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Im Fokus: Endorsements für Musiker

Echte Partnerschaft

Viele Musiker träumen ja von einem Equipment-Endorsement. Doch wie kommt man da ran? Und was erwartet der Hersteller dann von mir?


Echte Partnerschaft

Um Equipment-Endorsements ranken sich immer noch zahlreiche Mythen und Gerüchte. Und viele Musiker finden ja, dass sie Unterstützung von Herstellerseite verdient hätten. Doch worauf kommt es wirklich an, wenn ich einen Endorsement-Partner suche? Und was erwartet der von mir?

Es klingt wie der Traum jedes Musikers. Ich suche mir einfach bei meinen Lieblingsherstellern mein Wunsch-Equipment aus, bekomme das dann gratis und darf es benutzen, wenn ich Lust darauf habe. So stellen sich viele auch heutzutage noch einen Endorsement-Deal vor. Was der Hersteller davon hat? Na klar, meine Popularität!! Nun ja, aber auch die wird von Musikern gerne mal überschätzt. Also, wie ist es denn jetzt wirklich? Was kann ich dafür tun, um einen Endorsement-Deal mit einem Hersteller zu bekommen? Dreh- und Angelpunkt für eine realistische Einschätzung, ob man Endorsement-tauglich ist und was man dafür tun muss, sind zwei Fragen: Was hat der Hersteller davon – was habe ich davon? Denn wenn man es aufs Wesentliche herunterbricht, geht es beim Endorsing doch genau darum. Der Hersteller tut etwas für mich, im Gegenzug tue ich etwas für ihn – und am Ende stehen beide Seiten besser da. Also, schauen wir uns zunächst mal an, wie so ein Endorsement funktioniert und was beide Seiten dazu beitragen (können).

Beim klassischen Deal gibt es im Normalfall zwei Parteien: Einen Hersteller oder dessen Vertrieb (also die Firma, die die Produkte in den Handel bringt) und einen Musiker oder gar eine ganze Band. Nun ist es so, dass diese Firmen nichts zu verschenken haben. Das ist völlig in Ordnung so, das Ganze soll ja eine Win-Win-Situation für beide Seiten werden. Was sich die Firma von ihren Endorsern erhofft, ist, dass diese zeigen, wie gut man mit ihnen arbeiten kann und sie Feedback zu den Instrumenten geben, welches dann in die Entwicklung einfließt. Und die Bekanntheit der Marke erhöhen sollen sie natürlich auch.

Das alles muss man natürlich erst mal bieten können. Wer sich also für ein Endorsement bewerben möchte, der sollte vorher realistisch abschätzen, inwieweit er oder sie die dafür nötigen Voraussetzungen mitbringt. Und ein paar Auftritte pro Jahr vor 100 oder 200 Leuten oder YouTube-Videos mit 1.000 oder auch 5.000 Plays machen dich noch nicht zum gesuchten Endorsement-Partner. Die gute Nachricht: Es ist auch nicht so, dass nur absolute Superstars in den Genuss der Unterstützung durch den Hersteller oder Vertrieb kommen. Denn wie so oft gibt es viele Wege, die zum Ziel führen.

Lass dich davon nicht entmutigen, mit etwas Einsatz und Erfolg kann man schnell ein interessanter Endorser werden. Schnöde Zahlen sind auch nicht alles. Was den Herstellern und Vertrieben aber sehr wichtig ist, ist eine vertrauensvolle und zuverlässige Zusammenarbeit. Zudem stehen Endorser hoch im Kurs, die nicht alle paar Monate bei einer neuen Firma aufschlagen bzw. anfragen. Denn welcher Fan glaubt schon noch, dass sein Lieblingsmusiker sein Equipment voller Überzeugung spielt, wenn er ständig etwas anderes benutzt. Dazu kommt: Die Musikinstrumentenbranche ist eine recht kleine und familiäre Branche – die Leute reden durchaus miteinander. Wer sich also überall gleichzeitig bewirbt, muss damit rechnen, dass er seine Chancen dadurch nicht gerade erhöht.


So ein Endorsement ist natürlich nicht nur ein Nehmen – der Hersteler oder Vertrieb erwartet auch gewisse Gegenleistungen.

