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Interview: Prophets of Rage

They Rage Again!

Wenn Legenden älter werden. Aus Rage Against The Machine, Cypress Hill und Public Enemy wurde Prophets Of Rage – ein spannendes Interview.


They Rage Again!

Als Prophets of Rage haben sich Mitglieder von Rage Against The Machine, Cypress Hill und Public Enemy zu einer Supergroup der besonderen Art zusammengeschlossen. Wir haben mit Tom Morello (Gitarre) und Tim Commerford (Bass) über ihr Debütalbum, Equipment, 90er-Hip-Hop und mehr gesprochen.

Während Public Enemy und Cypress Hill in den 1980ern beziehungsweise 1990ern den Sound des Hip-Hop revolutionierten, gehörten Rage Against The Machine zu den Schlüsselbands des Crossovers. Im Interview verraten Tom Morello und Tim Commerford, was es mit ihrer neuen Supergroup Prophets of Rage auf sich hat.

Music nStuff: Gab es bei den Aufnahmen zum neuen Prophets-of-Rage-Album Unterschiede im Vergleich zu, sagen wir, eurer Arbeit als Rage Against the Machine?
Tom Morello:
Eigentlich nicht. Unser Produzent war auch jetzt Brendan O’Brien, mit dem wir schon seit „Evil Empire“ kooperieren (zweites Rage-Against-The-Machine-Album; Anm. d. Red.). Tim, Brad und ich haben schon immer am besten aufgenommen, wenn wir drei im selben Raum waren. Einfach, weil wir dann in der Lage sind, beim Einspielen der Takes den gleichen Vibe zu spüren. So ist es auch diesmal abgelaufen.

MnS: Und ich nehme an, erst nachdem ihr eure Parts eingespielt hattet, kamen die Rapper Chuck D und B Real ins Spiel …
Tom:
Genau. Und dann haben wir auch noch Overdubs und so weiter gemacht. Der Kern des Sounds stammt aber aus den ersten Sessions von uns dreien. Dass dieses Vorgehen für uns am besten passt, ist uns eigentlich schon bei den Aufnahmen zu unserem Debüt mit Rage klar geworden. Ursprünglich hatten wir damals versucht so zu arbeiten, wie es der Produzent uns gesagt hatte (lacht). Also: Stückwerk-Technik – man braucht drei Tage für den Kickdrum-Sound, man leiht sich einen Haufen Gear … und so weiter und so fort. Aber das Ergebnis klang furchtbar und vor allem überhaupt nicht so, wie wir eigentlich klangen. Eines Tages luden wir dann einige Freunde ins Studio ein und spielten ihnen einfach so ohne größeren Aufwand unser Set vor – daraus resultierten dann eine Menge Takes des ersten Albums. Und nach diesem Muster arbeiten wir halt bis heute.

MnS: Hat sich aber beim neuen Prophets-of-Rage-Album vielleicht etwas in Sachen Equipment getan?
Tim Commerford:
Also bei mir tut sich da ständig etwas. Ich versuche immer, bessere Verstärker, Bässe et cetera zu finden. Ich habe diesen Sound im Kopf, den ich zu erreichen versuche – den ultimativen Bass-Distortion-Sound. Wirklich angekommen bin ich da aber noch nicht, auch wenn ich immer ein Stückchen näher dran komme. Wenn wir ins Studio gehen, ist das meist der Zeitpunkt, an dem ich probiere, klanglich in eine etwas andere Richtung zu gelangen, um diesem ultimativen Ziel noch näher zu kommen.
Tom: Ich glaube sogar, dass du auf jedem Album, das wir je gemacht haben, anderes Gear gespielt hast.
Tim: Das stimmt wohl. Ich entdecke immer etwas Neues. Im Moment spiele ich Music-Man-Bässe, weil sie diesen kleinen Mute auf der Bridge haben. Das ist eine Sache, die mir bei diesem Album richtig Spaß gemacht hat. Dazu kommt eine Kombination aus Ampeg, Orange und Barefaced-Cabinets.

MnS: Hast du, vielleicht für den Live-Einsatz, schon mal auf digitale Lösungen wie den Kemper zurückgegriffen?
Tim:
Nein, aber ich habe davon gehört und bin sehr interessiert an dieser Technik. Dazu gekommen, es auszuprobieren, bin ich aber noch nicht. Billy Sheehan hat das aber schon einmal ausgecheckt – und das sagt eine Menge, finde ich!

MnS: Ja, das ist im Bassbereich sicher nicht die schlechteste Referenz … Und wie sieht es bei dir in Sachen Technik aus, Tom?
Tom:
Das Hauptsetup ist immer noch dasselbe, seit gut zwei Jahrzehnten. Aber ich bin auf diesem Album auch ein bisschen daraus ausgebrochen. Ich habe zum Beispiel eine große Vielfalt von Gitarren eingesetzt. Angefangen bei Brendan O’Briens kostbarer 1958er Strat bis zur ersten Gitarre, die ich je besessen habe – eine 50-Dollar Gibson-SG-Kopie von Kay. Außerdem kam eine Ovation Breadwinner zum Einsatz und eine Kiss-Gitarre, die mir Gene Simmons und Paul Stanley mal geschenkt haben. Aber natürlich bekommen auch meine „Arm the Homeless“-Gitarre und die Telecaster ihren Auftritt.

