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Test: Native Instruments Kinetic Metal

Die Soundschmiede

Mit Kinetic Metal brachte Native Instruments ein interessantes Werkzeug für Klangtüftler heraus. Wir nahmen es unter die Lupe.


Die Soundschmiede

In puncto Innovation gehört Native Instruments wohl zu den führenden Softwareentwicklern in der Audio-Branche. Dass das Ende der Fahnenstange neuartiger Klangstrukturen dabei noch lange nicht erreicht ist, zeigt der neueste Spross Kinetic Metal, dessen verblüffende Klänge wir für dich angetestet haben.

Schon wieder ein neues virtuelles Instrument auf Sample-Basis? Wurde vom historischen Steinway-Flügel bis zum kultigen Moog-Synthie nicht schon alles gesampelt, was nicht niet- und nagelfest ist? Irgendwie schon, wenn man diese Frage einzig auf real existierende akustische oder elektronische Instrumente bezieht. Doch wenn man sich über diesen Tellerrand hinausbewegt, lautet die Antwort: Nein. Der Sounddesigner Jeremiah Savage hat sich im Auftrag von Native Instruments ein Jahr lang auf die Suche nach ungewöhnlichen metallischen und mechanischen Sounds gemacht. Herausgekommen ist dabei Kinetic Metal, das als Instrument für den NI-eigenen Sampler Kontakt oder den kostenlosen Kontakt-Player konzipiert und für knapp 100 Euro erhältlich ist.

Das Besondere an Kinetic Metal ist, dass seine Soundquellen unkonventionell sind. Wobei unkonventionell sogar untertrieben scheint, denn wer würde den Sounds von Scheren, Türen, Kabeln oder so wunderlichen Dingen wie Baggerschaufeln, Metallkugeln, defekten Uhrwerken oder Kupferkesseln überhaupt eine musikalische Qualität zumuten oder sie gar als Musikinstrumente betrachten? Auch wenn man darüber zunächst vielleicht die Stirn runzeln mag, so ist es Jeremiah Savage und Native Instruments gelungen, auf der Basis von Sound-Samples dieser Art ein Instrument zu formen, das sich nicht nur sehr musikalisch verhält, sondern sich auch noch sehr einfach spielen lässt.

Wie funktioniert denn das? Wie es der Native-Instruments-Kenner gewohnt ist, haben sich die Entwickler auch für Kinetic Metal sehr viele Gedanken darüber gemacht, wie eine solch ungewöhnliche Sample-Library in ein einfach zu spielendes Instrument verwandelt werden kann. Bereits beim ersten Blick auf die bemerkenswerte grafische Benutzeroberfläche wird deutlich, dass es hierbei auch nicht nur um das bloße Abspielen von Samples geht. Vielmehr durchläuft jeder Kinetic-Metal-Sound drei Stationen, die den Basis-Samples Musikalität und Lebendigkeit verleihen.


Über den Parameter Forge lassen sich vielseitige, metallene Klänge realisieren.

Sei deines Soundes Schmied

Die erste Station und Herzstück des Instruments ist die Forge (zu Deutsch: Schmiede). Treffender kann man den Zweck dieser Sektion gar nicht benennen, denn hier schmiedest du dir buchstäblich deinen individuellen Klang. Dieser setzt sich aus vier Sound-Schnipseln eines metallenen Gegenstands und vier verschiedenen artifiziellen Samples zusammen. Unter dem Preset „Antique Typewriter“ finden sich somit beispielsweise Klänge einer alten Schreibmaschine, wie Tasten, Papiereinzug und andere mechanische Elemente, wohingegen die zusätzlichen synthetischen Sounds in diesem Patch entfernt an Glockenspiel, Drawbar-Organ und Cembalo erinnern.

Diese Sound-Layer kannst du nun dank rudimentärer Fader nach Herzenslust miteinander vermischen und auch an- oder abschalten. Zusammen mit dem synthetischen Sound-Layer ergeben sich faszinierende Klangsymbiosen aus stehenden Wellen, perkussiven Geräuschanteilen und durch das gesamte Stereobild wabernde Flächen, bei denen man auf Anhieb nicht genau bestimmen kann, ob sie nun der Mechanik der Schreibmaschine oder den Synthie-Anteilen entstammen. Vier Presets, die du direkt über einen Button auf dem Forge-Zahnrad ansteuern kannst, schlagen dir zusätzlich interessante Klangvarianten und Mischungsverhältnisse der acht Sound-Layer vor.

Zweite Station ist die Effekt-Sektion, FX genannt. Hier kannst du den Sound der Forge-Layer mit vier verschiedenen Effekten versehen, darunter diverse (Sweep-)Filter, Verzerrungseffekte wie Bandsättigung, Modulationen wie Chorus oder Flanger sowie Hall oder Delay. Welche Effekte unter den vier Rubriken „Color“, „Distortion“, „Movement“ und „Space“ zur Verfügung stehen, ist zwar durch den Patch vorgegeben, kann von dir aber trotzdem in ausreichendem Detail gesteuert und angepasst werden. Auch hier stehen vier Presets mit unterschiedlicher Parametrisierung der Effekte bereit, die du direkt über die Buttons auf dem FX-Zahnrad ansteuerst.

