noch Kopfhörer nötig. Beim Einsingen willst du sicher nicht, dass das Playback auf deiner Vocalspur zu hören ist – also musst du dir Headphones aufsetzen. Ich habe mir dabei ein Schmuckstück gegönnt: den HD 25 Aluminium von Sennheiser. Das ist die Jubiläumsausgabe des Klassikers HD 25, ein hochwertiger Studiokopfhörer, mit dem ich mich beim Singen und Spielen glasklar hören kann und so pudelwohl fühle. Das ist für ein hochwertiges Ergebnis essentiell.

Als Schnittstelle zwischen Computer und Mikrofon beziehungsweise Lautsprecher dient das kompakte Audio-Interface MOTU MicroBook II.

Endlich geht’s los!

Es ist nicht zu leugnen, dass der Anfang ziemlich aufwändig ist – auch aus finanzieller Hinsicht. Musikmachen ist nicht gerade günstig, aber ohne Investition gibt es eben keinen Fortschritt. Und du wirst sehen, dass es sich auf Dauer definitiv mehr rentiert, als einen Produzenten für die Arbeit zu bezahlen, die du theoretisch auch allein erledigen kannst. Den ungefähren Kostenvoranschlag möchte ich dir trotzdem nicht vorenthalten:

Produkte (mit jeweiligem Testbericht) Preise (UVP)
Digital Audio Workstation: Steinberg Cubase 7.5 599,00 Euro
Audio-Interface: MOTU MicroBook II

278,85 Euro

Software-Paket: Native Instruments Komplete 9 499,00 Euro
Kopfhörer: Sennheiser HD 25 Aluminium 299,00 Euro
Abhöre: Monkey Banana Turbo 6

618,00 Euro

Gesangsmikrofon: Shure SM27

332,22 Euro

Gitarrenmikrofon: Audio-Technica AT2031

141,61 Euro

Anschaffungskosten gesamt:

2.767,68 Euro


Da schreckt man erstmal ein wenig zurück. Prinzipiell gilt aber: Je mehr Geld du ausgibst, desto höher ist die Klangqualität, die die Voraussetzung für eine vielversprechende Produktion ist. Für andere Projekte reicht sicher auch weniger Equipment, aber „Dirty Bitch“ ist relativ komplex. Sieh einfach nach, wo du Abstriche machen kannst, wenn du das ganze Geld nicht auf Anhieb ausgeben möchtest.

Nun kann es aber auch endlich losgehen. In den nächsten Folgen des Workshops produziere ich den Song Stück für Stück und gehe dabei ausführlich auf alle Schritte ein, die notwendig sind, um die Vorproduktion richtig fett klingen zu lassen. Der zweite Teil von Producing Basics beschäftigt sich dabei ausschließlich mit dem Drum-Programming. Von der Soundauswahl bis hin zur richtigen Beatgestaltung behandle ich alles, damit schließlich ein solides Fundament für die kommenden Produktionsschritte vorhanden sein wird.



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