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Test: Lewitt LCT 540 S

Weniger ist definitiv mehr

Das Lewitt LCT 540 S setzt neue Maßstäbe in Sachen Mikrofontechnik – nicht nur wegen seines unhörbaren Rauschens.


Weniger ist ...

Schallwandlerkunst aus Österreich wird schon seit Jahrzenten weltweit hoch geschätzt. Dass es neben dem Platzhirschen eine weitere, rasch aufstrebende Mikrofonschmiede gibt, ist auch in (fast) aller Munde. Und das zu Recht, denn Lewitt strotzt nur so vor innovativen Ideen und korrigiert die Messlatte kontinuierlich immer weiter nach oben. Wir hatten den neuesten Wurf der Wiener im Test: das Großmembrankondensatormikrofon LCT 540 S.

Ein „S“ hinter der Produktbezeichnung vieler Mikrofone deutet darauf hin, dass ein Mute-Schalter verbaut ist. Eigentlich recht plump. Nicht so bei dem uns vorliegenden Modell LCT 540 S. Das „S“ hier bezieht sich auf eine ungemein komplexere, innovativere Technologie. Lewitt bewirbt seinen Jüngling mit nichts geringerem als „besser als das menschliche Ohr“. Zugegeben, diese Aussage lässt zunächst viel Interpretationsspielraum. Aber sorgen wir erst einmal für eines: Klarheit.

Was die Technologie ermöglichen soll ist eine Weiterentwicklung des Schaltkreis- und Kapseldesigns, die das Eigenrauschen des Mikrofons weit unter die Hörschwelle des menschlichen Wahrnehmungsvermögens sinken lässt. Sprich: Das Lewitt LCT 540 S rauscht so leise, das hört kein Mensch. Dies zeigt sich vor allem dann, wenn die Messergebnisse in Relation zur Empfindlichkeit unseres Gehörs betrachtet werden: über das ganze Frequenzspektrum hinweg bleibt das Eigenrauschen deutlich unterhalb unseres Hörbereichs.

Um diese Tatsache überhaupt ermitteln zu können, hat Lewitt einiges an Aufwand betrieben. Da herkömmliche Messtonnen viel zu viele Außengeräusche durchdringen lassen und somit das Messergebnis verfälschen, wurde eine komplett neue Messvorrichtung konzipiert. Und die bringt immerhin viereinhalb Tonnen auf die Waage. Nun fragt sich bestimmt der eine oder andere: „Wozu diese Anstrengungen? Gibt es nicht bereits genügend gute Mikrofone auf dem Markt?“

Der große Unterschied des LCT 540 S im Vergleich mit anderen Modellen ist, dass es eben kein „sehr geringes Eigenrauschen“ aufweist. Es rauscht praktisch gar nicht. Genau deswegen ist es imstande, Details zu übertragen, die bei fast allen anderen Mikrofonen durch ihr Eigenrauschen maskiert und somit unhörbar verloren gehen würden. Freilich ist hier vorausgesetzt, dass die Übertragungskette keine merklichen Schwachstellen aufweist und es sich um hochwertige Kabel, Vorverstärker und Digitalwandler handelt. Doch werfen wir nun einen Blick auf das Mikrofon selbst.



Die Messkurve von Mensch und LCT 540 S zeigt: das Mikrofon rauscht durchgehend leiser als wir es wahrnehmen können – also gar nicht (hörbar).

Drumherum

Rein optisch betrachtet unterscheidet sich das LCT 540 S kaum von den übrigen Modellen aus der LCT-Serie. Es kommt im typischen flach-quaderförmigen Design mit abgeschrägten Kanten. Für reichlich Stabilität wurde das Gehäuse aus Zinkdruckguss gefertigt, ist dabei immer leicht kühl und fühlt sich sehr wertig an. Als Finish wurde schwarz-matter Lack gewählt, der selbst dem rauen Studioalltag gut zu trotzen scheint. Für reichlich Stabilität sorgt auch der Mikrofonkorb, der seitlich durch Träger verstärkt ist. Doppelschichtige Gaze verhindert zudem das Eindringen selbst kleinerer Partikel.

Die Kapsel besitzt einen gut sichtbaren, hellgrünen Ring. In dessen Mitte sitzt eine sehr leichte, goldbeschichtete Mylarmembran mit einer Stärke von 3 µm. Außerdem kommt das Mikrofon mit der fixen Richtcharakteristik „Niere“. Alle Details am LCT 540 S sind vorbildlich gefertigt und es bereitet richtig Freude, das Mikrofon in den Händen zu halten und es eingehend zu studieren. Selbst nach längerem Betrachten fällt nichts auf, was an der Verarbeitung zu beanstanden wäre. In puncto Qualität können sich viele andere Hersteller durchaus eine Scheibe abschneiden.

