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Interview: Foo Fighters

Lebendiger denn je

Ein neues Album der Foo Fighters?!? Her damit!! Und dazu gibt es hier noch ein geschmeidiges Interview.


Lebendiger denn je

Er kann einfach nicht ohne! Foo-Fighters-Mastermind Dave Grohl wollte nach seinem schweren Bühnenunfall eigentlich erstmal eine Pause einlegen. Doch da kam ihm die Muse dazwischen. Gut für uns Fans, denn mit „Concrete and Gold“ steht ein neues Album in den Startlöchern. Wir trafen die Band zum Interview.

Wie sieht eigentlich der Arbeitsplatz der Foo Fighters aus? Nun, das Studio der Band in Northridge im Norden von Los Angeles ist in einer von außen unauffälligen Lagerhalle untergebracht. Drinnen gibt es neben dem imposanten Aufnahmeraum (in dem allerdings schon länger keine Foo-Fighters-Platte mehr entstanden ist) einen Spaß-und-Spiele-Raum, Küche, Flipper, ein, zwei Büroräume und neben den obligatorischen Gold- und Platinplatten auch Erinnerungsstücke aus mehr als zwei Jahrzehnten Bandhistorie. Die Foo Fighters – wir sprachen mit Chris Shiflett, Pat Smear, Taylor Hawkins und Dave Grohl – haben einen straffen Terminplan, nehmen sich aber trotzdem sehr viel Zeit für unser Gespräch und wirken nicht im Geringsten gestresst.


Music nStuff: Was ist das Besondere an den „EastWest Studios“ in Hollywood, in denen ihr „Concrete And Gold“ aufgenommen habt?
Chris Shiflett:
Die Echokammer! Unser Produzent Greg Kurstin liebt diese Kammer. Der Hall ist grandios. Und die Nostalgie des Raumes ist nicht zu unterschätzen. Elvis hat dort gearbeitet, Frank Sinatra dort „My Way“ aufgenommen.
Pat Smear: Wir lieben die Abwechslung. Das letzte Album „Sonic Highways“ haben wir in verschiedenen Studios im ganzen Land verteilt aufgenommen, das davor in Daves Garage. Und hier könnten wir natürlich auch arbeiten. Aber dafür, dass wir dieses Studio seit mehr als zehn Jahren haben, ist das recht selten passiert.
Taylor Hawkins: War jedenfalls eine geile Sache. Seit der ersten Version von „One By One“, die wir dann eingestampft hatten, waren wir nicht mehr in einem so großen Studio. Lady Gaga hat nebenan gearbeitet, die Queens Of The Stone Age auch.


MnS: Dave, du hast dir vor zwei Jahren bei einem Konzert in Schweden das Bein gebrochen. Die darauffolgende Tournee musstest du auf einem Thron sitzend absolvieren. Spürst du noch was von der Verletzung?
Dave Grohl:
Nein, zum Glück nicht. Alles ist wieder gut verheilt. Aber meine Fresse, das war harte Arbeit. Ich habe jeden Tag drei bis vier Stunden Physiotherapie gemacht, die Muskeln waren ja total verkümmert. Mein Arzt meinte, wenn ich mache, was er sagt, dann werde ich wieder rennen, Fußball spielen und hinterm Schlagzeug sitzen können. Wenn nicht, werde ich für den Rest meines Lebens am Stock gehen. Das hat mir mächtig Angst gemacht. Also habe ich meinen Körper echt so lange gequält, bis er wieder wie gewohnt funktionierte.


MnS: Axl Rose hat sich den goldenen Thron nach deiner Genesung ausgeliehen, er hatte sich ebenfalls verletzt. Hat er ihn zurückgebracht?
Dave:
Ja, der Thron ist wieder da. Er steht hier nebenan in einem Lagerraum. Ich hoffe, ich muss ihn so schnell nicht wieder rausholen.


MnS: Auch wegen der Strapazen nach der Gipsbeintour hattest du ursprünglich eine mindestens einjährige Bandpause angekündigt. Daraus ist nichts geworden, oder?
Dave:
Nein, daraus wurde nichts. Als ich sagte, wir wollten eine Weile nichts machen, war ich kreativ wie leergefegt. Körperlich war es nach dem Beinbruch eh schwierig, aber auch geistig fühlte ich mich absolut nicht frisch. Doch nach sechs Monaten kam die Inspiration ziemlich heftig zurück. Ich setzte mich hin und schrieb. So entstand der Song „Run“. Am Anfang konnte ich noch nicht absehen, ob ein Album daraus entsteht, ich trainierte einfach meine kreativen Muskeln. Aber die Dinge nahmen sehr schnell Form an, und ich spürte „das wird ein richtiges Album“.


