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Workshop: Businessplan für Musiker – Teil 2

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Eine Band ist wie eine kleine Firma. Dem entsprechend müssen die Strukturen stimmen – sonst wird es unnötig schwer.


Erst die Arbeit, ...

In der ersten Folge ging es um ganz grundsätzliche Überlegungen – warum du überhaupt Musik machst und was du damit erreichen willst. Doch egal was deine Ziele sind, wenn du auch nur ein wenig „kommerziellen Erfolg“ haben willst muss die Basis deiner Band stimmen – und die ist zu behandeln wie eine kleine Firma. Wir zeigen dir, wie du die gröbsten Anfangsfehler vermeidest.

Nachdem es in der ersten Folge vor allem darum ging, dass du dir mal überlegst, was du mit deiner Musik überhaupt erreichen möchtest, wie realistisch das ist und welche Partner wann für dich Sinn ergeben, geht es jetzt ans Eingemachte! Die Entscheidung, seine musikalische Laufbahn in eine berufliche Richtung zu lenken, sollte unbedingt bewusst passieren. Denn keine Band wird heutzutage „einfach so“ entdeckt und von der Jugendhaus Bühne herunter berühmt. Es steckt immer eine Menge harter Arbeit von Seiten der Künstler als auch auf der Seite der Businesspartner dahinter. Zunächst sei gesagt, dass man einen Businessplan im Normalfall anfertigt, wenn man damit zum Beispiel bei der Bank einen Kredit für seine Selbstständigkeit beantragen möchte oder sich um sonstige Förderer der eigenen Sache bemüht. Da so ein ausführliches Exemplar ganz und gar den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, beschränken wir uns auf die grundsätzlichen Punkte, die du für deine Selbstorganisation gebrauchen kannst und die dich auf die Businesspartnersuche vorbereiten. Hier einige wesentliche Punkte, die euer Businessplan unbedingt beinhalten sollte:

 


Nur wenn du klare Vorstellungen von den wichtigsten Eckpfeilern des Business hast kannst du die richtigen Entscheidungen treffen.

Dein Leitbild

Leitbild – Warum möchte ich das machen und welche Ziele verfolge ich?

Im ersten Anlauf solltest du dir über das grundsätzliche Geschäftsmodell folgende Gedanken machen:

-    In welchem Genre bewege ich mich?
-    Trete ich als Band oder Einzelkünstler in Erscheinung?
-    Was ist meine USP?

Hast du Klarheit über die Ausrichtung, geht’s weiter mit den Zielen (kurz-/mittel-/langfristig). Wo willst du in einem Jahr, in drei Jahren, in fünf Jahren und in zehn Jahren mit deiner Musik stehen? Welche Voraussetzungen sollte man schaffen, um diese Ziele zu erreichen? Für den ein oder anderen Künstler kann es sich empfehlen noch mal eine Zeit lang die Musikschulbank zu drücken – nicht weil man an seinen Fähigkeiten zweifeln soll, sondern vielmehr um seine Möglichkeiten voll auszuschöpfen und sich in Ruhe entwickeln zu können.

Weißt du dann, wohin die Reise führen soll und was an Basisarbeit noch fehlt, kommt die Kreation des Bandnamens ins Spiel. Ein Bandname entspricht einem Markennamen, denn schließlich willst du unter diesem Namen CDs, Downloads, Konzerte und Merchandise verkaufen. Leider kommt es immer wieder vor, dass man sich einen Namen aussucht, mit dem dann kurze Zeit später ein anderer Künstler berühmt wird. In so einem Fall kann man schnell das Nachsehen haben, wenn dieser Künstler sich die Markenrechte an diesem Namen sichert. Im Übrigen ist auch das ein Bestandteil eurer USP – ein eigenständiger Name mit großem Wiedererkennungswert. In den meisten Fällen hilft es weiter den Namen einfach mal zu googlen. Wer wirklich sicher gehen will, kann sich beim DPMA (Deutsches Patent- und Markenamt) schlau machen. Hier würde man seinen Markennamen dann auch anmelden, wenn man sich dazu entschließen sollte richtig durchzustarten.

