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Im Fokus: Lampenfieber

Oh shit ... ich muss auf die Bühne!

Du hast Lampenfieber vor dem Gig? Keine Sorge, du bist nicht alleine – und es gibt Hilfe!


Oh shit ... ich ...

Für viele Musiker sind Auftritte erst das am Musik machen, was das Ganze erst lohnenswert macht. Erstaunlicherweise leiden dennoch nicht wenige unter Lampenfieber. Doch warum ist das so? Und was kann man dagegen tun?

„Ein bisschen Lampenfieber gehört zur Show, sonst macht es doch keinen Spaß.“ Mit diesem Satz wurden schon viele von uns auf die Bühne geschickt. Bejahen kann ich allerdings nur die erste Hälfte dieser eher bedingt aufmunternden Aussage. Aber erhöht sich durch Lampenfieber die Freude am Musizieren? Wer geht schon gern mit weichen Knien, zitternden Händen und von Schweißattacken geplagt seiner Arbeit oder seinem Hobby nach?

Viele Musiker könnten sicher gern auf dieses Phänomen verzichten und ein großer Teil von ihnen spricht das Tabuthema Lampenfieber gar nicht erst an. Befragt zu diesem Thema antwortete mir ein Gitarrenprofessor von der UDK Berlin: „Ich persönlich kenne dieses Gefühl nicht, aber ich kann mir vorstellen, was Sie meinen!“ Diese Antwort konnte ich ihm nicht abnehmen, zumal seine Attitüde während des Workshops eine deutlich andere war, als im anschließenden Konzert.

Übrigens: Auch Musiker wie David Bowie oder Eric Clapton hatten mit  „stage-fright“ zu kämpfen.


Prominente Leidensgenossen

Auf französisch bezeichnet man das Schwitzen und Erröten im Rampenlicht als „fièvre de rampe“, im englischen Sprachgebrauch als „stage-fright“, also Bühnenangst. Statt „Lampenfieber“ werden im Deutschen auch Bezeichnungen wie Aufregung, Aufführungs- und Auftrittsangst, Panik- und Angstattacken umgangssprachlich synonym verwendet.

Die Fachliteratur trifft dagegen eine deutlichere Differenzierung. Oft wird der Begriff Lampenfieber als positiver Zustand beschrieben, der als eine Art Ansporn verstanden werden kann. Es wird einem Konzert „entgegengefiebert“. Aufführungsangst hingegen beschreibt einen Zustand gehemmter Leistungsfähigkeit vor und während der Performance. Eine allgemein anerkannte, einheitliche Definition existiert bis heute nicht.

Im vergangenen Jahr musste der ehemalige „One Direction“-Frontmann Zayn Malik seinen Auftritt beim „Capital FM Summertime Ball“ in London aufgrund von Angstattacken absagen. In einem langen Post auf Instagram entschuldigte sich der Sänger im Anschluss bei seinen Fans: „ ... in Anbetracht der Größe der Veranstaltung habe ich die schlimmste Angstattacke meiner Karriere erlebt. Ich kann mich nicht genug entschuldigen, aber ich wollte ehrlich mit allen sein, die geduldig gewartet hatten, um mich zu sehen, […]“.  

Dieser ehrliche und offene Umgang mit seiner Auftrittsangst stieß bei den Fans von Zayn Malik auf großes Verständnis. Durch das offene Ansprechen seines Problems hat er schon den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht um sein Lampenfieber zu minimieren.

Übrigens: Die extrovertierte Lady Gaga musste schon aufgrund eines akuten Anfalls von Aufführungsangst vor einem Gala - Auftritt regelrecht aus ihrer Garderobe gezerrt werden!

Auch absolute Profis und Weltstars wie Lady Gaga sind nicht vor Lampenfieber gefeit

Warum haben wir eigentlich Lampenfieber?