Die Foo Fighters sind mittlerweile ein Sextett – und eine eingeschworene Gemeinschaft.

Weiter geht's!

MnS: Und dann hast du eine Rundmail geschickt und die Bandkollegen zur Arbeit beordert?
Dave:
So ungefähr, ja. Die Fluttore hatten sich geöffnet, und ich wusste, ich kann und will das nicht zurückhalten. Es ist eine knifflige Entscheidung, die Band zusammenzutrommeln. Denn wenn du die große Maschine erst einmal anschmeißt, dann gibt es kein Zurück mehr, dann gerät alles in Bewegung und du musst aus dem Weg gehen, sonst wirst du überrannt. Deshalb haben wir das Album in aller Heimlichkeit aufgenommen, ohne Druck und Erwartungen von außen. Erst als es fertig war, haben wir den Leuten davon erzählt.


MnS: Der Einfluss der Siebziger und Bands wie den Beatles ist mit prägend für „Concrete And Gold“. Dein Freund Paul McCartney spielt auf dem neuen Song „Sunday Rain“ Schlagzeug. Was sagt er zum neuen Album?
Dave:
Er liebt es. Paul und ich unterhalten uns vor allem über das Songschreiben, er geht ähnlich vor wie ich und hat vergleichbare Prioritäten.


MnS: Welche?
Dave:
Die Melodie muss sitzen. Der Krach ist leicht, du kannst mit wenig Mühe eine der lautesten Bands der Welt sein, das bringt uns auch großen Spaß, aber besonders anspruchsvoll ist es nicht, Lärm zu machen. Die wahre Kunst und die echte Herausforderung steckt in der Melodie. Als Kind war ich der größte Beatles-Fan überhaupt, wegen der Beatles lernte ich Gitarre spielen, ihre Platten waren meine Musikschule. Durch die Beatles habe ich gelernt, Songs zu schreiben, die der Hörer emotional auf sich beziehen und mitsingen kann.


MnS: „Concrete And Gold“ ist ein äußerst dynamisches Album. Stille und harte Passagen folgen oft unvermittelt aufeinander, etwa in „T-Shirt“ oder dem Titelstück, und bei aller Vertrautheit hört sich die Platte doch wieder anders an als die vorherigen.
Dave:
Das ist immer unser Ziel. Einige meiner liebsten Bands sind jahrzehntelang einem sehr konstanten Sound treu geblieben, Motörhead und AC/DC zum Beispiel, und ich liebe sie dafür, immer ihr Ding gemacht zu haben. Mit mir und den Foo Fighters verhält es sich anders. Für uns fühlt es sich immer so an, als gäbe es noch neues Terrain zu erobern. Doch nicht nach der Devise „Wir müssen endlich unser verdammtes Reggae-Album machen“, sondern ungezwungen und frei. Du siehst einfach zu, in welche Richtung die Musik läuft und läufst mit.


MnS: Warum ist das so wichtig?
Dave:
Als Band bleibst du lebendig, wenn du experimentierst. Wir wussten früh, dass wir uns stilistisch breit aufstellen und so ein weites musikalisches Feld bespielen wollten. Deshalb wirken die Kontraste, die wir auf der Platte und teilweise innerhalb einzelner Stücke haben, auch nicht seltsam, sondern stimmig.
Taylor: Obwohl wir auf diesem Album insgesamt mehr am Computer gemacht haben als sonst, klingt es in höchstem Maße menschlich. Mich erinnert es an die Carpenters, oder auch an Queen, meine Lieblingsband. Du versuchst als Band jedes Mal, das größte Album deiner Karriere aufzunehmen. Ich denke, das haben wir hingekriegt.

Hier der Videoclip zu „Run“:

Überraschung voraus!