Arten des Endorsements

Wenn du dich also um ein Endorsement bemühst, solltest du vorher deine Hausaufgaben machen. Was kann ich dem Hersteller oder Vertrieb bieten? Wie viele Leute erreiche ich aktuell mit meiner Musik, vor allem live und im Internet. Diese Zahlen wird dein Gegenüber wissen wollen. Du solltest dir auch Gedanken darüber machen, was du neben Auftritten leisten kannst. Gibst du etwa Unterricht oder machst Playthrough-Videos für YouTube? Solche Dinge sind Pluspunkte für dich. Was auch gut ankommt, ist, wenn dein potenzieller Ausrüster merkt, dass du dich mit seinen Produkten auseinandergesetzt hast – und nicht nur günstig irgendwas abgreifen möchtest. Und auch wenn es nicht klappt, frag freundlich nach, wo du dich verbessern kannst, um interessanter als Endorsement-Partner zu werden.

Dass man als Endorser direkt Equipment geschenkt bekommt und damit mehr oder weniger machen kann, was man möchte, ist ziemlich unwahrscheinlich. Die Annehmlichkeiten eines solchen Luxuspakets genießen nur Top-Stars – und die bringen auch eine entsprechende Außenwirkung mit. Doch es sollte ja nicht darum gehen, schnell mal ein bisschen Equipment abzugreifen. Es geht um Vertrauen, Zusammenarbeit und gegenseitigen Support. Was sind also typische Endorsement-Konditionen?


Der Einstieg ist typischerweise ein Rabatt-Endorsement, auch C-Endorsement genannt. Hierbei bekommt man Equipment zu einem günstigeren Preis. Nachlässe bis zu 50% oder mehr sind dabei gar nicht so selten. Der Vorteil: Du bekommst günstigeres Equipment. Der Vorteil für den Vertrieb: er hat geringe Kosten und wenig Risiko.

Ein Level höher, wenn es da auch keine ganz klaren Grenzen gibt, ist ein sogenanntes Leih-Endorsement, auch B-Endorsement genannt. Hierbei muss der Musiker kein Geld ausgeben, sondern bekommt das Equipment, das er braucht – wenn es nichts zu Abgefahrenes ist – kostenlos geliehen oder bereitgestellt. Anlass könnte eine Tour sein, Auftritte auf einem anderen Kontinent, Studioaufnahmen und vieles mehr. Hier muss man dann die „Werkzeuge“ nach einer festgelegten Zeit wieder zurückgeben, kann sie alternativ oft aber auch günstig erwerben.

Und nun kommt das, was eigentlich alle wollen: das Full-Endorsement, auch A-Endorsement genannt. Hier ist es Standard, dass man das Equipment, das man bekommt, behalten darf – und auch sonst bekommt man besten Support. Wenn man etwa für ein, zwei Shows nach Australien fliegt, aber kein Drumset mitnehmen kann, organisiert der Endorsement-Partner das beispielsweise. In der absolut obersten Liga ist man dann angekommen, wenn man gemeinsam mit dem Hersteller an neuem Equipment arbeitet oder sogar ein ganz persönliches Signature-Instrument bekommt. Doch diese Ehre wird nur wenigen Musikern zuteil.

Wenn man ein Endorsement anstrebt, sollte man sich im Klaren darüber sein, dass das im Normalfall der Beginn einer Zusammenarbeit ist – von der beide Seiten profitieren, wenn es gut gemacht wird. So bekommst du im Normalfall auch Support von deinem Endorsement-Partner. Nicht nur, wenn du Equipment an anderen Orten oder für spezielle Anlässe brauchst, sondern etwa auch, wenn etwas repariert werden muss. Wie weit das geht, hängt selbstverständlich auch davon ab, wie viel Außenwirkung du schon erzielst. Zudem haben die Hersteller oft auch Kontakte die Türen öffnen können, etwa zu Festivals oder Tourveranstaltern. Und auch wenn man als Vorführer auf Messen oder Workshop-Touren spielt, ist das gut für die Karriere – und bringt Geld.

Im Gegenzug sollte man versuchen, möglichst viel Außenwirkung zu erzielen. Das heißt, auf der Bühne, bei Videodrehs, in Interviews oder auf Fotos gilt es sein Equipment ins beste Licht zu rücken. Ist man schon etwas bekannter, sind auch Signing-Sessions und Marken-Festivals durchaus etwas, wozu man bereit sein sollte. Aber keine Sorge: Am besten funktioniert das Endorsement-Konstrukt, wenn beide Seiten sich gut verstehen und am gleichen Strang ziehen. Dann fühlt es sich gut an und bringt alle Beteiligten voran.