Insgesamt drei Taster sind am vorderen Mikrofonschaft verbaut, wobei über jeden davon unterschiedliche Funktionen angesteuert werden können. Dazu gehören neben altbekannten Vertretern wie Lowcut und Pad auch eine Clipping-History sowie eine Tastensperre. Zusätzlich wird durch ein rotes Blinken über das hintergrundbeleuchtete Logo angezeigt, ob seit dem letzten Einschalten das Signal intern übersteuert wurde. Ein rotes Leuchten desselben hingegen zeigt an, dass das Signal automatisch abgeschwächt wird, um Clipping zu vermeiden.

Lewitt liefert das LCT 540 S in einem quasi unzerstörbaren Koffer aus. Dieser ist nicht nur staub-, wasser- und schlagfest konstruiert, sondern hat obendrauf eine Öffnung, über die ein Atmosphärendruckausgleich durchgeführt werden kann. Neben dem Mikrofon finden im Behältnis auch Mikrofonspinne, Poppschutz, Windschutz, Mikrofontasche, Gummiarmband sowie Informationsmaterial ausreichend Platz. Somit ist im Lieferumfang all das Mikrofonzubehör integriert, das man braucht, um direkt loslegen zu können.

In Sachen Verarbeitungsqualität lässt das LCT 540 S keine Wünsche offen.

Signalarbeit

Lewitt hat das LCT 540 S primär für Gesangsaufnahmen konzipiert. Und da ist es auch gut eingesetzt, denn die menschliche Sprache überträgt es mit Bravour: alle individuellen Details einer Stimme werden ausgezeichnet abgebildet. Abgesehen von einer deutlich wahrnehmbaren, aber nicht unbedingt übertriebenen Wärme arbeitet der Großmembraner gefühlt sehr neutral. Für „Klassiker“ typische Klangverfärbungen, die eine Stimme beispielsweise in ein rauchiges, nasales oder dumpfes Licht rücken, sucht man hier demnach vergebens.

Vor allem bei filigranen oder geflüsterten Frauenstimmen spielt das LCT 540 S seine Stärken aus. Die Detailtreue sucht ihresgleichen, wenn es darum geht, wirklich alles einzufangen. Gerade bei geflüstertem Gesang ist unter ungünstigen Bedingungen damit zu rechnen, dass störende Hintergrundgeräusche in den Fokus geraten und einen – meist für alle Beteiligten – erheblichen Mehraufwand verursachen. Das LCT 540 S allerdings lieferte ein hochauflösendes Klangbild, bei dem Raumanteile und Reibungsgeräusche der Kleidung kaum ins Gewicht fielen.

Durchaus ergebnisreich zeigten sich Experimente mit einem Sänger, der nach dem Ausführen diverser Klangfarben schließlich bei harschem Gesang und Untertongesang landete. Wo bei letzteren Techniken „in aller Regel“ auf ein dynamisches Mikrofon zurückgegriffen wird, entschieden wir uns kurzerhand dennoch, das LCT 540 S für die Aufnahmen zu verwenden. Im Gegensatz zum dynamischen Modell setzte sich das Signal dabei nicht nur wesentlich besser im Mix gegen Gitarrenwand und Schlagzeug durch, sondern erforderte zugleich erheblich weniger Nachbearbeitung – und das, ohne in den Höhen überspitzt oder zu luftig zu wirken.

Das LCT 540 S ist nach dem LCT 940 und dem LCT 640 TS das dritte Mikrofon, das ich von Lewitt unter die Lupe nehme. Wie genau die Österreicher es anstellen, das ist mir ein Rätsel. Dass sie es aber scheinbar konsequent durch die Produktpalette durch schaffen, Herr über störende Neben- und Hintergrundgeräusche zu werden, verdient besonderes Lob. Will sagen: Das LCT 540 S eignet sich bestens dafür, um selbst in akustisch schwierigen Umgebungen überragend saubere Signale zu erhalten. Ich bin begeistert.


Das LCT 540 S entpuppt sich eindeutig als Spezialist für Gesangsaufnahmen.

Alles ist machbar

Unter den Mikrofonen finden sich unzählige Allrounder – genauso wie Spezialisten. Modelle, die beide Kompetenzen in sich vereinen, jedoch nur wenige. Dass das LCT 540 S wie geschaffen für Gesangsaufnehmen ist, haben wir ausführlich getestet. Wie ist es jedoch bei anderen Signalen? Dieser Frage ging ich nach und nahm als Nächstes eine Akustikgitarre auf. Sofort schenkte ich meine Aufmerksamkeit dem vollen, warmen Klangbild, das der Neuling von Lewitt auftischte. Wie bei der Stimme blieben dabei alle Details erhalten, die das Saiteninstrument ausmachen. Selbst bei einem größeren Abstand wirkte die Akustikgitarre nicht gleich dünn, wie es bei anderen Schallwandlern vorkommt.

