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Special: Bandrecording – Keys

Tastsinn

Tastenklänge sind präsenter als viele denken. Demnach musst du auch bei den Aufnahmen auf den Sound Wert legen.


Tastsinn

Synthetische Klänge und solche, die vom Klavier stammen, geben jedem Song eine gewisse Fülle. Bevor du aber das Potential voll ausschöpfen kannst, gehören die Signale optimal auf Festplatte gebannt. Wir geben dir eine kleine Einführung in die Materie der Tasten.

Auch wenn nicht immer hörbar: In vielen Liedern kommen Synthesizer zum Einsatz. Diese flächenartigen Sounds mischt man oft so zu den übrigen Instrumenten, dass sie kaum wahrnehmbar sind. Schaltet man jedoch das Signal stumm, klingt der Song ohne diese Signale gleich viel dünner und unausgewogener. Im Gegensatz dazu stehen in Pop und elektronischer Musik synthetische Klangflächen weit vorne. Diese Genres leben quasi von Pad- und Lead-Sounds. Dabei erklingen oftmals gleich mehrere verschiedene Stimmen mit unterschiedlichen Klangfarben übereinander, um eine möglichst hohe Wirkung zu erzielen.

Nicht jede Band hat ihren eigenen Keyboarder, der die gewünschten Sounds einspielt. Manchmal übernimmt ein Mitglied, das mehr oder weniger Klavier spielen kann, diesen Part. Fühlt sich jedoch kein Musiker dazu verpflichtet, musst du als Tontechniker ran. Das heißt nicht unbedingt, dass du perfekt mit Tasteninstrumenten umzugehen hast, sondern vielmehr, dass du weißt, wie was zu programmieren ist, um an das gewünschte Ergebnis zu kommen. Einige MIDI-Grundkenntnisse sind deswegen essentiell.

Falls ein eigener Tastenspieler ist vorhanden, gilt es zu klären, wie was aufgenommen werden soll. Das heißt: Kommt der Musiker mit eigenen Instrumenten ins Studio oder spielt er MIDI-Spuren zu Hause ein und gibt diese dem Techniker? Soll gar ein akustisches Signal aufgenommen werden, wie Flügel, Orgel oder Cembalo? Und wenn akustische Instrumente zum Einsatz kommen: Wo und wann hat man Zugang zu diesen? Schließlich ist nicht in jedem Studio eine Orgel oder ein Flügel anzutreffen.

Am kostengünstigsten für die Band ist es, wenn der Künstler daheim die MIDI-Spuren selbstständig aufnimmt. Diese lädt der Tontechniker dann einfach in seinen Sequencer und realisiert mittels digitalem oder analogem Klangerzeuger den gewünschten Sound. Etwas aufwändiger ist es, wenn der Keyboarder mit seinen eigenen Instrumenten ankommt. Diese müssen dann während der Studiozeit eingespielt werden. Noch umständlicher zeigt sich das Aufnehmen akustischer Instrumente. Wir schauen uns der Reihe nach die Herangehensweisen an.


Nimm immer parallel zum Audio-Signal die MIDI-Noten auf. So fängst du die Performance ein, ohne den Musiker noch einmal an die Tasten bitten zu müssen, sollte der Klang doch noch verändert werden.

Die MIDI-Welt

Zwar ist MIDI schon über dreißig Jahre alt, von seinen Vorzügen aber hat es nichts verloren. Über diese Schnittstelle lassen sich nicht nur einzelne Noten digital übertragen, sondern auch diverse Steuerbefehle – wie Pedal, Pitchband und Modulationsrad. Das Praktischste an MIDI ist allerdings die Flexibilität in der Nachbearbeitung. Hier ist es dir möglich, nachträglich beispielsweise die Geschwindigkeit, einzelne Noten und die Tonhöhe zu verändern, ohne dass alles nochmal neu eingespielt werden muss.

MIDI-Steuerbefehle schickst du mit modernen Keyboards via USB und bei älteren Modellen über DIN-5-Kabel an den Sequencer im Computer. Dort auf MIDI- oder Instrumentenspuren aufgezeichnet, ist manchmal eine Nachbearbeitung nötig. Beispielsweise kannst du dabei alle Noten genau auf das Taktraster quantisieren oder winzige Verspieler korrigieren. Wenn aber zu viele Fehler oder falsche Noten zu finden sind, ist es manchmal sinnvoller, wenn du den Musiker noch mal an das Instrument bittest – so sparst du dir lange Editierarbeiten.

Passen die eingespielten MIDI-Noten, sind diese in akustische Signale umzuwandeln. Hierzu gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder schickst du die Steuerbefehl in einen externen Klangerzeuger und nimmst dessen Signal auf einer Audio-Spur auf oder verwendest ein Instrumenten-Plug-In in deinem Sequencer. Der Vorteil eines externen Klangerzeugers ist, dass nicht die Ressourcen des Rechners angetastet werden und sich dieser womöglich aufhängt. Nachteilig ist jedoch, dass du alles verkabeln musst. Außerdem lassen sich einmal aufgezeichnete Signale nicht mehr korrigieren, sondern müssen erneut recordet werden.

Ein großes Problem bei digitaler Klangerzeugung ist die schier unendliche Auswahlmöglichkeit an Sounds. Es gibt für jedes erdenkliche Instrument Presets, die sich teilweise bis ins kleinste Detail anpassen und beeinflussen lassen. Plane also genug Zeit ein, wenn du vor deiner Bibliothek sitzt und einfach mal alle Klänge durchprobieren möchtest. Um Derartiges bei Produktionen zu vermeiden, muss gleich von Anfang an feststehen, welchen Sound der Klangerzeuger zu simulieren hat.

