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Interview: Heaven Shall Burn (Teil 1)

Wissen, wo der Hammer hängt

Heaven Shall Burn verraten was und wer hinter ihrer beeindruckenden Live-Show steht.


Wissen, wo der ...

Zu den wohl erfolgreichsten Metal-Live-Bands im deutschen Raum zählen Heaven Shall Burn. Jedes Jahr geht die Band auf eine ausgedehnte Tour und arbeitet zusätzlich eine große Palette an Festival-Auftritten ab. Besonders markant: Die Bühnen- und Lichtshow. Wir trafen uns mit Gitarrist Maik Weichert zu einem kleinen Plausch, bei dem er uns verriet, wer alles hinter der Band steht, wie die Jungs auf der Bühne agieren und wie die Nutzung der neuen Medien einen Vorteil verschaffen.

People nStuff: Heaven Shall Burn setzen stark auf optische Elemente wie abgestimmte Bühnenkleidung oder spezielle Lightshows. Für wie wichtig haltet ihr diese zusätzlichen Komponenten? Lasst ihr euch von externen Experten beraten?
Maik Weichert: Wir machen eigentlich immer das, auf was wir gerade Bock haben. Wir arbeiten mit Martin Kames, der für viele andere Bands wie Parkway Drive, Kreator und Machine Head zur Verfügung steht, zusammen. Er hat immer super Ideen für eine Lichtshow, welche auch zur Band passen. Wir tüfteln mit ihm immer etwas zusammen aus. Wir wägen im Vorfeld zum Beispiel so ab: Beim With Full Force Festival ist die Bühne so und so groß, dann können wir bei dem Auftritt das und jenes einsetzen und so weiter und so fort.

PnS: Inwieweit stimmen die Studio- und Live-Versionen eurer Songs überein? Ändert ihr für Konzerte die Arrangements?
Maik: Bei „Black Tears" zum Beispiel haben wir das Ende etwas rockiger gestaltet, hier und da mal eine andere Kurve, damit das Ganze etwas interessanter wird. Meistens ist es so, dass man die Stücke live etwas vereinfachen muss. Im Studio kommt man da eher mal mit „Hey, da würde jetzt noch eine geile Harmonie passen.“ Die wird dann auch draufgeklatscht. Am Ende steht man da und hat sechs verschiedene Gitarrenspuren. Live ist das dann echt schwierig rüberzubringen, selbst wenn noch zwei Harmonizer verwendet werden. Entweder vereinfachen oder da kommt dann mal ein Gitarren-Part vom Band. Ob ich auf den Harmonizer trete oder das vom Band kommt, ist ja eigentlich egal. Wir arrangieren das schon mal ein bisschen, wenn es nötig ist. Da sind wir ehrlich und machen auch keinen Hehl daraus. Rhythmusgitarre und so was geht aber gar nicht. Das ist dann wirklich beschissen. Das macht man einfach nicht.


Gesichtsverrenkungen bei Alexander Dietz (r.) fehlen keinefalls.

Sound und Spaß dabei

PnS: Setzt ihr auf In-Ear-Monitoring oder klassische Bodenmonitore?
Maik: Wir haben einen richtigen Bühnensound, also normal mit Monitoren. Ganz sporadisch. Ich selber habe zwar In-Ear, aber da ist nur meine eigene Gitarre drauf, damit ich mich selber ein bisschen besser hören und einpegeln kann. Ich brauche trotzdem den Live-Sound auf der Bühne. Die anderen Jungs haben gar kein In-Ear. Unser Schlagzeuger Christian hat bei manchen Songs noch einen Klick drauf, aber sonst war's das.

PnS: Spielt ihr live mit Klick, etwa wegen Backing-Sounds? Oder lasst ihr euch da gerne Freiheiten offen, um spontan auf bestimmte Gegebenheiten reagieren zu können?
Maik
: Das ist nur bei einigen Songs so. Auf der aktuellen Platte („Veto“) für „Hunters Will Be Hunted“ haben wir dann schon einen Backtrack. Die ganzen Electro-Sounds müssen schließlich gezwungenermaßen vom Band kommen. Das spielen wir dann schon auf Klick. Vieles, was wir im Studio mit Klick einspielen, wird dann live ohne gespielt, weil es ein geileres Feeling ist. Ein Mosh-Part muss bisschen gedrosselt sein. Wenn gehackt wird, muss es einfach schneller laufen. Ansonsten macht es kein Spaß, wie ein Stock auf den Klick zu spielen. Da versuchen wir uns so weit wie möglich davon fern zu halten. Es macht tempomäßig auch einen Unterschied. Ein Song, der auf Platte das und das Tempo hat, klingt live in dem Tempo vielleicht komplett scheiße. Das ergibt sich automatisch. Wenn du den Song im Proberaum spielst und es fühlt sich geil an, dann kann der Song auf Platte viel zu schnell oder viel zu langsam sein.

 

 

Das Haar im Wind: Maik drückt bei jeder Show ordentlich auf's Gas.

