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Test: Ableton Live 10

Ideen schnell einfangen

Ableton erweitert Live 10 Suite mit neuen Plug-ins und beschleunigt den Arbeitsfluss.


Ideen schnell ...

Neue Plug-ins und ein verbesserter Arbeitsfluss (Workflow) stehen im Mittelpunkt von Live 10 Suite. Mit Wavetable erweitert ein digitaler Synthesizer das Klangarsenal. Ein vielseitiges Delay und die Möglichkeit, Geistesblitze nachträglich festzuhalten sind weitere Neuheiten, mit denen Ableton seine Position im DAW-Markt ausbauen will.

Ableton Live ist seit 2001 eine feste Größe im Markt der Aufnahme- und Musikproduktionssoftware (Digital Audio Workstation, kurz DAW genannt). Das Konzept besteht auch in Live 10 weiterhin aus Clip-basierter Session-Ansicht, die zum spielerischen Ideensammeln und Jammen einlädt, und DAW-typischer Arrangier-Ansicht, in der du deine Ideen zu fertigen Tracks arrangierst. Die wichtigsten Neuerungen wurden im Ableton-Blog seit der ersten Ankündigung von Live 10. begleitet. So gab es etwa einen Einblick in die Entstehung der neuen Effekte.

Noch spannender ist allerdings die ausführliche Geschichte der Wavetable-Synthese, die den neuen Synthesizer begleitet. Um Live Suite Wavetable und die anderen Neuerungen zu nutzen, lädst du Live 10 wie üblich aus deinem Nutzer-Account herunter. Allerdings brauchst du diesmal weniger Zeit, denn Max for Live ist nun komplett in Live integriert. Nach Installation und  Autorisierung von Live 10 richtest du in den Einstellungen dein Audio-Interface und deinen Controller ein und legst sofort los. Wer Live 10 erst mal testen möchte, hat dafür 30 Tage Zeit.


Ein Klick auf den Button links oben vom Plug-in öffnet die Großansicht des neuen Synthesizers.

Wavetable oberflächig betrachtet

Da Robert Henke, einer der Gründer von Ableton, für sein Projekt Monolake gerne einen PPG-Wave 2.3 einsetzt, überrascht es wenig, in Live 10 Suite einen Wavetable-Synthesizer zu finden. Er war an der Entwicklung beteiligt, wodurch meine Erwartungen an den Synthesizer ziemlich groß sind. Zu recht, Wavetable macht seinem Namen alle Ehre. Zwei Wavetable-Oszillatoren, ein Sub-Oszillator, zwei Multimodefilter und drei Hüllkurven sowie zwei LFOs sorgen für Klänge, die über die typischen Wavetable-Sounds hinaus reichen.

Der erste klangliche Eindruck ist gut. Die mitgelieferten Presets vermitteln einen sehr guten Eindruck über die klanglichen Möglichkeiten. Lebendige Flächenklänge, Bässe, digital oder analog Klingendes – alles dabei. Die Live-typische Plug-in-Oberfläche bietet zudem eine Reihe von Eingriffsmöglichkeiten, um die Klänge zu verfeinern und eigene zu erstellen. Durch die übersichtliche Aufteilung in drei Bereiche findest du dich im Plug-in schnell zurecht. Für erste Versuche mit der Wavetable-Synthese, empfiehlt sich eine intensive Beschäftigung mit der Oszillatorensektion.

Diese umfasst den ersten Bereich des Plug-ins und enthält die beiden Wavetable- und den Sub-Oszillator, der bei Bedarf für zusätzlichen Bass sorgt. Er erklingt je wahlweise ein oder zwei Oktaven tiefer als die beiden Oszillatoren. Im mittleren Bereich stellst du die Multimode-Filter ein. Du kannst die beiden seriell (das Signal durchläuft erst das eine, dann das zweite Filter) oder parallel (das Signal geht gleichzeitig durch beide Filter) schalten. Der dritte Bereich gehört den Modulationen. Dort stellst du Hüllkurven und LFOs ein und ordnest sie über eine Matrix den Zielen zu.

Wavetable in Detail

Für einen besseren und umfangreicheren Zugriff auf die Parameter von Wavetable gibt es eine zweite Ansicht. Diese ragt wie die Ansicht beim Sampler in die Session-Ansicht rein und zeigt dir alle Einstellmöglichkeiten der Oszillatoren, Hüllkurven und LFOs gleichzeitig. Durch Ziehen der oberen Kante des Plug-ins vergrößerst du die Ansicht innerhalb der Session-View soweit du willst. Anschließend bedienst du über Maus oder MIDI die Bedienelemente der Oszillatoren und Modulatoren.

