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Interview: SOHN

Handgefertigt aus England

SOHN beweist, dass das Genre „Electro“ auf Live-Shows nicht durch „Klick-and-Play“ entsteht.


Handgefertigt aus ...

Ein klassischer Gag, an dem durchaus etwas Wahres dran ist: Ein Electro-DJ heizt die Menge an, spielt seinen Track ab und hüpft mit dazu. Da Live-Show etwas mit Performance des Instruments zu tun hat, rollen Musiker nur mit den Augen. Und genau hier kommt SOHN ins Spiel. Der gebürtige Engländer spielt nicht nur live mit seinem Keyboard, sondern singt dazu noch mit einer hervorragende Stimme. Wir sprachen mit ihm über sein Equipment und seine Art, eine Show aufzubauen und zu präsentieren.

People nStuff: Eine Live-Electro-Show: Was ist deiner Meinung und Erfahrung nach wichtig für eine solche Art Konzert?
SOHN:
Die Sache ist die, dass ich analoge Drum-Machines und Synthesizers bei meinen Aufnahmen verwende. Wenn ich live auftrete, dann muss es dasselbe Equipment sein. Leider kann man nicht immer alle Instrumente mit sich herumschleppen, da diese sehr teuer und schwer sind. Dennoch ist es wichtig, immer noch die Interaktion mit den Instrumenten selbst zu haben. Auf der Bühne haben wir immer fünf Synthesizer am Laufen. Daher ist es immer wichtig stets in der Lage zu sein, die Dynamik und Form der Sounds zu kontrollieren. Im Grunde genommen ist es dasselbe wie jedes andere Instrument, das in einer Band live gespielt wird. Wenn ich in einem Song hier und da mal Pause habe, dann übernimmt mein Keyboarder und spielt seinen Part. Eine sehr interaktive Art live zu spielen. Eben genau dasselbe, wie bei einer jeden Band.

PnS: Du verwendest eine Drum-Machine für deine Live-Performances?
SOHN:
Ja, ursprünglich. In den Aufnahmen selbst verwende ich eine analoge Dave Smith Tempest Drum-Machine, welche auf einer Linn-Drum basiert, die in den 80ern verwendet wurde. Diese nutze ich eigentlich, um die Sounds zu bekommen, wenn ich aufnehme. Was ich dann mache: Ich nehme individuelle Drum-Loops am Computer auf, die ich live anschließend über einen Trigger aktiveren kann. Denn, die Maschine selbst ist sehr unzuverlässig. Sie folgt nicht einmal dem vorgegebenen Tempo. Wenn du 120bpm verwendest, dann spielt sie eigentlich 129.498 Schläge pro Minute. Das ist ein Albtraum damit im Studio aufzunehmen und live zu spielen. Eine sehr wilde und schwierig zu kontrollierende Maschine. Daher verwenden wir Samples.


SOHN setzt auf eine atmosphärische Nebel- und Lichtshow.

Die kleinen Ärgernisse

PnS: Siehst du es als Problem, quasi gegen die Drum-Machine zu arbeiten?
SOHN:
Ja. Als wir die ersten Bühnen-Proben für die Show veranstalteten, verwendete ich die analoge Drum-Machine die ganze Zeit über. Mit einem Synthesizer und einem Sampler für zusätzliche Vocals platzierte ich das Gerät direkt vor mir. Mein Keyboarder hatte noch drei zusätzliche Synthesizer und ein paar Effekte. Außerdem habe ich noch einen Live-Basser, welcher Synth-Bass spielt. Wir starteten die ersten Monate damit, zu 100% keinen Computer zu verwenden. Als wir aber zeitlich immer näher zur ersten Show kamen, schaute mein Manager vorbei, um die Proben anzuhören. Er kam auf mich zu und meinte: „Es ist gut, aber es fühlt sich so an, als hättest du ziemlich viel zu tun.“ Und das war richtig. Es war fast unmöglich für mich. Ich hab dies und das gemacht und dann musste ich noch singen. Er fragte mich: „Ist die ganze Sache stabil?“ Daraufhin musste ich antworten: „Nein, nicht wirklich.“ (grinst und beginnt zu lachen). So entschieden wir ein Sicherheitselement einzubauen, das darin bestand die Drum-Beats als Samples zu nutzen, was im jetzigen Fall die Sache viel einfacher gestaltet. Nun haben wir volle Kontrolle über die Song-Struktur und darüber, welche Elemente an welcher Stelle eingesetzt werden. Das haben wir alles auf eine gewisse Weise in Ableton festgelegt. Die Samples spielt dann der Keyboarder ab. Ich gebe ihm im richtigen Moment Augenkontakt und er löst die Loops und Samples aus. Doch den Rest der Musik machen wir mit unseren Händen.

