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Interview: (Tomoyasu) Hotei

Zurück zu den Wurzeln

Hierzulande nahezu unbekannt, aber in seinem Heimatland Japan ein Superstar – das ist Hotei.


Zurück zu den ...

Während er in seiner Heimat schon seit Jahrzehnten Superstar-Status genießt, kennen hierzulande nur wenige den japanischen Gitarristen Tomoyasu Hotei. Mit „Strangers“ soll das nun anders werden – einem Album, auf dem man so illustre Künstler wie Iggy Pop, Richard Z. Kruspe (Rammstein) oder Matt Tuck (Bullet for My Valentine) hören kann.

Du füllst die größten Arenen des Landes, deine musikalischen Helden machen mit dir Musik, und wildfremde Menschen erkennen dich auf der Straße … Kurz: Der Erfolg ist mit voller Wucht in dein Leben geknallt. Nach dem Gig quetschst du dich zum Schlafen nicht mehr auf die Rückbank eines Kleinbusses, sondern wirst ins beste 5-Sterne-Hotel der Stadt chauffiert. Das letzte Problem: Wo noch die Motivation hernehmen, wenn schon so viel erreicht ist?

Kontrastprogramm backstage in Berlin: Regen klopft ans Fenster des kleinen Kreuzberger Clubs „Musik & Frieden“. Auf einer abgewetzten Couch vor uns sitzt Tomoyasu Hotei. In Japan hat dieser Musiker alles erreicht. Er zählt in seinem Heimatland zu den erfolgreichsten Rockstars aller Zeiten. Vor ein paar Tagen erst ist er in Tokios berühmtester Live-Venue, dem Budokan, aufgetreten. Jetzt sitzen wir uns in einer Location gegenüber, in der es so beengt zugeht, dass die Band später durchs Publikum auf die Bühne gehen wird.Warum tut sich jemand, der in seiner Heimat allen Luxus genießen könnte, den Umstand an, wieder mit ganz kleinem Besteck zu kochen? „Mir macht das hier Spaß, weil es meine Entscheidung ist“, antwortet Hotei uns auf diese Frage. „Niemand hat mir vorgeschrieben, wieder in kleinen Clubs zu spielen. So wie hier habe ich ja auch angefangen. Das ist der beste und einzige Weg, um vorwärts zu kommen. Ich bin ein Gitarrist, darauf kommt es an. Es geht nicht um die Größe der Venue.“

Mag der Club heute auch winzig sein – wie groß Hotei in seinem Heimatland ist, zeigt sich an diesem Abend unmissverständlich: Diplomaten aus der japanischen Botschaft stehen im Publikum, die Chefetage von Universal Music Deutschland hat sich ebenfalls angekündigt – selbst der CEO von Universal Music Japan ist extra aus Tokio eingeflogen.Hotei hat in seiner Heimat Japan mehr als 40 Millionen Alben verkauft. Im Westen kennt man vor allem sein Stück „Battle Without Honor or Humanity“, das Star-Regisseur Quentin Tarantino sich für den Filmklassiker „Kill Bill“ borgte. „Tarantino liebt japanische Kultfilme“, sagt Hotei. „Er sah ‚Shin Jingi Naki Tatakai‘, einen Film, in dem ich mitgespielt und für den ich ‚Battle Without Honor or Humanity‘ geschrieben hatte. Tarantino rief mich an und fragte, ob er das Stück benutzen dürfe. Ich sagte ihm: ‚Nein, lass mich doch ein neues Lied extra für deinen Film schreiben.‘ Aber er war nicht davon abzubringen. Er sagte: ‚Ich liebe den Song. Es muss genau dieses Stück sein.‘ Vorher wollte er eigentlich einen Song von Metallica für ‚Kill Bill‘ benutzen. Ich muss mich also bei Metallica entschuldigen …“


Hotei weiß genau, was er will – und zieht das dann auch durch.

Erst die Band- dann die Solokarriere

Seine Karriere hat Hotei in den frühen Achtzigern als Gitarrist der Rockband BOØWY begonnen, die als eine der größten und einflussreichsten Rockgruppen Japans gilt. Ende der Achtzigerjahre nahm der heute 55-Jährige dann seine Solokarriere mit dem Album „Guitarhythm“ in Angriff.