Lampenfieber tritt als eine Summe aus Nervosität, Anspannung, und Stress vor einem Auftritt, einem Interview, einem Casting oder einer anderen besonderen Aufgabe, bei der man besondere Fähigkeiten beweisen möchte, auf. Die Nebennieren entsenden die Hormone Adrenalin und Noradrenalin in die Blutbahn. Daraus resultieren eine schnellere Herzfrequenz und eine stärkere Durchblutung von Gehirn und Muskeln. Dies alles erhöht unseren Wachheitsgrad und führt zu einer Steigerung unseres Reaktionsvermögens, um den Organismus auf Flucht oder Kampf vorzubereiten. Dieses Phänomen ist eine im Laufe der Evolution entwickelte natürliche Reaktion unseres Körpers, die uns in gefährlichen Situationen beim Überleben helfen soll.

Da Menschen unterschiedlich auf Stress reagieren, werden nicht alle Symptome des Lampenfiebers als störend empfunden. Zum Beispiel sind schweißnasse Hände keine Katastrophe für Sängerinnen oder Sänger. Sie empfinden es sicher nicht als schön, aber gut singen können sie trotzdem. GitarristenInnen, PianistInnen und StreicherInnen hingegen, können auch mit trockenem Mund gut spielen.

Wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen, dass ein wenig Lampenfieber die Qualität des Vortrages erhöht, gibt es bisher nicht. Hingegen wollen mehrere Studien nachgewiesen haben, dass Musiker unter der Einnahme von Betablockern technisch besser und ausdrucksvoller spielen, da sie damit ihr Lampenfieber eindämmen. Die ärztlich kontrollierte Verabreichung dieser Medikamente kann für extrem lampenfieberanfällige Künstler ein Anfang sein, diesen Stress unter Kontrolle zu bekommen. Alkohol und diverse Drogen schwächen zwar auch kurzzeitig die Symptome der Bühnenangst, allerdings mindern sie auch die Qualität des Vortrages. Zusätzlich bestehen akute Suchtgefahr und die Probleme damit verbundener gesundheitlicher bzw. sozialer Folgen.

Übrigens: Für eine im Auftrag der International Conference of Symphony & Opera Musicians entstandene Erhebung wurden mehr als 2000 Orchestermusiker nach Angstphänomenen und ihrem Umgang damit befragt. 24 Prozent der Musiker litten unter Aufführungsangst; 40 Prozent von ihnen nahmen Medikamente ein, vornehmlich Betablocker; jeder vierte nahm psychologische Unterstützung in Anspruch, 17 Prozent vertrauten auf Gymnastik, 14 Prozent vermieden jedwede Behandlung; 3 Prozent gaben ihren Beruf auf.

Was kannst du also tun?

Mit folgenden Überlegungen kannst du diese Stresssituation durchaus mit ganz einfachen Mitteln minimieren. Zum einen solltest du das erlebte Lampenfieber oder die erlebte Aufführungsangst Revue passieren lassen und sie auswerten. Das ist ein wichtiger Lösungsansatz. Dazu benötigst du ein Video der Performance. Bemüh dich, alles was du in dem Clip hören und sehen kannst, ganz rational auszuwerten. Wer das nicht kann, dem sei gesagt: „So, wie du dich auf dem Video siehst, genau so sehen und empfinden dich deine Mitmenschen.“ Spring über deinen Schatten und notiere, was dir an dem Clip gefällt und was du ändern willst.

Beantworte Fragen wie:

•    Wie war der Weg aus dem „Off“ oder Backstageberiech zum Auftrittsplatz?  
•    Bist du ohne Probleme an dein Instrument oder Mikrofon gekommen?
•    War es mit dem ersten Ton spielbereit, das heißt, gestimmt und eingeschaltet?
•    Hast du dir vorher überlegt, wie du sitzt oder stehst?  
•    War der erste Song für den Beginn des Konzerts gut geeignet?
•    Konntest du den Konzerteinstieg wie geplant umsetzen?
•    Gab es zusätzliche, überraschende Ereignisse auf der Bühne?
•    Sieht man dir das Lampenfieber überhaupt an?
•    Entspricht deine Wirkung im Clip dem Gefühl während des Auftritts?