PnS: Gibt es noch andere Komplikationen auf der Bühne, mit denen ihr zu kämpfen habt?
SOHN:
Oh ja, die ganze Zeit über. Zwei der Synthesizers müssen gestimmt werden, da sie analog sind. Daher haben wir Stimmgeräte auf der Bühne. Wenn es zu heiß wird, dann verstimmen sich die Instrumente. Einmal hatten wir eine Live-Outdoor-Session. Die Hitze der Sonne verändert die Tonhöhe. Sobald die Maschinen in warmer Umgebung sind, überhitzen sie sich, da ihr Gehäuse aus Metall ist. Das wirkt sich dann auf die Stimmung aus: Sie geht in der Tonhöhe nach oben. Damals, als wir die Session veranstalteten, hatten wir die ganze Zeit versucht, Dinge vor das Gerät zu stellen, dass die Sonne nicht direkt drauf scheint (lacht).

Praktisch und ersetzt einen sperrigen Analog-Sampler: iPad mit Akai-App.

Kleine Helferchen

PnS: Dennoch bevorzugst du analoge Synthesizers?
SOHN:
Es klingt einfach um "das gewisse Etwas" besser. Wie im Fall, ob du nun als DJ mit CDs auflegst oder mit den Original-Aufnahmen. Das gibt einfach einen Unterschied im Sound. Und besonders für unsere Mucke ist es ein bedeutender Unterschied. Mein Synthesizer zum Beispiel ist eigentlich digital, simuliert aber die analoge Arbeitsweise. Selbst dieser Synthesizer, welchen ich als recht modernes Equipment betrachte, da es ein digital-analoges Instrument ist, hat bereits 22 Jahre hinter sich. Er stammt aus dem Jahr 1992. Ursprünglich war es ein deutscher Rave Synthie. Natürlich gibt es Probleme, wenn man so etwas verwendet. Wenn es kaputt geht, wie bekommst du das repariert? - Du bekommst es nicht repariert. Wir hatten einen, welcher kaputt ging, und sendeten dem Menschen, der die Geräte ursprünglich baute, eine E-Mail. Er antwortete darauf, dass er die Teile dafür nicht mehr hat. Daher dachte ich schon darüber nach, dass ich die Synthesizer, die ich für die Aufnahmen verwende, mitnehme. Die würde ich live definitiv gerne einsetzen. Aber sie sind einfach zu groß und schwer. Es reicht schon, wenn ich die zu den Recording-Sessions mitschleppe. Massive und alte Teile, die selbstverständlich auch kaputt gehen. Daher Vorsicht mit solchen Dingen.

PnS: Du benutzt auf der Bühne auch ein iPad.
SOHN:
Ja, genau. Das ist wirklich cool. Der Grund, warum ich es grundsätzlich verwende, ist dieser: Darauf ist eine Akai-App installiert, die einen analogen Sampler simuliert. Es lädt sofort, da es modernes Equipment ist. Bei einem echten analogen Sampler musst du warten, und warten ... das dauert einfach verdammt nochmal zu lange. Außerdem ist die ganze Sache viel einfacher zu transportieren, besonders da wir so viel fliegen bei unseren Reisen.

PnS: Verwendest du auch einen Computer?
SOHN:
Ja. Auf dem läuft Ableton Live, mit all den aufgenommenen Songs und Samples, Percussion sowie hier und da mal ein gerades Pattern, welches wir für Parts verwenden, die absolut im Tempo und in Ordnung sein müssen. Alles andere, was ich verwende, wird über den Akai-Sampler getriggert. Flexibilität ist mir einfach wichtig. Denn das Letzte, was du willst, ist zu all den Aufnahmen einfach nur dazu zuspielen, was dann eigentlich nur ein Backingtrack kreiert. Wir machen es aber gerade anders herum. Wir entscheiden, wann welcher Part eingesetzt wird und nicht, wann wir was zu spielen haben. Das Stück vom Song kommt rein, das nehmen wir weg und so weiter und so fort. Einfach ein bisschen rumspielen.

Das Setup des Electro-Künstlers mit Alesis Q49, iPad und TC-Helicon VoiceLive.