Unter dem folgenden Link wirst du direkt zur Markensuche weitergeleitet:
https://register.dpma.de/DPMAregister/marke/einsteiger

Beim Deutschen Patent- und Markenamt kann man vorab überprüfen ob der geplante Bandname nicht schon vergeben ist.

Die passende Rechtsform

Die Rechtsform/Gesellschaftsform – GbR, GmbH und Co.

Die GbR-Gründung ist die einfachste Form der Gesellschaftsgründung (GbR = Gesellschaft des bürgerlichen Rechts). Diese empfiehlt sich für jeden, der das erste Mal eine selbstständige Arbeit aufnimmt, da sich der Verwaltungsaufwand in Grenzen hält. Dazu rufst du beim zuständigen Finanzamt an und sagst, dass du gerne eine GbR anmelden möchtest. Die freundlichen Herrschaften vom Finanzamt beschreiben genau, welche Formulare dazu einzureichen sind. Auf diese Formulare gehören genaue Angaben zu den Bandmitgliedern (euren Gesellschaftsmitgliedern) und eine Erklärung, was ihr eigentlich vorhabt (eine Musikgruppe gründen).

Per Gesetz entsteht eine GbR, sobald sich eine oder mehrere Personen zu einem gemeinsamen Zweck zusammenschließen. Also eigentlich ist es bereits eine GbR, wenn ihr zusammen in den Proberaum geht – man muss das nur noch korrekt anmelden. Wenn das Formular zusammen mit dem Gesellschaftsvertrag (siehe oben) eingereicht ist, bekommst du eine Steuernummer von eurem Finanzamt und musst ab sofort am Ende des Jahres unter anderem eine Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) einreichen, also eine kleine Steuererklärung für die GbR anfertigen. An dieser Stelle möchten wir empfehlen, zumindest mal einen Steuerberater anzurufen, der die genauen Formulare benennen kann und Hilfestellung beim Ausfüllen der Datenblätter gibt, da es hier auch Berührungspunkte mit der privaten Steuererklärung gibt.

Wer gleich ein Gewerbe gründen möchte, muss sich zusätzlich noch beim Gewerbeamt vorstellen und dort eine Gewerbeanmeldung ausfüllen. Die Kosten dafür liegen meistens unterhalb der 100-Euro-Marke pro Gesellschafter, allerdings variieren diese, je nachdem wo ihr ansässig seid. Das Gewerbeamt reicht diese Anmeldung dann beim Finanzamt und der IHK ein. Von diesen Institutionen bekommt ihr dann ganz automatisch Post mit allen weiteren Formularen, die auszufüllen sind.

Eine GmbH-Gründung ist zwar toll, weil sie eure Haftung beschränkt, kostet aber auch direkt eine Mindestkapitaleinlage von 25.000 € und bringt weit mehr Verwaltungsaufwand mit sich, da man keine einfache EÜR mehr einreichen kann. Hierbei muss man fachgerecht bilanzieren und einen Jahresabschluss mit Veröffentlichungspflicht anfertigen – alleine der formgerechte Jahresabschluss kostet dann gerne mal jedes Jahr um die 1.000 € zusätzlich. Daher ist das für die meisten Bands nichts für den Start. Sicherlich kann man auch eine sogenannte 1-Euro-GmbH gründen, bei der man die 25.000 EUR nach und nach anspart, der Verwaltungsaufwand bleibt aber – und schließlich wollen die meisten ja Musik machen und nicht eine Karriere als Buchhalter starten.

Auch wenn sich deine Band aus Freundschaft gegründet hat – sobald es ernster wird und es auch um Geld geht sollte man gemeinsam einen Bandvertrag abschließen. Zu sehen ist eine Vorlage von www.band-unity.de

Ein Bandvertrag?

Der Bandvertrag/Gesellschaftsvertrag

Wie schon gesagt: Man braucht bereits zur Anmeldung beim Finanzamt einen Gesellschaftsvertrag für seine Band. Da in Deutschland Vertragsfreiheit herrscht, braucht man keine strenge Form einzuhalten, sollte aber ein paar grundlegende Dinge klären, die in jedem Vertrag vorkommen. Es folgen die wichtigsten Punkte, die in diesem Vertrag stehen sollten. Den Anfang macht die Präambel, die den Vertragszweck bestimmt.