Anhand der aufgeführten Fragen kannst du natürlich auch deinen Konzertablauf planen und proben. So machen es auch die Profis. Vieles, was bei ihnen auf der Bühne improvisiert wirkt, ist akribisch vorbereitet und vorher geprobt worden. So solltest du es auch machen. Stresshormone werden nach ihrer Freisetzung relativ schnell wieder abgebaut.

Eine perfekte Planung des Auftrittes ist eine gute Voraussetzung dafür und schafft dir eine Wohlfühlzone, in der die als unangenehm empfundenen Symptome wie Herzklopfen und weiche Gliedmaßen wieder nach zwei bis drei Minuten verschwinden sollten.

Übrigens: Als Adele den Oskar für den James Bond Titelsong „Skyfall“ erhielt, benötigte sie viel Vorbereitung für die dazugehörige Live-Performance. Auch sie hatte nach der Baby- Pause mit Bühnenangst zu kämpfen. Elton John hatte die großartige Idee, ihr eine eigene Las Vegas Show anzubieten. So könne sich Adele an ein und derselben Spielstätte wieder einarbeiten.

Mit viel Vorbereitung und Hilfe hat Adele ihre Auftrittsangs überwunden

Und wenn das nichts hilft?

Hat dich allerdings schon öfter eine regelrechte Aufführungsangst befallen, wiegt der Fall wohl etwas schwerer. Am Abend vor dem großen Tag fällt dir das Einschlafen schwer und schon lange vor dem Gang auf die Bühne fühlt sich deine Motorik ungewohnt und fremd an? Dein Körper bereitet sich wieder einmal auf Flucht oder Kampf vor, obwohl du musizieren willst?
 
Die Ursachen der Aufführungsangst können in falsch verstandenem Pflichtbewusstsein begründet sein. Übernehmen Musiker/innen Parts, für die sie nicht ausreichend ausgebildet sind oder deren Tragweite sie im Vorfeld nicht realistisch einschätzen, setzen sie sich zusätzlichem Stress aus. Weiter Gründe sind durchaus auch in der instrumentalen oder vokalen Ausbildung zu finden. Die Schülerin oder der Schüler üben im Rahmen des Unterrichts ein neues Stück ein mit dem Ziel, es beim nächsten Schulkonzert aufzuführen. Die letzten Feinheiten werden in der Unterrichtsstunde vor dem Konzert ausgearbeitet und dann kommt die Aufführung. Mit den Worten „Na, im Unterricht hat es besser geklappt. Warst wohl aufgeregt?“, wird in der nächsten Unterrichtsstunde ein neues Stück mit etwas erhöhtem Schwierigkeitsgrad aufgegeben. So bleiben für die Lernenden über einen langen Zeitraum Erfolgserlebnisse aus. Es wird unbewusst durch die Lehrenden eine regelrechte Auftrittsangst vermittelt.

Sicher kann der Vortrag durch entsprechendes Training sehr gut werden. Aber sollten den Lernenden nicht besser die Chance gegeben werden, das gleiche Werk mehrfach aufführen zu dürfen, um so Sicherheit und musikalisches Selbstbewusstsein zu erlernen? Manche Musikschülerinnen und Musikschüler haben während ihrer Schulzeit unter an Aufführungsangst grenzendem Lampenfieber sogar Preise bei diversen Wettbewerben gewonnen und nach ihrer Ausbildung jahrelang nicht mehr musiziert. Bei ihnen kam lediglich während der Ehrung ein Glücksgefühl auf, aber nie während des musikalischen Vortrages.