Ist der Motion-Controller aktiviert, rotieren Forge- und FX-Wheel selbstständig.

Unerschöpfliches Klangpotenzial

Die harmlos anmutenden Zahnräder, mit denen die Forge- und FX-Sektionen dargestellt sind, dienen übrigens nicht nur der Optik, sondern haben es in sich: In Wahrheit verbergen sich dahinter nämlich zwei Morphing-Wheels. Das heißt, du kannst die viermal vier Presets nicht nur direkt ansteuern, sondern auch dazwischen hin- und hergleiten, indem du die Zahnräder bewegst – zum Beispiel mit dem Modulationsrad an deinem Keyboard. Diese Funktion kennst du vielleicht von anderen NI-Instrumenten, wie beispielsweise den FM-8-Synthesizer. Ganz egal, ob du die Sounds und die Effekte unabhängig voneinander morphst oder die beiden Zahnräder mittels Link-Button miteinander verknüpfst: Das Klangpotenzial von Kinetic Metal steigert sich dank dieser Funktion faktisch ins Unermessliche.

War da nicht noch eine dritte Station? Richtig, der Motion-Controller – und der schießt endgültig den Vogel ab. Der Motion-Controller präsentiert sich als eine Art LFO. Er dient dazu, die Morphing-Wheels selbstständig rotieren zu lassen und das wahlweise in Sinus-, Sägezahn-, Rechteck- oder Zufallswellen, wobei du die Geschwindigkeit und die Modulationstiefe beeinflussen kannst. Auf Wunsch synchronisiert sich Kinetic-Metal mit deinem Sequencer-Tempo, sodass Timing-genaue Morphs möglich sind. Und auch hier legt Native Instruments noch einen oben drauf, denn es ist dir möglich, deine eigenen Morphing-Bewegungen aufzunehmen, ohne die Automation deines Sequencers bemühen zu müssen. Dies geschieht ganz einfach über den Rec-Button in der Motion-Controller-Sektion. Ein großes Lob an die Entwickler für dieses Zusatzfeature.

Egal, ob mit oder ohne Motion-Controller: Kinetic Metal macht unglaublich viel Spaß. Jedem der über 200 Instrumenten-Patches mit so verheißungsvollen Namen wie „Amorphous Metal“, „Iron Age“ oder „Umbrella Head Nail“ wohnt eine andere, inspirierende Klangwelt inne, die du dank der einfach zu bedienenden Controller jederzeit an deine individuellen Bedürfnisse anpassen kannst. Wir sind fasziniert, welch lebendige Klangtexturen sich dank der Morphing-Funktion vor unseren Ohren offenbaren. Es ist wahrlich ein Erlebnis, die Wheels in Rotation zu versetzen, sich zurückzulehnen und mit geschlossenen Augen den sich entfaltenden Sphären und Soundscapes zu lauschen.
 
Zwar sind die Kinetic Metal-Sounds für die Filmvertonung prädestiniert, jedoch dürften auch Produzenten elektronischer Musik, beispielsweise im Industrial-Stil, Freude mit Kinetic Metal haben. „Barrel Bass“ zum Beispiel erzeugt einen interessant klingenden, attackstarken Bass-Sound auf Basis von Samples eines alten Ölfasses. „Wind-Up Toy“ hingegen verbindet klickende und klappernde Mechanikelemente eines Spielzeugs mit satten Sägezahnsounds, die sich in der FX-Sektion haarsträubend verzerren und so beispielsweise als aggressives Lead-Instrument einsetzen lassen. Wir könnten diese Liste jetzt noch lange weiterführen, doch das würde den Rahmen hier sprengen. Kurzum: Kinetic Metal ist ein faszinierendes neues Instrument für den Kontakt-Sampler, dass Sounddesigner-Herzen höher schlagen lässt. Native Instruments hat also einmal mehr bewiesen, was es heißt, innovativ zu sein.

Vier verschiedene Effekte können den Forge-Klängen beigemischt werden, wobei sich deren Intensität ebenfalls per Morphing-Wheel nahtlos regeln lässt.

Technische Daten

Produkttyp Instrument für Kontakt 5 (Player)
Klangsynthese Sample-basiert
Umfang 211 Instrumente & 1.751 Samples
Datenmenge 1,55 GB
Systemvoraussetzungen           Mac (nur Intel-basiert) & PC (benötigt SSE2-CPU-Befehlszusatzerweiterung)      


Wertung:

+ neuartige Klänge und Soundscapes
+ hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis
+ einfache Bedienung und Spielbarkeit

Klangbeispiele:

Preset: „Wind-up Toy“ (langsames Morphing)



Preset: „Wind-up Toy“ (Sinus Motion Controller)



Preset: „Tornado Chimes“ (manuelles Morphing)



Preset: „Ship Breaking“ (FX-Morphing)




Preis (UVP): 99 Euro

Vertrieb: Native Instruments



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