Der Ton macht die Musik

PnS: "Gönnt" ihr euch live einen eigenen Tontechniker?
Maik:
Ja, wir haben unseren eigenen Tonmann, den wir auch mit um die ganze Welt nehmen. Das ist schon wichtig, wenn man jemand hat, auf den man sich verlassen kann. Nicht, weil die lokalen Mischer scheiße sind, sondern weil wir gerne einen Rezeptmeister haben, der jeden Abend das macht, was wir brauchen. Im Moment überlegen wir auch noch, ob wir uns einen permanenten Monitor-Mixer mitnehmen, denn der ist nicht immer dabei. Aber ein eigener Soundingenieur ist meiner Meinung nach das erste wichtige Mitglied in einer Band, welches die Musiker als Crew-Mitglied benötigen. Bevor man über Guitar-Tecs oder irgendwen anders nachdenkt, sollte man erst mal einen Tonmann am Start haben. Das ist wirklich wichtig. Klar, der kann auch mal danebenliegen, genauso wie die Band mal danebenliegt. Trotzdem ist das was ganz anders.

PnS: Analysiert ihr nach Konzerten auch mal die Performance (etwa über Videos oder ähnliches) oder habt ihr auch da so ein gutes Gefühl dafür, in welchen Bereichen ihr eure Show noch optimieren könnt?
Maik:
Also, ich würde nicht unbedingt von Analysieren reden. Ich schaue schon mal auf YouTube nach, besonders wenn man weiß, dass man sich auf einem bestimmten Konzert mal verspielt hat; ob man das gehört hat oder nicht. Auswerten auch nicht. Das bringt ja auch nichts, wenn man sich gegenseitig irgendwelche Fehler vorhält. Wenn man ein geiles Gefühl hat, wenn man von der Bühne kommt, dann war es auch richtig so. Egal, ob man sich verspielt hat oder nicht. Wir sind ja eh ein Paradebeispiel dafür, dass man sich auf der Bühne schon verspielt und nicht alles geradeaus hinbekommt, aber trotzdem eine Menge Spaß haben kann. Bands, die da wie Stöcke auf der Bühne stehen und alles perfekt spielen: Das würde mir keinen Spaß machen. Bei einer Band wie Opeth ist das vielleicht wichtig, aber würde bei uns nicht funktionieren.

Ruhige Momente der Songs werden von Sänger Marcus Bischoff passend untermalt.

Alle meine Freunde

PnS: Ihr habt mittlerweile auch einige Equipment-Endorsements. Wie kam es dazu, was tun die Firmen in diesem Rahmen und was erwarten die Firmen im Gegenzug von euch?
Maik
: Ja, wir haben größtenteils Equipment-Endorsements – wie es dazu kam? Wie es meistens so läuft: Wenn du eine kleine Band bist, musst du dir alles teuer kaufen und wenn die Band genug Kohle macht, dann bekommst du alles kostenlos. Im Gegenzug geben wir Autogrammstunden auf der Musikmesse, auf der wir ja auch den Hersteller repräsentieren. Klar, wir spielen die Instrumente und das Equipment live. Oder es gibt mal eine Werbeanzeige mit uns. Ansonsten ist das für Musiker immer ein recht guter Deal. Du bekommst wirklich gutes Material. Wir arbeiten da eng mit MEINL zusammen. Die liefern wirklich eine super Arbeit ab. Da kann man wirklich nicht meckern. Wir sind bestens versorgt, und ich habe nicht das Gefühl, dass wir viel dafür geben müssen und bekommen aber eine Menge zurück.

PnS: Aus welchen bzw. wie vielen Leuten besteht eure Live-Truppe insgesamt? Wie habt ihr die Leute entdeckt? Habt ihr euch über die Jahre quasi eine kleine Bandfamilie aufgebaut - und wie wichtig sind euch diese persönlichen Beziehungen?
Maik:
Das ist immer relativ unterschiedlich. Wir haben auch dadurch, dass wir nicht die Band in der Größenordnung sind, die 200 Konzerte im Jahr spielt, das Ganze bisher immer noch als Hobby betrachtet. Bei uns sind es eher 50 Konzerte. Wir suchen uns immer das Beste heraus. Daher kann man auch nicht eine riesen Crew buchen. Wir haben einen Haufen Freunde, die für uns arbeiten. Super gute Truppe, die eigentlich für Machine Head, Kreator oder Cannibal Corpse arbeitet. Die buchen wir eigentlich immer, wenn die Zeit haben und nicht mit ihren "Hauptbands" unterwegs sind. Manchmal haben wir auch Festivals gespielt auf denen wir selbst alles aufgebaut und organisiert haben. Das schändet definitiv nicht, wenn man die Gitarrensaiten mal selber aufziehen muss. Wie gesagt, wir greifen eben auf die Leute zurück, die gerade verfügbar sind. Dadurch, dass es gute Kumpels sind, ist das immer wie eine Familie. Im Großen und Ganzen sind es mit Soundmann und Merch-Verkäufern so zischen 10-12 Leute, mit denen wir unterwegs sind. Wir haben jetzt keinen Koch oder Physiotherapeut dabei, wie andere Bands.

 

Soweit, so gut. Den zweiten Teil unseres Interviews mit Maik findest du hier. Unser Anspieltipp, welcher kein Gassenhauer ist, sich aber definitiv (!) lohnt anzuhören. Viel Spaß!

 



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