MnS: Bist du bei den Amps auch ein wenig aus deiner Komfortzone raus?
Tom:
Ja, es gibt zwar auch mein normales Rig mit dem 2205-50-Watt-Marshall-Head und dem 4-x-12er-Peavey-Cabinet. Das ist das Hauptsetup. Aber dann brachte Brendan noch ein paar Amps mit ins Studio. Auf einigen Tracks habe ich zum Beispiel einen Fender-Twin-Reverb gespielt, und es gibt auch einen Music-Man-2-x-12er-Amp, der diesen sehr coolen Phaser-Knopf hat, mit dem sich der Sound noch zusätzlich gestalten lässt.
Tim: Und du hast auch andere Effekte eingesetzt!
Tom: Stimmt. Der Swollen Pickle (Ein Fuzz-Pedal von Way Huge; Anm. d. Red) hat zum Beispiel oft Verwendung gefunden. Bei dem Teil dreht einfach der gesamte Sound durch – total abgefahren. Wenn du diesen Effekt zwischenschaltest, hast du das Gefühl, die Lautsprecher könnten jeden Moment aus dem Cabinet fliegen. Man kann das auch echt nur eine kurze Zeit anschalten. Ich hab auch einen kleinen Moogerfooger (Analoge Effekte von Synthielegende Moog; Anm. d. Red) genutzt, und es gibt eine Talkbox plus einen Geigenbogen auf dem Song „Living on the 110“. Außerdem kommt noch ein sehr mysteriöses Teil vor … Aber das möchte ich eigentlich nicht verraten (lacht). Wir überlegen da auch noch, wie man das live umsetzen kann.



Die Prophets of Rage lassen soich auch auf ihrem neuen Album ihren rebellischen Spirit nicht nehmen.

Wieder im Sattel

MnS: Wie kam es zu der Idee, sich als Prophets of Rage zusammenzuschließen?
Tim:
Tom ist der Grund dafür. Er rief uns alle an. Und jetzt stehen wir hier.
Tom: Der US-Wahlkampf lief gerade, und das war für mich der Impetus, etwas in Bewegung zu setzen. Ich fand nicht, dass es genug gewesen wäre, über das zu tweeten, was da gerade passierte. Wir hatten ja diesen Katalog an Rage-Against-the-Machine-Songs, mit dem nichts passierte. Tim hat das mal als Ferrari beschrieben, der in einer verrammelten Garage steht. Wir wollten Spaß haben, aber auch als Akteure an einem entscheidenden historischen Moment teilnehmen und nicht an der Seitenlinie sitzen.

MnS: Mit Public Enemy wart ihr ja auch schon früh auf Tour …
Tom:
Ja, Public Enemy war die erste Band, die uns für mehr als zwei Shows mit auf Tour nahm. Davor hatten wir zweimal als Support von Pearl Jam gespielt. Das muss 1992 gewesen sein. Mit Cypress Hill verbindet uns auch eine lange Freundschaft. B Real hat sogar einen Auftritt im ersten Rage-Against-The-Machine-Video „Killing in the Name“. Er war Stagediver bei der Show, die für das Video gefilmt wurde.
Tim: Cypress Hill und Public Enemy – das war damals die Musik, die wir gehört haben. Das hat uns Anfang der Neunziger inspiriert, die erste Rage-Platte zu schreiben.

MnS: Wie gefällt euch der Hip-Hop von heute? Da hat sich ja viel verändert …
Tom:
Es stimmt, da ist vieles anders geworden. Ich gebe aber auch zu, dass ich mein Ohr nicht mehr wirklich wie früher am Puls der Zeit habe. Ich trainiere heute eher Nachwuchs-Baseball-Teams. Es ging damals übrigens auch nicht so sehr um die Raps. Uns hat vor allem die Musik beeindruckt. Besonders für mich als Gitarristen – ich war der DJ von Rage Against The Machine. Ich wollte die Sounds vom ersten Cypress-Hill-Album und die Produktion des Bomb Squads (Produzenten-Team von Public Enemy; Anm. d. Red.) emulieren. Deshalb gehören diese Bands echt zur DNA dessen, was wir machen. Die Sound-Collagen von Public Enemy haben mich als Gitarrist ganz anders über Musik nachdenken lassen. Ich begriff zum ersten Mal in meinem Leben, dass auch noch andere Wege existieren, um einen Song zu erschaffen, als nur Akkorde aneinander zu reihen.