Ein Beispiel für die Präambel: „Dieser Vertrag wird zwischen den Parteien x, y und z (Namen der Bandmitglieder) geschlossen zur gemeinsamen musikalischen Tätigkeit im Rahmen der Band XYZ. Ziel dieser Tätigkeit ist es gemeinsame Konzerte zu spielen, musikalische Stücke zu veröffentlichen und hiermit Gagen, Verkäufe und Tantiemen zu generieren.“

Dann folgen die eigentlichen Eckpunkte des Vertrages: Wenn mehrere Musiker in der Band sind, muss geklärt werden, wie Gewinne und Verluste verteilt werden, wer welchen finanziellen Beitrag im Vorfeld leistet und was bei Neueintritt/Austritt von Bandmitgliedern passiert. Man sollte sicherstellen, dass das neue Bandmitglied den Vertrag unterschreibt und das austretende Bandmitglied durch eine einzelne Kündigung die Gesellschaft verlassen kann, ohne dass der komplette Vertrag aufgelöst werden muss. Schließlich ist derjenige auch einer der Vertragspartner, also sollte dieser wichtige Punkt hier formuliert sein. Eine solche Veränderung eures Gesellschaftsvertrages muss man dann auch dem Finanzamt melden.

Wichtig ist auch, ob der Bandname gemeinsam entstanden ist und möglicherweise austretende Bandmitglieder ein Namensrecht daran haben. Ist dies der Fall, sollte geklärt werden, ob der Bandname auch bei Austritt einzelner Mitglieder bestehen bleibt, oder ob sich die Band in so einem Fall einen neuen Namen suchen muss.

Sobald sich etwas Erfolg einstellt lohnt sich die Anmeldung bei GEMA, GVL & Co. Auch wenn es zu Beginn nur geringe EInnahmen sein dürften.

Wer hat’s erfunden?

Der nächste Abschnitt sollte festlegen, wer als Urheber/Songwriter und Texter für die Band tätig und damit Bezugsberechtigter einer Verwertungsgesellschaft ist. Sind mehrere Mitglieder Urheber, sollte sich jeder dieser Urheber bei einer Gesellschaft wie etwa der GEMA melden. Alle Bandmitglieder, die auf der Bühne stehen und Songs im Studio einspielen, sollten sich zudem bei der GVL anmelden, um ihre Tantiemen für die „ausübende Tätigkeit“ als Musiker zu erhalten – ungeachtet dessen, ob sie die Songs auch geschrieben haben. Zu diesen speziellen Angelegenheiten bezüglich Verwertungsgesellschaften wird es noch weitere, ausführliche Artikel geben, die auch darüber aufklären, wann es Sinn macht sich dort anzumelden.

Des Weiteren sollte man sich darüber einig werden, wer sich in der Band um das allgemeine Marketing kümmert (bspw. Organisation von Bandfotos, Homepage, Pressetexte, Facebook-Seite etc.) und wer das Booking übernimmt. Sollte es bereits externe Partner für diese Bereiche geben, kann man dies hier vermerken und gegebenenfalls Stellvertreter innerhalb der Band bestimmen.
Besonders wichtig ist ein Abschnitt, in dem vereinbart wird, wer Verträge im Namen der Band abschließen darf. Oftmals kommt es vor, dass ein Booker anfragt und schnell eine Antwort braucht. Ist dann ein Bandmitglied irgendwo im Urlaub und kann nicht erreicht werden, sollte ein Vertreter der Band in der Lage sein stellvertretend für alle eine Aussage zu machen. Hier kann man festlegen, ob dieser Stellvertreter nur Konzertverträge abschließen darf oder auch Label-, Management- und sonstige Verträge im Namen der Band verhandeln und/oder abschließen darf. Wichtig ist, dass im Zweifel alle Bandmitglieder haften, wenn der Stellvertreter Verträge unterzeichnet. Also entscheide diese Sache in Ruhe und wähl eine verantwortungsvolle Person aus, die sich im besten Fall mit den üblichen Gepflogenheiten der Branche auskennt.  

