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Kolumne: Fabian Ristau

Ehre wem Ehre gebührt

Woran werden wir uns bei 2013 erinnern? Fabian Ristau mit seinem ganz persönlichen Rückblick.


Ehre wem Ehre ...

Das Jahr 2013 neigt sich dem Ende zu. Unser Autor Fabian Ristau wagt den etwas anderen Rückblick – und schaut gleichzeitig nach vorne.

Das Jahr 2013 ist schon fast wieder Geschichte und endet wie es angefangen hat: viel zu warm. Aber keine Sorge, dies soll kein Appell an die Klimaschützer werden. Heute geht es um einen kurzen Rückblick – ganz ohne Markus Lanz, Prinz Willem Alexander oder dergleichen. Es gibt da zum Beispiel einen bekannten britischen Musiker, der nach einer achtjährigen Schreibblockade wieder ein funktionsfähigen Stift gefunden hat und mit seinem neuen Album „The Last Ship“ ein ganz passables Comeback schaffte. Auf dieser CD findet man eine Menge Nordenglischer Folklore,  aber vor allem – trotz des starken Broadwaycharakters – eine unfassbar musikalisch durchdachtes Konzeptalbum.

Die Songs handeln grob gesagt vom Schiffbau, von Seefahrern und ihren Sorgen sowie Freuden. Das ganze spielt – wie schon erwähnt, in Nordengland, der Heimat dieses Musikers. Die besten Voraussetzungen also für ein emotionales Comeback, welches wie erwartet in sämtlichen Ländern gut einschlägt. Leider bleibt seine Heimkehr vorerst nur eine nette Imagekampagne, denn im nächsten Jahr ist er zusammen mit Paul Simon auf einer fast ausverkauften US-Tour. Europa: Fehlanzeige. Nichtsdestotrotz besitzt das Album einige wirklich sehr gelungene Lieder und ist sicherlich eine meiner Wiederentdeckungen in diesem Jahr. Die Rede ist natürlich von Bassist und Sänger Sting.


Respekt vor Legenden

Anderes Thema: Philharmonie Essen. Auf der Bühne steht einer der letzten übrig gebliebenen Namen der jüngeren Musikgeschichte. Saxophonist Wayne Shorter. Baujahr 1933. Einer der wegweisendsten Musiker des letzten Jahrhunderts. Zusammen mit seinem Quartett spielt er ein unglaubliches Konzert. 90 min. Stehend! Das Konzert ist gut besucht – jedoch bei weitem nicht ausverkauft. Und wer jetzt denkt, dies wäre eine Veranstaltung für grauhaarige, betuchte Damen und Herren in feinem Zwirn, der irrt. Tatsächlich ist der Altersdurchschnitt nicht höher als 35 bis 40. Und dies gibt mir das gute Gefühl, dass es immer noch – oder wieder – ein junges Jazz-Publikum in Deutschland gibt und dabei steht da ein 80 jähriger auf der Bühne, der nicht einmal singt oder Pyrotechnik einsetzt.

Warum ich das alles erzähle? Während es in den unzähligen Jahresrückblicken mit Prinz William und Co vor allem um belanglose Erinnerungen geht, kommt der ein- oder andere Gedanke an einen der vielen jüngst verstorbenen Größen der Musikgeschichte oftmals zu kurz. Jim Hall, Paul Kuhn, George Duke (Zappa), J.J. Cale, Lou Reed, Ronald Shannon Jackson (Ray Charles), Peter Banks (Yes), Ricky Lawson (Michael Jackson, Sting) und einige mehr. Alle starben sie 2013. Die musikalischen Verdienste jedes einzelnen sind nicht hoch genug einzuschätzen und ihre Einflüsse werden auf ewig in den Geschichtsbüchern stehen.

Der Wert eines Konzertes von Wayne Shorter ist daher nicht nur für Musiker unschätzbar hoch. Persönlichkeiten wie er sind lebende Geschichtsbücher, die jedoch – wegen ihres hohen Alters – immer seltener werden. Wäre es da nicht respektlos, wenn diese Musiker unbeobachtet die Bühne verlassen würden und noch nicht mal in einer dieser unsagbar wichtig erscheinenden TV-Jahresrückblick-Shows einen Platz bekämen? Ja sicher, es gibt in den einschlägigen sozialen Netzwerken etliche bedauernde Kommentare nach dem Ableben einer dieser Legenden. Mit viel Glück und bei schlechter Nachrichtenlage kommt es hin- und wieder sogar vor, dass ein grau gefärbtes Bild in der Tagesschau eingeblendet wird …

Es geht  hier sicher nicht darum, ewig zu trauern. Es geht um Erinnerungen, die wir behalten und bewahren müssen. Sei es von einem Konzert, einer CD oder TV-Show. Das sind wir diesen einzigartigen Menschen schuldig. In diesem Sinne: auf ein ereignisreiches Jahr 2014.

Euer Fabian Ristau



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