Bei dem angenehm warmen Klangbild des Lewitt LCT 540 S wollten wir es genauer wissen. Also stellten wir es an eine Floor-Tom – ein doch ziemlich unüblicher Einsatzort für ein Großmembrankondensatormikrofon. Hier mussten wir zum ersten Mal das Pad aktivieren, da die Anzeige uns eine Übersteuerung meldete. Hörbar war diese für uns allerdings nicht. Jedenfalls: Wow, was man hier alles rausholen kann! Eine so mächtige 16-Zoll-Tom, ohne jegliche Bearbeitung, hört man wirklich selten. Sicherlich lassen sich mit diesem Mikrofon auch gute Ergebnisse an der Kickdrum erzielen.

Schließlich setzten wir das Mikrofon noch für Foley-Zwecke ein. Hier galt es, Blätter- und Schmökergeräusche beim Lesen eines Buches auf die Festplatte zu bannen. Das Geraschel beim Durchblättern sowie das Auf- und Zuschlagen des verwendeten Wälzers bildete das LCT 540 S deutlich hörbar und authentisch ab. Lediglich das Fahren mit dem Finger über eine Seite war – womöglich ob des großen Dynamikumfangs – nur schwer wahrzunehmen. Hier half dann jedoch ein Kompressor schnell weiter.

Wenn man am LCT 540 S nun doch etwas aussetzen möchte, dann wäre lediglich der mitgelieferte Poppschutz zu kritisieren. Dieser hält zwar prinzipiell gut an den dafür vorgesehenen Magneten an der Mikrofonspinne. Kommt man jedoch versehentlich daran oder versetzt das Stativ durch das Positionieren an der Schallquelle in stärkere Schwingungen, kommt es vor, dass sich der Poppfilter löst und herunterfällt. Und das ist gerade auf etwas härteren Böden nicht gerade schön, da das feine Gitter den Eindruck vermittelt, leicht verformbar zu sein.


So muss die Akustikgitarre klingen: warm und detailtreu.

Fazit, technische Daten & Wertung

Mit dem LCT 540 S beweist Lewitt erneut, dass sie verstanden haben, worauf es heutzutage ankommt. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn das Mikrofon wurde gemeinsam mit renommierten Produzenten und Tontechnikern entwickelt. Als Grenze wurde der Entwicklungsabteilung lediglich ein bezahlbarer Endpreis genannt. Und dieses Ziel haben die Wiener auf jeden Fall erreicht. Rein auf seine technischen und klanglichen Eigenschaften heruntergebrochen spielt der im mittleren Preissegment angesiedelte Großmembraner ganz oben mit. Auf mehr kommt es im Grunde eh nicht an.

Dass sich das Mikrofon als Spezialist für Gesangsaufnahmen sowie als professioneller Allrounder für quasi alle anderen Schallquellen entpuppt, habe ich nicht erwartet. Umso mehr bin ich positiv überrascht und begeistert vom LCT 540 S. An einen guten Mic-Preamp angeschlossen (in unserem Fall: SPL Channel One) und richtig hingehört offenbart sich hiermit ein bislang ungehörtes Klanguniversum, das vor Details nur so strotzt – und dabei dennoch klar ist. Darum können wir getrost schlussfolgern: Das LCT 540 S gehört definitiv zu den modernsten Mikrofonen auf dem Markt.

Technische Daten:
 
Wandlerprinzip – Druckgradientenempfänger, extern polarisiert
Membrandurchmesser – 25 mm (Großmembran)
Richtcharakteristik – Niere
Empfindlichkeit – 41 mV/Pa, –28 dBV/Pa
Ersatzgeräuschepegel – 4 dB(A)
Grenzschalldruckpegel – 136 dB (0 dB Vordämpfung, Klirrfaktor < 0,5 %)
Signal-Rausch-Abstand – 90 dB(A)
Dynamikumfang – 132 dB(A)
Pad – 0 dB, –6 dB & –12 dB
Lowcut – linear, 80 Hz (6 dB/Oktave) & 160 Hz (6 dB/Oktave)
Innenwiderstand – 68 Ω
Spannungsversorgung – 48 V (± 4 V)
Stromaufnahme – 3,6 mA
Mikrofongehäuse – Zinkdruckguss
Anschluss – goldbeschichtete 3-Pin-XLR-Buchse
Lieferumfang – Mikrofon, Mikrofonhalterung, Poppschutz, Koffer, Mikrofontasche, Windschutz, Gummiarmband & Infomaterial
Abmessungen (H x B x T) – 157 x 52 x 36 mm
Gewicht – 371 g

Wertung:

+ absolut detailreich und klangtreu
+ warmer, klarer Klang
+ Spezialist und Allrounder in einem
+ großer Liefer- und Funktionsumfang
– Poppschutzkonzept optimierbar


Preis (UVP): 832 Euro

Vertrieb: M&T, Musik und Technik
Weitere Infos: Lewitt LCT 540 S im Netz

 

 



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