Unser Gesprächspartner & Artist Relation Manager David Turco.

Im Gespräch mit einem Artist Relation Manager

Jetzt wäre es natürlich interessant, zu erfahren, wie so ein Artist Relations Manager, also die Person, die bei Vertrieben und Herstellern darüber entscheidet, wer welche Art von Endorsement bekommt, denkt und worauf besonders großer Wert gelegt wird. Um das herauszufinden, sprachen wir mit David Turco, der bei Music & Sales (u.a. Hughes & Kettner und HK Audio) für diesen Bereich zuständig ist.

Music nStuff: Ab wann macht es Sinn, sich bei euch um ein Endorsement zu bewerben? Oder ist es eher üblich, dass ihr auf die Leute zugeht?
David Turco:
Prinzipiell macht es Sinn, wenn man als Künstler oder Band bereits einen gewissen Einflussbereich und eine attraktive Reichweite besitzt. Es gibt aber nicht das „eine“ Profil, in welches man passen muss, sondern es ist immer individuell. Schließlich steckt hinter jedem Endorsement ja auch eine menschliche Beziehung. In letzter Zeit arbeiten wir beispielsweise vermehrt mit „YouTube-Künstlern“ zusammen, weil diese in der heutigen Zeit teilweise mächtige Follower-Zahlen aufweisen. Selbst jemand, der auf Instagram mit seinem Spiel beeindruckt und entsprechende Abonnentenzahlen besitzt, kann interessant sein. Anhand der Interaktionen auf deren Kanälen ist der Erfolg der Zusammenarbeit auch wesentlich einfacher zu beurteilen.

Andere Referenzen wie Tourdaten, Recording-History, Label- und Verlagsverträge und andere Endorsements bilden weitere Orientierungspunkte. Was ich damit sagen will ist, dass man nicht unbedingt einen Major-Deal im Sack haben muss, um sich bei uns zu bewerben (zumal dies in der heutigen Zeit nicht mehr unbedingt der aussagekräftigste Punkt ist). Uns überzeugt man mit seiner Persönlichkeit, seinem Exposure, seinem Talent und ganz wichtig, der Loyalität zu unserer Marke.

Da wir aktiv mit Künstlern und Bands zusammenarbeiten, sind wir natürlich auch immer selbst auf der Suche und akquirieren stetig neue Kontakte. Wichtig für uns ist dabei immer der Fit zwischen Künstler/Band und Marke.

MnS: Was hilft ein Endorsement zu bekommen? Eher viele (gute) Konzerte, hohe YouTube-Plays, die Fähigkeit, gut und interessant über Equipment zu reden – oder etwas komplett anderes?
David:
Die Frage beantwortet sich quasi von selbst. Es gibt derer viele Möglichkeiten. Wie oben schon erwähnt kann man uns mit YouTube-Klickzahlen (solange die Interaktion organisch bleibt, also keine gekauften ☺), Social Media Follower und Inhalten, beeindruckenden Konzerten oder auch Support-Shows überzeugen. Ein ausgewogener Mix ist da natürlich das Beste. Experten auf einem dieser Felder sind aber auch immer wieder interessante Kandidaten.   
 
Zusammenfassend sind folgende Kriterien wichtig:

•    Reichweite in Social Media Kanälen (FB, YT, Insta, TW)
•    Verkaufszahlen & Chartpositionierungen (auch in speziellen Genres/ Nischen)
•    TV-, Studio- und Video-Exposure
•    Festivals und Touren
•    Andere Endorsements (in unserem Fall hauptsächlich Gitarren-Endorsements)
•    Aktivitäten im pädagogischen Bereich (Unterrichtsnachweise an Musikhochschulen usw.)

MnS: Gibt es bei euch verschiedene Arten von Endorsements?
David:
Wir unterteilen in A-, B- und C-Endorsements. So fallen C-Endorser meist unter die Kategorie regional wichtiger Meinungsmacher, während B-Endorser hingegen national bekannte Künstler sind. Die international bekannten Bands und Künstler hingegen werden als A-Endorser klassifiziert. Wichtig ist uns dabei die Bekanntheit entweder in den USA, Europa oder/und dem asiatischen Raum.