Musikerkulturen

PnS: Du kommst ursprünglich aus London, lebst jetzt aber, mehr oder weniger, in Wien. Wenn du die deutsche, österreichische und englische Musikkultur miteinander vergleichst: Was sind für dich die großen Unterschiede?
SOHN:
Die ganz große Sache ist, dass im Vereinigten Königreich viel Wettbewerb herrscht. In London zum Beispiel hast du nicht nur Briten, sondern auch viele andere Künstler, die dasselbe tun wollen, wie alle anderen in der Stadt: bekannt werden. An Orten wie Wien oder generell Österreich ist das nicht wirklich so. Als ich nach Wien zog, wollte ich von dem ganzen unkollegialen Gefühl und Wettbewerbsgemache wegkommen. In London wirst du immer mit schiefen Augen angeschaut, wenn du dich blicken lässt, nach dem Motto „Tss, ach, ja, der wieder.“ Das, was ich gerade beginne zu verstehen, ist, dass, wenn du Glück hast in London geboren zu sein, du das Gefühl bekommst, das du eigentlich alles erreichen kannst, was immer du auch willst. Falls du aber in Wien geboren bist, hast du eher den Eindruck, dass es eine Art Grenze gibt. Wenn du beispielsweise in der Geschichte von Electro-Musikern zurückblickst, kommst du eher mal zu dem Schluss, dass du so und so weit kommen kannst, da noch niemand anders vor dir diesen Punkt überschritten hat. Am Anfang war ich noch eher in der Stimmung von „Los Leute, ihr könnt eigentlich machen, was ihr erreichen wollt.“ Für mich ist das einfach zu sagen, da ich in London aufgewachsen bin. Die komplette Musikindustrie ist in Reichweite, wenn du gut bist. Wenn du Musik in England machst und sie gut ist, dann ist es viel einfacher diese zu verbreiten. Die Engländer haben sowieso schon die Einstellung „Yeah, Musik ist genau das, was wir tun und lieben.“ In Städten, die weniger Musik betont sind, herrscht eher die Einstellung „Oh, ja klar. Wir versuchen unser Bestes. Aber, danach wird die Welt noch genauso sein, wie davor.“

Weniger ist mehr – auch beim Thema Saalbeleuchtung.

Connected with everyone

PnS: Worin siehst du die Vor- und Nachteile in neuen Medien wie beispielsweise Social Media Kanälen?
SOHN:
Ich denke, dass es in einem Punkt gut ist, da es einen viel direkteren Kontakt zum Künstler gibt, parallel zu offiziellen Statements. Es wäre absolut verrückt, wenn die Mitglieder von Guns n‘ Roses damals alle in ihrer Glanzzeit ein privates Instagram-Profil oder etwas in der Art gehabt hätten. Die Jungs sind Mega-Stars und du würdest niemals die Chance haben, diese zu erreichen oder zu sehen, was die in ihrem Privatleben so treiben. Und jetzt auf einmal, auf eine wunderbare Weise, kannst du es. Es gibt Filmstars, die ihren eigenen Twitter-Account haben. Du bekommst etwas zu sehen, was sich neben dem ganzen Film abspielt. Es ist nett, da du denkst, das sind alles ehrliche Leute. Das ist wirklich ein positiver Aspekt. Es ist keine Kultur mehr, aus der man diese Menschen zu Königinnen und Königen macht. Nicht auf die Art: Du bist ein Gott, weil du berühmt bist.

Auf der anderen Seite besteht diese Kommunikation zwischen Fans viel öfters, fast ständig. Die Leute fühlen sich dadurch noch näher an den Stars, was eigentlich noch ein viel stärkeres Kult-Gefühl kreiert. Ich weiß nicht. Das ist eine harte Sache. Die letzten sechs Monate habe ich Facebook und Instagram viel mehr genutzt. Anfangs habe ich immer nur einen Satz geschrieben und das war’s. Was ich daran mag, ist, dass es eine Art zusätzliches mysteriöses Element zur Show und was du tust hinzufügt. Nicht unbedingt, weil du mysteriös wirken willst, aber weil du die Show bist. Das alles ist ein Zaubertrick. Und je größer der Zaubertrick ist und je weniger du davon zeigst, umso größer kann der Trick sein. Ich will keine Instagram-Bilder von David Bowie sehen, weil mir das die ganze Magie nimmt. Auf der anderen Seite gibt es eine Art „von nicht vorbeugen“ und darüber nachzudenken, was passieren kann, wenn man etwas ins Netz gibt. „Ich entscheide jetzt, das zu schreiben und es geht raus an die Welt.“ Neulich habe ich ein Bild gepostet, auf dem ich vorgegeben habe, einen belgischen Grammy gewonnen zu haben, was aber eigentlich ein Baustellen-Licht ist, da ich betrunken war. Doch dann siehst du die Gefahren, was so etwas mit sich bringt. Manche schrieben „Glückwunsch, das ist ja großartig! Gut gemacht.“ Ich war dann echt in der Verfassung wie „Leute, kommt schon! Das ist doch nur ein verdammtes Verkehrszeichen!“ (lacht) Die ganze Sache eröffnet die Möglichkeit missinterpretiert zu werden. Doch ich beginne es zu genießen. Es bringt mich auch zum Lachen.

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