Viele Synthesizer- und Keyboard-Enthusiasten schrauben ihre ganz eigene Klangwelt zusammen, die du als Techniker auf Band zu bringen hast.

Hardware

Normalerweise kommt der Keyboarder mit seinem eigenen Instrument ins Studio. Darauf sind seine präferierten Klänge abgespeichert, die er in mühevoller Arbeit entworfen hat. Der interne Klangerzeuger des Keyboards oder Synthesizers ist einfach über die Stereo-Line-Out-Buchsen mit dem Mischpult oder dem Audio-Interface zu verbinden und das Signal richtig einzupegeln. Prinzipiell musst du jetzt nur noch aufnehmen. Aber: Was tun, wenn der Klang im Mix alles zumatscht?

Beim Einspielen des Tasteninstruments in Echtzeit macht es Sinn, trotzdem die MIDI-Noten aufzuzeichnen. Warum? Ganz einfach: Sollte der Sound in der Mischung doch nicht über die restlichen Signale passen, brauchst du den Musiker nicht noch einmal an die Tasten bitten – bei einer guten Performance wäre das überflüssig. So kannst du einfach via MIDI den Klangerzeuger des Instruments mit einem anderen Sound-Preset ansteuern und das Signal neu aufnehmen. Dank dieser Methode ist es dir auch möglich, zu Playbacks mit den Klängen herumzuexperimentieren, ohne dass du den Musiker störst.

Bei älteren Tasteninstrumenten ist es oft nicht möglich, MIDI zu nutzen. Das gilt vor allem für solche, die vor 1982 gebaut wurden. Hier ist der Musiker also dazu aufgefordert, das Signal möglichst perfekt einzuspielen – Nachbearbeitungen im Sequencer sind dann nur durch fummeliges Schneiden möglich. Ein kleiner Tipp am Rande: Ab und zu bekommt der Song einen gewissen Charme, wenn nicht alles perfekt eingespielt und quantisiert ist, sondern leichte Timing-Schwankungen aufweist.

Neben Klangerzeugern in Keyboards gibt es welche, die ohne Tastatur auf dem Desktop oder im Rack zu finden sind. Diese werden meist über MIDI angesteuert. Dazu müssen aber nicht unbedingt MIDI-Noten im Sequencer vorhanden sein, denn auch via MIDI-Klaviatur entlockst du den Sound-Modulen Töne. Wenn du professionell arbeiten möchtest, dann nimm parallel zum Audio-Signal die MIDI-Daten auf. MIDI greifst du ab, indem du den Thru-Ausgang des Klangerzeugers verwendest.

Dank synthetischer und gesampleter Klänge gibt es unzählige Möglichkeiten, den Sound auch nach den Aufnahmen zu verändern. Doch Vorsicht: hier verliert man sich schnell in Details, die im Mix sowieso niemand hört.

Akustische Tasten

Viele emulierte Flügel klingen sehr authentisch. Dennoch ist es so, dass bei einigen Produktionen das Signal von echten Klavieren auf Band gebracht wird. Trotz detaillierter Nachahmung fehlt Programmen das gewisse Etwas – und das merken geschulte Ohren besonders bei solo ertönenden Instrumenten. Aus diesem Grund wollen wir das Recording der edlen Tasteninstrumente nicht außen vor lassen und dir Anregungen für die Mikrofonierung geben.

Da es sich bei Klavieren und Cembali um Saiteninstrumente handelt, erhältst du einen guten Klang, wenn das Mikrofon direkt auf die Saiten gerichtet ist. Um an diese zu kommen, muss der Deckel des Flügels so weit wie möglich offen stehen. Bei Pianos ist das etwas schwieriger. An diesen lässt sich zwar der Deckel aufklappen, doch da die Saiten nicht waagerecht wie beim Flügel gespannt sind, sondern senkrecht kann das Mikrofon nicht das ganze Frequenzspektrum des Instruments abschöpfen. Das liegt daran, dass Saiten in der Schwingungsrichtung abstrahlen – also 90 Grad zur Aufhängung. Willst du den Aufwand auf dich nehmen, dann musst du wohl oder übel für das Positionieren der Mikros die Pianowand entfernen.

Für Piano, Flügel und Cembalo eignen sich am besten Kondensatormikrofone, da diese den nuancenreichen Klang am besten einfangen. Gute Ergebnisse erzielst du, indem du ein Stereo-Pärchen Mikrofon im AB-Verfahren ca. 30 bis 40 cm über den Saiten positionierst. Drehst du im Mix beide Signale stark nach links und rechts, erhältst du einen interessanten Sound, bei dem das Klangbild so wirkt, als würdest du am Klavier sitzen: Die tiefen Töne kommen von links, die hohen von rechts.

Besonders bei Klavieren trägt es oft maßgeblich zum Sound bei, wenn du einen optimalen Raum hast. Klingt dieser gut, nimm ihn auf. Für diesen Zweck eignen sich Großmembrankondensatormikrofone, die in einem gewissen Abstand vom Instrument entfernt stehen und auf dieses gerichtet sind. Im Mix ist es dir möglich, mehr daraus zu machen, als das Signal einfach nur für einen etwas räumlicheren Eindruck dazuzufahren. Fetter ertönt der Flügel beispielsweise, wenn du das Signal doppelst und Parallelkompression anwendest. Eine großzügige Absenkung von 500 Hz bis 2 kHz sorgt zudem dafür, dass das Klavier Hifi-artiger klingt.



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