Die beiden Wavetable-Oszillatoren, der Sub-Oszillator und die Filter schaltest du bei Bedarf ab. Gerade für erste eigene Klangforschungen ist es empfehlenswert, nur einen der Wavetable-Oszillatoren und ein Filter zu nutzen, denn schon das Potential eines Oszillators ist enorm. Zusätzlich zum klassischen Wavetable-Verhalten (siehe Workshop Synthesizer Teil 2 – Digitale Oszillatoren) wählst du bei Bedarf einen der Oszillator-Effekte (Classic, FM, Modern) aus. Damit veränderst du den Wavetableklang per Frequenzmodulation, erweiterst ihn um Pulswellenweitenmodulation (Classic) oder um einen Waveshaper (Modern).

Das so schon üppige Klangspektrum eines Wavetable-Synthesizer ist dadurch nochmals erweitert und hebt das Live-Plug-in von den meisten vergleichbaren Synthesizern ab. Mit den beiden Mutimode-Filtern, die dir ebenfalls verschiedene Klangcharakteristika zur Auswahl anbieten, formst du die Klänge noch weiter. Bei der Steuerung des Klangverlaufs hast du mit drei sehr flexiblen Hüllkurven sowie zwei LFOs fünf unterschiedliche Helfer zur Auswahl. Deren Ziele sowie die von beliebigen MIDI-Controller-Daten weist du ihnen in der Modulationsmatrix zu.

Durch einen Klick auf das Dreieck im Filterbereich, öffnest du die optische Darstellung der Filtereinstellungen.

Drei Effekte sollt ihr sein

Drei ganz unterschiedliche Effekte erweitern das Klangarsenal in Live 10.
Pedal ist, wie der Name andeutet, von typischen Fußeffekten für Gitarristen inspiriert. Du hast die Wahl, Pedal als Overdrive, Distortion oder Fuzz einzusetzen. Ein zuschaltbarer Sub-Oszillator erweitert die drei. Mit Reglern für den Ein- und Ausgangspegel sowie einem simplen Drei-Band-EQ ist Pedal eine sehr gute Nachahmung typischer Effekte der Saiten-Fraktion. Pedal, Amp und Cabinet ergeben zusammen ein typisches Gitarristen-Set-up, das übrigens ebenso gut synthetische Klänge effektvoll verändert.

Drumbus ist dagegen für die Beats gedacht. Wie Pedal bietet dir dieses Plug-in eine Auswahl weniger, aber sehr effektiver Einstellmöglichkeiten. Ein Kompressor gleicht die Pegel deiner Schlagzeugklänge etwas an, während Drive und Crunch für mehr Biss sorgen. Mit Veränderung der Transienten erhöhst oder reduzierst du die Wahrnehmung des Anschlagpegels der Klänge. Boom betont dagegen die tiefen Frequenzen. Mit dem Freq-Regler passt du diese Betonung an die Tonhöhe deines Tracks an. Zum Schluss bietet Drumbus einen Dry/Wet-Regler, mit dem du die Mischung zwischen Original- und Effektsignal festlegst.

Der größte Effekt der drei neuen ist Echo, ein Multi-Delay. Vorsicht, Echo birgt (meiner Meinung nach) Suchtpotential! Alleine die Möglichkeit, zwischen Stereo-, Ping-Pong- oder Mitte-Seiten-Delay zu wählen, bietet sehr viel Potential. Gerade in der M/S-Einstellung sind interessante Effekte möglich. Unterschiedliche Echozeiten in der Mitte und den Seiten findest du sonst sehr selten in einem Plug-in. Ein Tief- und Hochpass-Filter hilft dir deine Echos für den Mix zu optimieren und du darfst auswählen, ob es eher modern exakt oder vintage-mäßig schwankend klingt.

Fang das MIDI-Signal

Dass Live ursprünglich als Audio-Sequenzer entwickelt wurde und erst ab Live 4 MIDI beherrscht, ist der DAW kaum noch anzumerken. Nur wer gerne seine Daten als Noten sehen will, stößt bei Live 10 an eine Grenze. Ansonsten zeigt sich Live auf der Höhe der MIDI-Zeit und sogar als Vorreiter neuer Ideen. Mit Live kommt eine Funktion dazu, die bisher selten in einer DAW zu finden ist: Capture. Die Idee ist simple aber extrem nützlich, denn fast jeder wird schon mal auf dem Keyboard die kreativste Idee des Jahres gespielt haben, ohne vorher auf Aufnahme zu drücken.

Capture ist die Lösung in solchen Situationen. Vorausgesetzt, dein Keyboard ist am Computer angeschlossen und Live 10 geöffnet. Dann reicht ein Klick auf den Capture-Button (oder ein Tastendruck an einigen Controllern wie Push 2) und Live erzeugt nachträglich einen MIDI-Clip mit deiner gerade gespielten Idee. Das Ganze ist tatsächlich annähernd im richtigen Tempo und der richtigen Taktzahl. Sollte Capture etwas daneben liegen bei der Erkennung, vor allem wenn es um die Länge des Clips geht, passt du diesen wie von Live gewohnt an. Im Test erzielte ich damit sehr gute Ergebnisse.