MnS: Produziert hat das Album Greg Kurstin, das ist zunächst mal eine überraschende Wahl, denn Kurstin ist vor allem als Produzent von Popstars wie Adele, Sia oder Katy Perry bekannt.
Dave:
Ja, aber ich wusste das anfangs, als ich Greg kennenlernte, gar nicht. Ich war ein Fan seiner Band „The Bird and the Bee“, wir unterhielten uns über Musik und die große Bandbreite an Stilen, die wir lieben. Greg ist ein studierter Jazzmusiker, er hat auch schon Punk gemacht, und seine Band macht wunderbar luftigen Seventies-Pop und Softrock. Ich wusste, dass wir gemeinsam bestens ausgerüstet sind, um dieses Album zu machen, das extrem in eine weiche, harmonische, aber genauso extrem in eine harte, dissonante, dunkle Richtung gehen sollte. Irgendwas zwischen Beach Boys, Bee Gees, Motörhead und Slayer, das war unser Ansatz. Für mich sind die Vocal-Harmonien besonders toll gelungen.
Taylor: Wir wollen immer noch unser „Hotel California“ aufnehmen, die Zeit wird zeigen, welches unserer Alben die Foo Fighters am stärksten definiert hat. 


MnS: Was habt ihr ganz konkret anders gemacht?
Taylor:
Ein paar der Grooves sind wirklich neu. Auf „Run“ spiele ich so eine Art Merengue, das hatten wir noch nie. In „Make It Right“ benutzen wir leichte Verschiebungen, um diese Polyrhythmen zu erzeugen, auf „Concrete And Gold“ spiele ich mit nur einer Hand.


MnS: Zu den Gästen zählt neben Paul McCartney auch Shawn Stockman, einer der Sänger von Boys II Men. Shawn verstärkt den Chor im Song „Concrete And Gold“. Wie kam es dazu?
Dave:
Wir sind uns auf dem Parkplatz des Studios begegnet, ich habe ihn gefragt, er hat zugesagt, fertig. Ich habe eine Affinität für diese Art von Liebes-Soul aus den 90ies, ich kann auch bei HipHop und R&B warme Gefühle bekommen. Boys II Men waren Giganten, ihr Gesang ist wirklich wunderbar.


MnS: Hast Du damals zu seiner Musik rumgemacht?
Dave:
Definitiv. Vielleicht ist sogar das eine oder andere Kind zu Boys II Men entstanden.


MnS: Deine Töchter Violet, Harper und Ophelia sind elf, acht und drei Jahre alt. Können Sie deiner Musik etwas abgewinnen?
Dave:
Für die Mädchen bin ich Dad. Kein Rockstar, sondern der ungekämmte Typ, der zuhause mit am Tisch sitzt und zu viel durchgehen lässt. Violet liebt Die Antwoord, Stevie Wonder und Adele, Harper hört am liebsten Queen und Imagine Dragons. Und sie kennen erstaunlich viel Classic Rock. Neulich sangen sie plötzlich mit, als im Auto Van Halen lief. In Animationsfilmen für Kinder wird nämlich total viel Rock aus den Achtzigern eingesetzt, die kannten den Song aus „Shrek“.

Für den Videoclip zu „Run“ werfen die Foo Fighters schon mal einen Blick in die Zukunft. :)

Rock ist tot?

MnS: Ist das Gerede über die Krise der Rockmusik alles dummes Zeug?
Taylor:
Rockmusik ist nicht tot, und sie stirbt auch nicht. Ich erinnere mich an 1999, als wir mit „Nothing Left To Lose“ unterwegs waren und die Leute schon meinten „Hey, Rock ist vorbei. Jetzt ist Techno an der Reihe. Unsinn. Rock ist momentan nicht die kommerziell erfolgreichste Form der Musik und vielleicht wird sie das auch nie mehr sein, doch es wird immer Kids geben, die Rock’n’Roll spielen und hören wollen.


MnS: Dave, in „Happy Ever After“ singst Du über dein „Shangri La“, also dein persönliches Paradies. Hast Du es schon gefunden?
Dave:
Ich suche noch. Der Song ist lustig, er handelt von meinem Leben nach der Band. Ich stelle mir vor, einen Ort gefunden zu haben, an dem ich auch ohne die Foo Fighters zufrieden bin.


