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Interview: Mando Diao

Let the good times roll!

Mando Diao sind viel mehr als „nur“ ihr Hit „Dance with Somebody“. Wie ihr neues Album entstand, verraten sie im Interview.


Let the good times ...

Mando Diao gehören zu den erfolgreichsten skandinavischen Musikexporten – auch wegen ihres Megahits „Dance with Somebody“. Wir haben die Schweden anlässlich ihres neuen Releases „Good Times“ in Berlin zum Interview getroffen.

Mit „Good Times“ legen Mando Diao ihr achtes Album vor. Im Interview sprechen Björn Dixgård (Gesang, Gitarre), Jens Siverstedt (Gitarre, Backing Vocals) und Patrik Heikinpieti (Schlagzeug) über Equipment, Recording-Sessions und „Death-Disco“.

Music nStuff: Euer Album beginnt mit dem Song „Break Us“ für eure Verhältnisse ungewöhnlich ruhig und fast a cappella …
Björn Dixgård:
Das war eine spontane Entscheidung. Wir wollten eigentlich einen ganz anderen Song aufnehmen, aber ich hab dann kurzfristig meine Meinung geändert.
Jens Siverstedt: Das Stück, das Björn eigentlich singen sollte, war als Ballade gedacht, nur mit Piano und Vocals. Wir tranken Wein im Studio, und plötzlich fing Björn an, „Break Us“ zu singen.
Björn: Ich hatte vergessen, welchen Song wir aufnehmen wollten.
Jens: Ja, aber es klang super. Daniel weinte am Piano. Das war ein echter Gänsehautmoment für uns.
Björn: Den Song, den wir eigentlich aufnehmen wollten, haben wir dann gar nicht mehr eingespielt. Vielleicht kommt der auf die nächste Platte. Aber „Break Us“ sorgt jetzt als erster Song für einen richtig coolen Kontrast zu den vielen Uptempo-Stücken, die danach kommen. Da wird sozusagen vorgefeiert, aber ganz sachte.
Jens: Ein Vorspiel. Das ist der klassische Kontrast: Wenn man plötzlich leiser spricht, hören auch alle genauer hin.

MnS: Habt ihr euch, was das Songwriting betrifft, bestimmte Dinge vorgenommen, oder ist das Album eher aus sich heraus entstanden?
Björn:
Was wir auf jeden Fall versucht haben, war, weniger in Logic zu schreiben. Davon hatten wir genug. Wenn man die ganze Zeit auf den Bildschirm starrt und die Audio-File-Würste an sich vorbeiziehen sieht – das kann dem kreativen Prozess auf Dauer schaden.
Jens: Weil man dann seine Augen mehr als seine Ohren benutzt. Das Sehen ist ein stärkerer Sinn als das Hören. Der Effekt ist direkter.
Björn: Wir haben nicht nur beim Songwriting, sondern auch beim Recording immer mal wieder die Augen geschlossen beziehungsweise den Bildschirm abgeschaltet, um die Musik einfach so zu hören. Aber natürlich ist im Grunde Logic ein tolles Programm, und wir verwenden es auch beim Aufnehmen.
Patrik Heikinpieti: Und Pro Tools!
Jens: Das ist aber nicht so toll.
Björn: Auf Pro Tools fährt nur Patrik ab. Daumen runter.
Patrik: Das sagen die bloß, weil sie das Programm nicht checken.
Jens: Nein, aber im Ernst – das Problem, wenn man sich zu sehr auf die DAW konzentriert, ist, dass man irgendwann nur noch Blöcke verschiebt. Es fühlt sich dann an, als würde man Tetris spielen. Part A kommt hierhin, Part B dorthin … Dann wieder alles zurück. Das tut der Musik alles gar nicht gut.


Etwas vergesslich

MnS: Ihr macht jetzt schon seit geraumer Zeit Musik – übt ihr eigentlich noch regelmäßig?
Patrik:
Ich finde es viel zu langweilig, alleine Schlagzeug zu spielen. Ich sollte üben, aber ich mache es echt nie.
Björn: Wir üben, wenn wir aufnehmen. Wenn einem eine Melodie oder ein Riff einfällt, muss man manchmal ja erst ein bisschen probieren, bis man es spielen kann. Das reicht.
Patrik: Meine Mission ist auch nicht, der weltbeste Drummer zu werden. Ich will einfach ein guter Musiker sein. Es geht beim Musikmachen ja um mehr als um Technik.
Björn: Es geht vor allem darum, den anderen Musikern zuzuhören.
Jens: Ich finde es sogar ganz hilfreich, eine Zeit lang nicht zu spielen. Wenn man dann zum Beispiel für eine Tour probt, geht man mit frischen Ohren an Songs heran, die man im Studio noch in- und auswendig kannte. Erst dann hört man wirklich, was man eigentlich aufgenommen hat.