Seit einigen Jahren lebt Hotei jetzt bereits in London. Schon hinter diesem Umzug aus Japan steckte der Wunsch, es noch einmal mit einer internationalen Karriere zu versuchen. Auch wenn die Familie zunächst nicht sehr begeistert war, von nun an in einem fremden Land zu leben. „Als ich meiner Frau und meiner Tochter davon erzählte, dass ich nach London will, sagten sie: ‚Das ist dein Traum – geh du alleine, wir bleiben in Tokio!‘ Aber ein paar Tage später haben sie sich doch entschieden mitzukommen.“ Hoteis Frau und Kind sprachen damals noch kein Englisch, die Umstellung fiel nicht leicht. Doch mittlerweile ist die Familie auch seelisch in der neuen Heimat angekommen. Hoteis Devise für den Neuanfang ist simpel, aber dafür vielleicht umso überzeugender: „Ich bin fest davon überzeugt, dass ich die Menschen mit meiner Musik glücklich machen kann.“

Einfach ist es selbstverständlich dennoch nicht, mit 55 Jahren noch einmal neu durchzustarten. „Aber ich wollte diese Herausforderung“, sagt Hotei. „Mein größter Traum war schon immer, eine Welttour spielen zu können. In Japan ist alles sehr fest strukturiert. Der Markt ist dort für mich gesättigt. Ich habe da als Musiker keine echte Perspektive mehr – ich bin schon zu groß.“

Hotei ist fünfzig, als er sich wieder auf seinen Jugendtraum besinnt einmal weltweit spielen zu können. „Ich bin nicht wirklich jung genug, um international den Durchbruch zu schaffen – aber es ist auch noch nicht zu spät, um sich einer neuen Herausforderung zu stellen.“ Dass der Musikmarkt in Japan anders strukturiert ist als im größten Teil des Westens, kommt erschwerend hinzu. Während in Europa und den USA mittlerweile alle auf Streaming setzen, werden in Japan noch massenweise CDs abgesetzt – wobei die allermeisten dieser Tonträger von japanischen Künstlern stammen. Auch musikalisch gibt es Unterschiede: „Was die Akkordwechsel angeht, ist in der japanischen Pop- und Rockmusik ziemlich was los“, erklärt Hotei uns. „Vielleicht kommt das von der Sprache her? Japaner lieben Melodisch-Moll-Tonleitern. Und sie singen gerne! Viele japanische Musiker schauen daher beim Songwriting extra darauf, wie gut sich das Stück fürs Karaoke eignet. Man achtet einfach darauf, dass die Songs leicht mitgesungen werden können.“

Hotei selbst sieht sich aber weniger von der japanischen Tradition beeinflusst. So gehört etwa David Bowie, mit dem er bereits die Ehre hatte, auf der Bühne zu stehen, zu seinen großen Vorbildern. Aber auch deutsche Bands wie Kraftwerk, Neu!, Can oder DAF beeinflussten ihn. Und für die cineastisch-epische Facette seines Sounds lässt Hotei sich gerne von Filmkomponisten wie Hans Zimmer oder Ennio Morricone inspirieren.

„In Japan habe ich jetzt schon eine Karriere, die 35 Jahre andauert. Aber ‚Strangers‘ ist mein erstes international veröffentlichtes Album. Ich singe sonst auch auf Japanisch – das funktioniert natürlich nicht auf dem weltweiten Markt. Meine Vocals sind auch nicht stark genug, um international mitzuhalten. Ich bin deshalb zurück zu meinen Wurzeln, habe mich auf die Gitarre, das Songwriting und das Sound-Design konzentriert.“ Und so singen nun unter anderem Größen wie Iggy Pop oder Matt Tuck (Bullet for My Valentine) auf „Strangers“ – selbst Richard Z. Kruspe, der sonst bei Rammstein Gitarre spielt, steuerte Gesangsparts bei. „Mein Produzent hat mich auf Richard aufmerksam gemacht. Ich hab ihm dann einfach einige meiner Demos geschickt, die ihm gefallen haben. Es hat mich überrascht, dass er dann als Sänger mit mir zusammenarbeiten wollte. Ich glaube, es ist das erste Mal, dass er als Sänger mit einem anderen Künstler kollaboriert. Das ist großartig!“

Hoteis erstes international ausgerichtetes Album „Strangers“.