Dennoch stellt auch Aufführungsangst kein unlösbares Problem dar. Zum einen sollte die grundsätzliche Aufführungspraxis hinterfragt werden. Zum Beispiel holte sich mal ein singender Gitarrist, von steter Angst gezeichnet, einen zusätzlichen Sänger als Solisten an seine Seite. Von diesem Zeitpunkt an konzentrierte er sich ausschließlich auf zweite Stimmen und seine Gitarre. Seit dem tritt er frei, gerne und ohne Angst auf. Das habe ich genau so erlebt, dieses wunderbare Beispiel von Selbstreflexion. Es gibt sogar lobende Stimmen für den Background-Gesang, das Gitarrenspiel und die Ausstrahlung. Das zeigt uns wieder einmal: „Nichts ist endgültig.“ Wer sagt uns, dass der ursprünglich vorgesehene Weg immer der einzig richtige sein muss.

Diese Erkenntnis scheint besonders nach einem absolvierten Instrumental- oder Vokalstudium sehr hart zu sein. Doch ist sie für das physische und psychische Wohlbefinden von Künstlerinnen und Künstlern existentiell. So ist es möglich, dass der begnadete, unter Lampenfieber leidende Metal-Sänger zum klassischen Gesang wechselt. Nicht weil Klassik die bessere Musik ist oder weil er dabei mehr verdient. Nein, er fühlt sich wohl, in Kostümen aufzutreten, er freut sich auf jedes Konzert und zeigt eine außergewöhnlich gute Leistungsfähigkeit ohne Lampenfieber.


Andere Möglichkeiten, Lampenfieber zu minimieren

Eine weitere große Chance, deinen Körper und deine Psyche für stressige Auftritte vorzubereiten, birgt Sport in sich. Erarbeite dir ein Gymnastikprogramm, um deine Muskulatur vor dem Konzert zu bewegen. Bemühe dich, den Atem ruhig, tief und gleichmäßig zu führen. Rede viel und lass in deinen Gedanken nur Dinge zu, die dir Freude bereiten. Bemühe dich, viel zu lachen! Freue dich über Künstler, die am gleichen Abend vor, nach oder mit dir gemeinsam auftreten.
 
Nutze alle Möglichkeiten zum Erlangen von Konzertroutine. Lade deine Freunde, Mitschüler, Kollegen ein und nutze jede Familienfeier, um ihnen Ausschnitte aus deinem Programm vorzuspielen. Richte dir auch für private Sessions eine Bühnensituation ein. Plane alles genau und bereite es genauso gut vor, wie du es von anderen Künstlern auf der Bühne erwarten würdest.

Scheue dich nicht vor Fehlern und scheue dich nicht vor Kritik. Es wird nie Allen alles gefallen und du musst auch nicht jeden Rat befolgen. Aber manche Kritik erschließt sich erst später.

Wähle anfangs immer Tonarten, in denen du dich sicher fühlst.

Wirst du für einen Gig gebucht, vereinbare ausgedehnt Zeit für den Soundcheck. Vielleicht kannst du sogar davor in der Location proben. So lernst du am besten die Atmosphäre kennen. Auf jeden Fall muss es während des Soundchecks möglich sein, drei bis vier Songs in voller Länge und mit den für den Abend vorgesehenen Ton- und Lichteinstellungen zu proben. Du solltest die Bühne als deine „Wohlfühlzone“ immer mit dem gleichen Aufbau einrichten. Wenn etwas nicht deinen Vorstellungen entspricht, muss es geändert werden. Du bist während des Konzertes auf der Bühne und nicht der Techniker oder der Veranstalter. Nur so schaffst du es, eine dir vertraute Umgebung trotz wechselnder Locations zu schaffen. Das gibt dir Sicherheit und verringert das Lampenfieber.

Dann kann’s ja losgehen

Vielen Künstlerinnen und Künstler, die von Lampenfieber berichten, sieht man die Aufregung gar nicht an. Vielleicht ist es auch bei dir so. Und ganz unter uns: Was soll schon passieren? Letztendlich schüttet unser Gehirn während des Konzertes auch Endorphine aus, die wie eine Droge Glücksgefühle auslösen. Mit dieser Erkenntnis kannst du dich auf den nächsten Gig freuen.  




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