MnS: Ihr seid also keine Musiker vom Typ „Nerd“, die sich stundenlang alleine mit ihrem Instrument beschäftigen können?
Björn:
CJ, unser Bassist, ist so drauf. Definitiv. Der übt jeden Tag – Arpeggien, Skalen, klassischen und Jazz-Bass, alles Mögliche. Als wir diesmal ins Studio gegangen sind, hatte CJ sechs Verstärker und zehn Bässe dabei. Am ersten Tag, als unser Engineer damit beschäftigt war, alles technisch in die Gänge zu bringen, hat CJ bestimmt zehn Stunden alleine vor sich hin gespielt.
Jens: Wir haben ein Stockwerk über dem Aufnahmeraum übernachtet, und ich weiß noch, dass ich jeden Morgen zu CJs Bassgedudel aufgewacht bin.
Patrik: Aber er ist nun mal einer der besten Bassisten überhaupt, da verzeihen wir ihm auch das Üben (lacht).

MnS: Ihr habt „Good Times“ in unterschiedlichen Locations aufgenommen. Welches Equipment war immer mit von der Partie?
Jens:
Meine API Lunchbox.
Björn: Und CJ hat sich einen fantastischen Preamp gekauft.
Jens: Ja, den Chandler REDD.47, der auf den Vorverstärkern der EMI-REDD.51-Konsolen basiert, die in den Sechzigern in den Abbey-Road-Studios standen. Das Teil ist super teuer.
Patrik: Vor allem, wenn man bedenkt, dass er damit Bassspuren aufnimmt (lacht).
Jens: CJ hat wahrscheinlich die teuerste Bass-Signalkette Schwedens am Start.
Björn: Cool war auch, dass wir extra AB-Tests mit fünf verschiedenen Mikros für meine Stimme gemacht haben, um den Sieger dieses Testlaufs dann zu kaufen. Was dann auch geschehen ist. Aber das Mikro, ein C12-Klon von ADK, kam am Ende für kein einziges Stück zum Einsatz. Ich habe es noch zu Hause. Das ist ein klasse Mikro – hochauflösend, aber gleichzeitig auch angenehm dreckig.
Jens: Björn hat das Mikro ständig zu Hause vergessen. Einmal kam er aber ganz stolz ins Studio und sagte: „Jungs, ich hab das Mikro dabei!“ Dann fehlte der Power-Supply …

Death Disco Deluxe

MnS: Wie sah es diesmal in puncto Instrumente aus?
Patrik:
Ich habe bestimmt auch zehn verschiedene Snares ausprobiert und bin dann am Schluss doch wieder bei meinem Liebling gelandet, einer schweren Messing-Snare von Gretsch, die ich auch live nutze.
Jens: Wir sollten auch noch erwähnen, dass wir Super-Fans der UAD-Plattform sind. Gerade, wenn man wie wir bei diesem Album für Recording-Sessions an abgelegene Orte fährt, ist so etwas echt prima. Man ist dann nicht so sehr von den technischen Gegebenheiten vor Ort abhängig. Wir besitzen zwei Apollo-Interfaces, über die wir alles auf unseren eigenen Laptop routen. So etwas ist sehr schnell eingerichtet, und man kann, wenn man loslegt, über Templates in dem Workflow arbeiten, den man gewöhnt ist.

MnS: Setzt ihr eigentlich noch Hardware-Synthesizer ein, oder passiert das bei euch auch schon alles „in the box“?
Björn:
Wir stehen definitiv noch auf Hardware. Der Korg Minilogue kam diesmal oft zum Einsatz, und auch ein Prophet. Wir haben außerdem einen richtig alten Aelita-Synth aus Russland verwendet, den man schon auf dem letzten Album hören konnte.
Jens: Für unsere Single „Shake“ brauchten wir etwas, das nach einem ARP klang. Weil dieser Synth aber keine Arpeggiator-Funktion hat, musste Daniel die Arpeggien live einspielen. Das war nicht einfach, aber irgendwie hat er es hinbekommen.
Björn: Daniel ist ein Virtuose, insofern geht das ohne Probleme.
Jens: Genau, der spielt das mit der linken Hand und kann sich dabei noch auf die Mädels im Publikum konzentrieren.