Beurteilungsgrundlage ist dabei eine Kombination aus Bekanntheitsgrad, Potenzial, Reaktionsfreudigkeit, Trendbewusstsein und weiteren meist qualitativen Anforderungen.

MnS: Was erwartete ihr von euren Endorsern (Fotosessions, Autogrammstunden, Workshops, „Pressearbeit“, usw.)?
David:
Zunächst erwarten wir eine gute und loyale Zusammenarbeit. Wir freuen uns natürlich über brauchbares Fotomaterial, welches wir auch auf unseren Kanälen veröffentlichen können, Fernsehmitschnitte, bei welchen das Equipment gut platziert zu sehen ist. Aber auch Clinics, Signing Sessions und Meet & Greets gehören zum Programm. Das heißt aber nicht, dass diese Arbeit komplett an unseren Endorsern hängen bleibt. Wie mehrfach erwähnt ist es immer ein Miteinander, sodass auch mal exklusive Ideen zusammen entwickelt und realisiert werden können.

Sehr wichtig für uns ist, dass der Endorser als Multiplikator und Markenbotschafter fungiert und das Bild nicht auf Grund anderer Endorsements im gleichen Bereich (bspw. Endorsements zweier verschiedener Gitarrenverstärkermarken zur gleichen Zeit) verzerrt wird.

MnS: Welchen Service bietet ihr im Gegenzug?
David:
Wir bieten unseren Endorsern zunächst einen festen Platz in unserer Familie und einen direkten Ansprechpartner. Darüber hinaus bieten wir A-Endorsern Tour Support (Equipment in anderen Ländern/ auf anderen Kontinenten), helfen aber gerne auch B-Endorsern (und in Ausnahmefällen auch C-Endorsern) ihr Equipment überall verfügbar zu haben.

Auf unserer Künstlerplattform erhält jeder Endorser sein eigenes Profil, welches regelmäßig upgedatet wird. Zudem kümmern wir uns um Interviews in Fachmagazinen, Promounterstützung bei anstehenden Touren oder Releases, teilen gerne qualitative Inhalte (wie bspw. Videos/ Playthroughs usw.) und koordinieren jegliche Werbemaßnahmen in diesem Zusammenhang. Der Gedanke, der hinter sämtlichen Aktivitäten steht, ist immer ein gemeinschaftlicher – das gilt sowohl für uns als Hersteller als auch für unsere Künstler.

MnS: Was sind die schlimmsten Fehler die (potenzielle) Endorser bei euch machen können bzw. was hat dich bei einem Endorser am meisten enttäuscht?
David:
Eine große Herausforderung besteht bei Endorsern, welche gleichzeitig mehrere Endorsements besitzen und unter Umständen bereits mit Mitbewerbern zusammenarbeiten oder in der Vergangenheit zusammengearbeitet haben. Dies erschwert den Imagetransfer zwischen Endorser und Marke und erweist sich teilweise als verwirrend. Zum anderen besitzt es einen negativen Einfluss auf die Glaubwürdigkeit und Vertrauenswürdigkeit der werbenden Person und Marke.
Ein weiteres Risiko besteht beispielsweise in der Verbreitung negativer PR über einen Endorser. Im schlimmsten Fall wird das dann negativ behaftete Image auf uns übertragen und stößt eventuell sogar auf Reaktanz.

Im Gegensatz dazu freuen wir uns sehr, wenn Endorser mit eigenen Ideen und Vorstellungen zu uns kommen und wir diese dann gemeinsam weiterentwickeln und umsetzen. Dabei darf man nie vergessen, dass immer beide Seiten davon profitieren. Neulich hatte zum Beispiel eine unserer Bands die Idee, ihre Album-Release-Show bei uns im Showroom zu spielen und diese dann via Live-Stream öffentlich verfügbar zu machen. Das wird sicherlich eine tolle und spannende Erfahrung.

MnS: Wie wichtig sind Endorser für euch bzw. die Außenwirkung eurer Produkte?
David:
Die Zusammenarbeit mit Endorsern ist fester Bestandteil unserer Kommunikationsstrategie. Als Hersteller von Gitarrenamps bzw. Beschallungsanlagen ist uns diese gleich auf mehreren Ebenen wichtig, so schätzen wir u.a. professionelle Feedbacks zu unseren Produkten und den Einsatz in professioneller Live- und Studio-Umgebung.





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