MnS: Stößt du auch heute noch oft auf neue Musik, die dich beeinflusst?
Tom:
Natürlich! Mit Diensten wie Spotify und so weiter steht einem ja jetzt der weltweite Katalog an Musik jederzeit zur Verfügung. Das ist schon verrückt und fast zu viel des Guten. Aber ich habe zum Beispiel jetzt auf dem aktuellen Album meine Soundpalette doch um einiges erweitert. Das liegt auch an neuen Einflüssen.
Tim: Wir hatten das Internet ja nicht als wir aufwuchsen. Wir konnten nicht einfach im Netz schauen, wie man diesen oder jenen Song spielt. Oder einfach mal eine Frage beantwortet kriegen wie „Was muss ich tun, um ein Sweep-Arpeggio auf dem Bass zu spielen?“. Heute findet man im Internet jede kleine Lektion, die man möchte. Das liebe ich! Da werde ich voll zum Geek.
Tom: Früher musste man für jede kleine Gitarren- oder Bassstunde Bares zahlen. Heute kann die Welt dein Lehrer sein.
Tim: Ja, es gibt so viele Leute da draußen, die vielleicht keinen großen Namen haben, aber im Internet gratis ihre Kenntnisse mit anderen teilen.


Der Alltime-Klassiker: Rage Against The Machines Debütalbum

Ist Rock tot?

MnS: Die große Zeit der Rockmusik scheint erst einmal vorbei zu sein – zumindest im Mainstream passiert, wie ich finde, aktuell nicht mehr so viel Interessantes. Würdet ihr dem zustimmen?
Tom:
Nun, es fühlt sich auf jeden Fall nicht so an, als würde es wie früher eine sehr breite Palette an Bands geben, die verschiedene Sachen machen und damit Erfolg haben. Das heißt nicht, dass es nicht viele Bands gibt, die Interessantes zustande bringen. Aber vorher gab es eben diesen Plattenfirmen-Apparat, der in der Lage war, solche Künstler auch auf breiter Ebene bekannt zu machen. Wir haben ja von U2 nur etwas gehört, weil Island Records uns diese Band präsentiert hat. Das ist alles vorbei. Es gibt so viel weißes Rauschen, dass es schwierig geworden ist, Dinge zu entdecken. Wenn es um kommerziell erfolgreiche neue Rockbands geht, passiert das einfach in dieser Form nicht mehr. Denk mal an die Zahl der Bands, die in den letzten Jahren wirklich erfolgreich geworden sind. Ich meine so etwas wie Headliner-Status auf den großen Festivals. Mumford & Sons vielleicht – und da bin ich mir nicht mal sicher, ob man das Rock nennen kann. Imagine Dragons?
Tim: Man kann das, denke ich, auf den Computer zurückführen. Darauf, wie der Computer Teil der Musik wurde. Egal, ob es nun ums Recording geht oder um das Musikmachen selbst. Wir sprechen zum Beispiel ab und zu über den Begriff „Nu Metal“ … Was ist Nu Metal? Manchmal sagen die Leute, Rage Against The Machine seien Nu Metal. Ich weiß aber, dass das nicht stimmt. Denn mir ist klar, was Nu Metal ist: harte Rockmusik, die mithilfe von Computern gemacht wurde. Alles liegt perfekt auf dem Grid. Und das bringt, finde ich, die aktuelle Musik auch gut auf den Punkt: Egal, ob Hip-Hop, EDM, Rock oder Country – alles ist perfekt. Es gibt keine Fluktuationen im Tempo, wie zum Beispiel auf dem ersten Rage-Album. Alles klingt so steril. Heute leben wir in einer Zeit, in der man sich nicht mehr als Teenager in sein Zimmer zurückziehen muss, um jeden Tag stundenlang zu lernen, wie man ein Instrument spielt. Das ist nicht mehr nötig, weil man jetzt in Pro Tools aufnehmen und alles gerade ziehen kann.
Tom: Das unterscheidet uns tatsächlich von vielen Bands – wir lernen unsere Songs und stehen im selben Raum, wenn wir aufnehmen. Deshalb klingen wir so. Dazu hat Taylor Hawkins von den Foo Fighters neulich auch etwas gesagt, als ich ihn bei einer U2-Show getroffen habe. Taylor sagte: „Brad spielt hinter dem Beat, Tim spielt auf dem Beat und du spielst vor dem Beat. Deshalb ist eure Eins so gigantisch!“ Wenn man das alles gerade ziehen würde, wäre die Eins viel kleiner. Ich finde, da hat er Recht.

Es ist nicht leicht, in die Fußstapfen einer Legende zu treten – selbst, wenn man früher  diese  Legende  war.  Doch  Tom Morello,  Tim  Commerford  und Drummer  Brad  Wilk  ehren  ihren  einmaligen Rage-Against-The-Machine-Sound   und transferieren ihn ins Jahr 2017. Dazu kommen die coolen Vocals der Rapper  Chuck  D  und  B  Real.  Für  RATM-Fans  sicher ungewohnt  –  dafür  mit  reichlich  Groove  und  Wut. Genau das Richtige um in diesen politisch unruhigen Zeiten einfach mal gepflegt die Sau rauszulassen – mit Köpfchen. Live kommt das ganze dann natürlich noch mal einen Zacken schärfer. :)

Weitere Infos: http://prophetsofrage.com/
www.facebook.com/prophetsofrageofficial/

 

 



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