MnS: Kannst Du dir ein Leben ohne die Foo Fighters überhaupt ausmalen?
Dave:
Natürlich kann ich das. Schon nach unserem ersten Album dachte ich: „Vielleicht ist jetzt schon Schluss“. Nach jeder Platte denke ich, es könnte die letzte gewesen sein. Aber ich habe nicht vor, die Foo Fighters zu beenden, absolut nicht. Vieles macht mir heute noch mehr Spaß als vor 22 Jahren, als wir anfingen.


MnS: Was denn zum Beispiel?
Dave:
Konzerte zu spielen. Anfangs waren wir nur Chaos und Krach. Wir haben einige Jahre gebraucht, bis wir lernten, eine Band zu sein und das Handwerk zu genießen. Wenn 100.000 Leute vor dir stehen und einen deiner Songs mitsingen, ist das verdammt noch mal und immer noch das geilste Gefühl der Welt. Einfach wunderschön.


MnS: Was löst dieses Gefühl in dir aus?
Dave:
Glück. Wenn so viele Menschen auf einem Haufen sich auf eine bestimmte Textzeile, eine bestimmte Melodie verständigen können, dann gibt mir das außerdem Hoffnung für die Welt. Ein Konzert verbindet, es grenzt nicht aus, es führt zusammen, es trennt nicht. Das ist für mich ein wichtiges Symbol. Gerade in einer Zeit wie dieser, wo es so viele dunkle Ablenkungen gibt.


MnS: Du singst in „T-Shirt“ die Zeile „I just wanna sing a fucking love song/pretend there’s nothing wrong“, in „The Sky Is The Neighbourhood“ machst du dir Sorgen um die Verwundbarkeit unseres Planeten. Welche Verantwortung siehst du für dich als Rockmusiker?
Dave:
Die Verantwortung, meine Lieder zu singen. Das ist jetzt ein Griff in den Klischeekasten, aber die Idee des Silberstreifs am Horizont war und ist immer ein wichtiger Teil unserer Songs. Ich lese jeden Tag die New York Times und die Washington Post, ich gucke CNN und Fox, und wie viele andere kann ich kaum glauben, mit was für einer Verantwortungslosigkeit und Ignoranz unser Präsident versucht, seinen Job auszufüllen. Aber die Welt fühlt sich nicht zum ersten Mal hoffnungslos an. So lange es noch menschliches Mitgefühl und rational denkende Zeitgenossen gibt, wird man solche Phasen durchstehen. Es kommt auf uns Menschen an, zu erkennen, dass das Leben, die Liebe zu deinen Nächsten, der ganz normale, wunderbare Alltag größer und mächtiger sind als Grenzen, Kleingeistigkeit und Geld. Das Leben ist eine wunderbare Sache, lasst es uns genießen.

MnS: Hast du noch Zeit für dich ganz persönlich?
Dave:
Ja. Ich suche immer nach Momenten, in denen ich alles runterfahren kann. Ich versuche, mein Leben zu verlangsamen, das Schöne heraus zu zögern, auch einfach mal nur dazusitzen und in den Himmel zu schauen.


MnS: Wann machst Du das?
Dave:
Wenn alle anderen schlafen. Ich stehe morgens meist gegen 5 Uhr auf, zwei Stunden vor dem Rest der Familie. Das ist mein Moment der Stille. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, vom Highway hörst du noch kein Auto, das Haus ist ruhig. In diesen beiden Stunden schreibe ich, schneide Videos oder mache gar nichts. Der Rest des Tages ist dann Chaos.

Auf „Concrete and Gold“ hauen die Foo Fighters wieder eine Menge Hits raus.

Das neue Album

Das neue Album: „Concrete And Gold“


Die Menge an Ideen und Klanglandschaften auf „Concrete And Gold“ ist selbst für die notorisch aufgeschlossenen Foo Fighters immens. Nur die Identität des geheimen, im Hintergrund singenden Pop-Superstars, will die Band partout noch immer nicht lüften. Jedenfalls: Von dreckig-aggressivem Rock („Make It Right“) bis zu feinperligem Piano-Poprock („Sunday Rain“) ist alles dabei, viele Nummern sind hart und episch, teils gerade ausufernd, groß. Und die erste Single „Run“ ist ein straighter, klassischer Foo-Fighters-Rocker. Dazu kommt eine sehr gelungene Produktion. Fans werden hier garantiert nicht enttäuscht. So muss moderner Stadionrock klingen.

Weitere Infos: www.foofighters.com

 

 



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