Wenn Iggy Pop ein Autogramm will

Auch die Liste der Gast-Songschreiber und -Produzenten von „Strangers“ ist beeindruckend: Youth (Pink Floyd, The Verve), Leo Abrahams (Brian Eno, Paolo Nutini) und Stephen Lipson (Jeff Beck, Grace Jones) stellten unter anderem ihre Talente zur Verfügung.

An Musikern ist auf „Strangers“ außerdem auch Noko mit von der Partie, der vielen noch als Bassist der Electronica-Pioniere von Apollo 440 bekannt sein dürfte. „Noko kenne ich seit beinahe 20 Jahren. Ich war ein Riesenfan von Apollo 440 und habe sie damals gefragt, ob sie ein paar von meinen Songs produzieren möchten.“

Iggy Pop lernte Hotei dagegen ganz zufällig in den Achtzigerjahren am Flughafen in Berlin kennen. „Wir flogen in derselben Maschine. Ich erkannte ihn sofort und war ganz aufgeregt. Ich überlegte, ob ich es wagen sollte, ihn anzusprechen und um ein Autogramm zu bitten. Aber ich traute mich nicht. Iggy sieht ja ein bisschen beängstigend aus.“ Eine unbegründete Angst, wie sich herausstellte: „Iggy kam plötzlich auf mich zu und fragte, ob ich nicht dieser berühmte japanische Gitarrist sei. Er hatte zu der Zeit eine japanische Freundin, die ein großer Fan von mir war. So kam es dann dazu, dass nicht er mir, sondern ich ihm ein Autogramm gab – für seine Freundin. Das ist lange her, aber Iggy erinnert sich immer noch daran.“

Mit seinen 55 Jahren mag Hotei nicht mehr im besten Alter sein, um als Musiker an einer internationalen Karriere zu arbeiten. Aber manchmal bedarf es bekanntlich nur eines Zufalls, damit sich die Chancen zu den eigenen Gunsten drehen. Und wer möchte diese Möglichkeit bei jemandem bestreiten, den Iggy Pop schon mal um ein Autogramm gebeten hat? Wir jedenfalls nicht.

Hier bekommst du einen ersten Eindruck vom Album „Strangers“:

Bio & Equipment

Bio
   
Mehr als 40 Millionen verkaufte Alben, Gigs mit David Bowie, INXS, Joni Mitchell und vielen anderen Stars – in Japan zählt Tomoyasu Hotei zu den ganz Großen. Seine Karriere begann der heute 55-Jährige in den frühen Achtzigern als Gitarrist der Band BOØWY, die als eine der erfolg- und einflussreichsten Rockgruppen Japans gilt. Ende der Achtzigerjahre startete Hotei seine Solokarriere mit dem Album „Guitarhythm“. Seitdem kultiviert er einen cineastisch-epischen Sound, der reichlich Platz für gitarristische Einlagen lässt und Quentin Tarantino so gut gefiel, dass er sich Hoteis Stück „Battle Without Honor or Humanity“ für den Soundtrack seiner Filmreihe „Kill Bill“ auslieh. Mit seinem Album „Strangers“ hat Hotei nun sein erstes international veröffentlichtes Album vorgelegt.

Hoteis Equipment

Gitarren

„Ich habe nie Les Paul gespielt. Fast immer Telecaster oder Stratocaster – ich mag Single-Coil-Gitarren. Ich haue gern in die Saiten! Und Heavy-Solos sind auch nicht mein Fall. Mittlerweile habe ich mein eigenes Signature-Modell, das von Fernandes gebaut wird. Mein Input bestand unter anderem in dem Sustainiac-System. Ich besitze aber auch fünf bis sechs Gitarren von Zemaitis. Die sehen sehr schön aus und sind komplett handgemacht. Es gibt von jedem Exemplar nur eines. Zwar sind sie mit Humbuckern ausgestattet, sie klingen aber trotzdem nicht zu heavy. Sehr geschmackvoll.“

Amps

„Ich spiele normalerweise immer Divided by 13. Für die Shows in Europa habe ich jetzt allerdings einen Matchless-Amp mitgenommen. Aber es ist sehr schwer für mich, diesen Amp auf kleinen Bühnen zu kontrollieren. Wir haben auch nie genug Zeit für Soundchecks. Deswegen ist jetzt die Entscheidung gefällt worden, stattdessen einen Kemper zu verwenden. Das ist viel einfacher.“


Weitere Infos:
Hotei im Netz



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