MnS: „Good Times“ ist recht elektronisch gehalten. Eine Melodie aus dem Song „All the Things“ soll euch sogar auf einer Berliner Tanzfläche eingefallen sein. Welche Rolle hat die Clubkultur für dieses Album gespielt?
Björn:
Mir gefällt am Techno, dass es funktionelle Musik ist. Dieses Genre soll dich zum Tanzen bringen. Das verbindet unsere Musik mit diesem Stil. „Good Times“ ist kein Techno-Album, aber es sollte unbedingt tanzbar sein.
Jens: Im Moment ist elektronische Musik aus Deutschland in Schweden total angesagt. Überall, wo man hingeht, werden deutsche DJs gespielt. Selbst wenn man in Stockholm in einem Restaurant sitzt, hört man Techno. Das ist echt Mainstream geworden.
Björn: Was cool ist.
Jens: Es gibt auch ein Thema, das sich durch das Album zieht – Death-Disco. Wenn wir mal zu sehr mit, sagen wir, dem Mischen eines Gitarren-Parts beschäftigt waren und zu diffizil wurden, kam Björn und sagte: „Nein, das muss wie Death-Disco klingen!“
Patrik: Was das dann genau sein soll, können wir auch nicht sagen. Aber wir wissen es fast!
Jens: Groovy, hart, dunkel – ich glaube, das beschreibt es am besten.

MnS: Was gefällt euch persönlich, wenn ihr euch das fertige Album jetzt anhört, am besten?
Jens:
Ich mag das Outro von „Voices on the Radio“. Das ist, finde ich, ein Part, der den Ohren schmeichelt. Ein richtig langes Outro mit schönen Backing-Vocals, verschiedenen Gitarren-Parts, die neu hinzukommen, dann wieder verschwinden und so weiter. So etwas hält die Seele gesund. Mir gefällt das auch so gut, weil die Songs auf dem Album ansonsten sehr klar und kurz sind. Wir haben uns allen Bullshit verkniffen, aber auf „Voices on the Radio“ sind wir dann mal durchgedreht.
Patrik: Ich finde „One, Two, Three“ interessant. Dieser Song ist auch nicht auf eine herkömmliche Art gesungen und fällt auch eher in die Kategorie „Death-Disco“ – im besten Sinne.
Björn: Mir gefällt vor allem, dass wir diesmal nicht so viele Filter benutzt haben. Es gibt generell nicht viele Effekte. Weniger Reverb, gerade was die Vocals angeht. Das meiste ist super trocken – das finde ich cool. Auch das ist Death-Disco.

Auch beim Cover zu „Good Times“ gehen Mando Diao ganz eigene Wege.

Bio & Album

Bio

Mitte der 1990er im schwedischen Borlänge gegründet, veröffentlichten Mando Diao 2002 ihr Debüt „Bring ‘Em In“. In ihrem Heimatland sind die vier Skandinavier mit ihrer höchst tanzbaren Mischung aus Brit- und Garage-Rock schnell erfolgreich. International kommt der endgültige Durchbruch sieben Jahre später mit „Give Me Fire!“, das unter anderem den Mega-Hit „Dance With Somebody“ enthält. 1,5 Millionen verkaufte Alben und 1.500 Konzerte später haben Mando Diao mit „Good Times“ jetzt ihr achtes Album vorgelegt.


Das aktuelle Album: Mando Diao – „Good Times“

„Wir haben uns ein bisschen wie in dem Film ‚Zurück in die Zukunft‘ gefühlt“, sagt Mando Diaos Bassist Carl-Johan Fogelklou über „Good Times“, das nunmehr achte Album seiner Band. „Die Musik ist neu, passiert gerade jetzt und in der Zukunft.“ Stilistisch zeigt sich das vor allem in einer deftigen Portion Dance-Einfluss. Das Mando Diao aber auch ganz anders können, zeigt etwa der Opener „Break Us“, der als Ballade und mit sehr zurückgenommener Besetzung daherkommt.

Mando Diao im Netz
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