Eine zweite große Neuerung in der MIDI-Bearbeitung ist die Bearbeitung von Multi-Clips. Dazu hältst du einfach die Shift-(Hochstell-)Taste gedrückt und klickst auf die Clips, die du miteinander bearbeiten willst. Eine sehr nützliche Funktion für Clips, deren Noten in einer Abhängigkeit zueinander stehen. Eine typische Anwendung ist die Anpassung der Basstöne an die Bassdrum. Durch Multi-Clip siehst du die Zeiten, zu denen die Bassdrum erklingt und kannst mit dem Pencil-Werkzeug die Basstöne auf die gleichen Zählzeiten setzen. Der 80er-Jahre-Hit „Relax“ macht es vor.

In der Automationsdarstellung wählst du zwischen der Darstellung aller möglichen oder der tatsächlich automatisierten Parameter aus.

Viele kleine Neuerungen

Neben den neuen Plug-ins gibt es eine Vielzahl an kleinen, aber sehr nützlichen Verbesserungen, die deinen Arbeitsfluss beschleunigen und die du oftmals sehr kreativ einsetzen kannst. Dazu zählt die Möglichkeit, Clips direkt in der Arrangement-Ansicht zu bearbeiten. Am oberen Balken des Clips verkürzt oder verlängerst du diesen. Im unteren Bereich wählst du den Teil des Clips aus, den du beispielsweise reverse (also umgekehrt) abspielen willst. Markieren, auf „R“ drücken und schon erklingt ein Teil des Clips umgedreht.

Ein ebenso nützlicher Tastaturbefehl ist das „A“, mit dem du in der Arrangement-Ansicht die Darstellung der Automationskurven aufrufst. Den Loop, in dem die Clips abgespielt werden, schaltest du über STRG+L (Win)/CMD+L (Mac) an und aus. Schon die Möglichkeiten, Clips zu kürzen und einzelne Abschnitte innerhalb eines Clips umzukehren, ermöglicht das Erstellen einiger kreativer Variationen aus nur einem Loop. Es lohnt sich, wenn du einen Blick in die Anleitung wirfst, um die vielen Neuerungen im Umgang mit Clips und der Arrangement-Ansicht zu entdecken.

Neuerungen, wie etwa die Möglichkeit, die Audio-Ein- und -Ausgänge umzubenennen, helfen ebenso beim Produzieren. Gerade wenn du ein Interface mit mehreren Ein- und Ausgängen nutzt, ist es hilfreich, statt Eingang 1+2 oder so diese aussagekräftig zu benennen. Dann siehst du sofort, ob du beispielsweise den richtigen Eingang für die Gesangsaufnahme ausgewählt hast. Viele dieser kleinen Neuerungen sind für sich betrachtet wenig spektakulär, erhöhen aber den Arbeitsfluss und damit den Spaßfaktor wesentlich.

Fazit / Bewertung / Preis

Ableon Live 10 überzeugt mit großen Neuerungen und kleinen, aber feinen Änderungen. Mein Highlight ist Wavetable, ein Synthesizer, mit dem du eine sehr große Bandbreite an Klängen erzeugst. Natürlich gehören lebendige Flächenklänge und digitale Bässe zu seinen Stärken. Durch die vielen Modulationsmöglichkeiten, zu denen sogar die Frequenzmodulation der Oszillatoren gehört, steht dir allerdings ein wesentlich größeres Klangspektrum zur Verfügung. Echo, Drumbus und Pedal sind weitere hervorragende Ergänzungen der Effektpalette.

Der verbesserte Arbeitsfluss offenbart sich dir schon bei der Installation, indem Max for Live jetzt ohne Extra-Installation auskommt. MIDI-Capture und die Möglichkeit, mehrere MIDI-Clips zusammen darzustellen, gehören ebenfalls zu den größeren  Neuerungen, mit denen Live 10 auftrumpft. Wer Live nutzt, sollte unbedingt auf Live 10 umsteigen. Wavetable, Echo und Max for Live sind dabei gute Gründe, die Live 10 Suite zu nehmen, denn schon alleine diese drei sind den Mehrpreis gegenüber Live 10 Standard wert.

Wertung:
+ Wavetable
+ Echo
+ Capture
+ verbesserter Workflow im Arrangement

Preis (UVP):
Live 10 Suite: 599 €
Live 10 Standard: 349 €
Live 10 Intro: 79 €

Vertrieb: Ableton



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