Und da dieser Punkt gerade zur Sprache kommt: Wer haftet wofür in welchem Rahmen? Man kann bspw. festlegen, dass Einnahmen der Band auf dem Bandkonto für Anschaffungen verbleiben – dann könnte man in Höhe des Guthabens als Gesamtschuldner auftreten und alle darüber hinaus gehenden Beträge zu gleichen Teilen auf die Bandmitglieder umlegen. Sollte allerdings ein Bandmitglied der Band willentlich Schaden zufügen, sollte man hier festlegen, dass dieses Bandmitglied als alleiniger Schuldner gegenüber Dritten auftritt.

Gerade bei gemeinsam genutztem und gekauftem Equipment wie Mischpult & Co. sollte schriftlich festgehalten werden, was passiert, wenn Mitglieder die Band verlassen.

Wer hat’s gekauft?

Zuletzt ist noch die Frage zu klären: Was passiert mit gemeinschaftlich angeschafftem Equipment, wenn sich die Band irgendwann auflöst oder in Rente geht? Werden die Sachen verkauft und die Erlöse gleichmäßig verteilt oder darf sich jedes Mitglied etwas vom gemeinsamen Equipment aussuchen?

Zum Schluss muss man noch die Schlussbestimmungen des Vertrages einfügen, hier ein Beispiel: „Sollten sich einzelne Bestimmungen dieses Vertrages als unwirksam erweisen, so bleibt der Vertrag in seinen übrigen Teilen wirksam. In diesem Fall sind die Vertragsparteien verpflichtet, die unwirksame Vertragsbestimmung durch eine wirksame Bestimmung zu ersetzen, die dem Sinn und Zweck der unwirksamen Bestimmung möglichst nahe kommt. Diese Bestimmung soll entsprechend für den Fall gelten, dass der Vertrag eine von den Vertragsparteien nicht gewollte Lücke aufweist. Als Erfüllungsort für die Leistungen aus diesem Vertrag gilt der Unternehmenssitz von Band XYZ, zur Zeit des Vertragsschlusses ist dies die Adresse …. Gerichtsstand für alle Streitigkeiten aus diesem Vertrag ist …. Es gilt das Recht der Bundesrepublik Deutschland.“

Der ein oder andere Punkt eines solchen Vertrages macht manchen Musikern wahrscheinlich etwas Angst, da man Situationen abklärt, die man sich nie herbeiwünscht. Dennoch ist es sehr vorteilhaft so etwas anzufertigen, da mögliche Streitigkeiten um solche Punkte schon beim Entstehen niedergelegt werden können, wenn man sich im Vorfeld einmal vernünftig damit befasst hat. Wenn man in solchen Sachen unsicher ist, schadet es auch nicht, einmalig einen Anwalt zu konsultieren. Das Geld ist gut angelegt, da man im Falle von Streitigkeiten auf der sicheren Seite ist und möglicherweise ein weitaus kostspieligeres Verfahren abwenden kann.

War das jetzt ganz schön trocken und beängstigend? Ja, ein bisschen, zugegeben. Aber wenn man hier alles sauber organisiert hat, kann man sich umso besser auf die Musik konzentrieren. In der nächsten Folge wird es dann auch wieder spannender. Denn dann geht es darum, wie man seine Zielgruppe findet, optimales Marketing betreibt und ein paar Grundregeln, damit man auch dann schon Geld verdient, wenn man noch nicht große Hallen füllt. Wir wünschen dir jetzt schon viel Erfolg dabei, deine Band zum Erfolg zu führen.

Viel Spaß auf jeden Fall schon mal beim ausprobieren dieser Tipps und dem Voranbringen deiner Band. In der nächsten Folge kümmern wir uns dann um die Themen Marktanalyse und Marketing. Schließlich nützt dir die beste Musik der Welt nichts, wenn du die passenden Fans einfach nicht erreichst bzw. sie dich nicht kennen. Das wird spannend.



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