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Im Fokus: CITES – Der aktuelle Stand

Allzeit bereit

Noch mehr Regeln und Vorschriften? Jetzt sogar schon für Instrumente? Wir sorgen für Durchblick.


Allzeit bereit

Musikinstrumente und Naturschutz – besteht da einen ­Zusammenhang? Klar, wenn man bedenkt, dass viele zum Großteil aus Holz sind. Seit 2. Januar 2017 gibt es neue Beschränkungen im Rahmen des sogenannten CITES-Abkommens. Doch was bedeutet das für meine Instrumente? Und wie sieht es bei einem Neukauf aus?

Wir Musiker leben ja gedanklich oft in unserer ganz eigenen Welt. Wir wollen eigentlich nur mit unserer Kunst und anderen Musikern zu tun haben. Doch auch wir können unsere Augen nicht vor wichtigen Entwicklungen und Themen verschließen. Und Umweltschutz sowie der Klimawandel sind mit Sicherheit solche Themen. Doch betrifft das überhaupt ­meine Musik? Ja, denn abgesehen vom Herumreisen und Stromverbrauchen haben wir Musiker auch deshalb einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Umwelt, da ein Großteil unserer Instrumente aus Holz gefertigt wird. Doch normalerweise verlassen wir uns darauf, dass die Hersteller das Holz von seriösen Quellen beziehen. Das ist soweit auch korrekt.

Seit Beginn dieses Jahres, genauer gesagt seit dem 2. Januar 2017, ist der sogenannte ­CITES-Anhang-II in Kraft. Sozusagen eine Ergänzung zu den bisherigen CITES-Vereinbarungen. „Moment mal, CITES? Was issn das?“ Die Abkürzung steht für „Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora“, also übersetzt ungefähr: Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten wild lebender Tiere und Pflanzen. Diese ­Konvention soll einen nachhaltigen internationalen Handel mit den in ihren Anhängen gelisteten Tieren und Pflanzen gewährleisten. Ein typisches Beispiel dafür wäre das Geschäft mit Elfenbein – und welcher Musiker würde heute schon wollen, dass ein Elefant für seine Klaviertastatur sterben muss?

Das Ganze betrifft aber eben nicht nur Tiere, sondern auch gefährdete Pflanzenarten. Klare ­Sache, viele Musikinstrumente bestehen zu einem nicht geringen Teil aus Holz. Beispiele wären Gitarren, Drums, Streichinstrumente oder ­Klaviere. Nun gab es auch in der Vergangenheit schon Einschränkungen für bestimmte Hölzer. Seit 1992 etwa ist das sogenannte Rio-Palisander (botanisch: Dalbergia nigra), ein edles Klangholz, quasi vom Instrumentenmarkt verschwunden, weil der kommerzielle Handel damit verboten wurde. Dummerweise galt und gilt die Regelung aber ­ebenso für Instrumente, die weit vor 1992 hergestellt wurden – das geht sogar zurück bis 1947. Deshalb sind beispielsweise nicht wenige alte Fenders und Gibsons betroffen. Da es aber relativ wenige Leute angeht, nahm kaum jemand Notiz davon, bis vor gut fünf Jahren die Probleme anfingen, dass Instrumente beschlagnahmt wurden und man sich nicht mehr sicher war, ob man sich mit seinem Instrument überhaupt noch guten Gewissens in die Öffentlichkeit wagen konnte. Und das ist ja eine echte Horrorvorstellung: Dass man mit seinem Instrument zu einem Gig geht oder in den Urlaub fährt und dann Probleme mit den Behörden bekommt. Nein, danke.


Gerade bei alten Instrumenten fehlen oft die entsprechenden Dokumente.

Jetzt ist es zu spät, oder?

Im aktuellen, am 2. Januar 2017 in Kraft getretenen Zusatz zur CITES-II-Liste sieht das Ganze etwas anders aus. Hier sind die Regelungen ­weniger schlimm. Wer seine Instrumente registriert – was recht einfach ist beziehungsweise sein soll –, hat nichts zu befürchten. Auch unregistriert drohen zunächst keine Probleme – dazu später mehr. Dafür betrifft es deutlich mehr Instrumente, da es diesmal unter anderem die Hölzer Palisander (bot.: Dalbergia spp.), Bubinga (bot.: Guibourtia tessmannii, Guibourtia pellegriniana und Guibourtia demeusei) oder African Rosewood (bot.: Pterocarpus erinaceus) betrifft, die in sehr viele Instrumenten verbaut sind. Zum Beispiel millionenfach in Gitarrengriffbrettern. Man sieht schon, hier wurde ein großes Fass aufgemacht. Zudem trat die Neuregelung bereits knapp drei Monate nach der CITES-Konferenz in Kraft. Händler, Vertriebe und Hersteller hatten also kaum Zeit, sich auf die neue Situation einzustellen – die Behörden übrigens auch nicht, weshalb man dort entweder mit Ahnungslosigkeit und/oder langen Wartezeiten rechnen muss.

Was steht in der neuen Regulierung?
So, jetzt wird es leider etwas bürokratisch. Doch keine Panik, auf den Alltag wirkt sich das alles gar nicht so schlimm aus. Was genau steht denn nun im ­CITES-Anhang-II? „Auf der 17. CITES-Vertrags­staaten­konferenz, die im September/Oktober 2016 in Johannesburg (Südafrika) stattfand, wurden weitere Baum- und Holzarten in den Anhang II des Übereinkommens aufgenommen sowie für bereits geschützte Holzarten Änderungen vor­genommen.“ Welche Holzarten das noch sind, kann man leicht im Internet herausfinden. Und weiter: „Bei den in Anhang II gelisteten Arten ist ein kommerzieller Handel nach einer Unbedenklichkeitsprüfung des ­Ausfuhrstaates möglich. Dabei wird geprüft, ob der Handel den Fortbestand der Art gefährdet. Die ­zuständige Behörde führt ein Monitoring durch und setzt Maßnahmen, die eine nachhaltige Nutzung ermöglichen. Es ist eine Ausfuhrgenehmigung notwendig.“ Daraus folgt, dass man seit Januar eigentlich für jedes Instrument, in dem eine der gelisteten Holzsorten verbaut ist, ein Dokument benötigt, um Nachweisen zu können, dass man auch rechtmäßig in Besitz dieses Holzes gekommen ist und es nicht irgendwo illegal exportiert wurde. Die „gute“ Nachricht: Aufgrund der Plötzlichkeit des Inkrafttretens und der Menge an Produkten (es betrifft ja zum Beispiel auch Möbel und ähnliche Branchen) sind die Behörden aktuell massiv überfordert. Es wäre also über­raschend, wenn ein Musiker plötzlich ernste Pro­bleme bekommen würde. Aber erstens ist das ja nicht der Sinn und Zweck von im Grunde vernünftigen Regulierungen und zweitens will man ja sein Equipment nicht mit einem unguten Gefühl transportieren.

Nun, wenn du wirklich auf Nummer sicher gehen willst, dass alles korrekt ist, dann solltest du alle deine Instrumente mit entsprechenden Hölzern registrieren lassen. Dummerweise ist das nicht ganz unkompliziert. Es fängt nämlich schon damit an, dass in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Behörden dafür zuständig sind. In Bayern sind das etwa vor allem die Landratsämter, in Brandenburg dagegen das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. Aber wenn du dein Instrument mal verkaufen oder mit mehr als 10 kg des Holzes aus der EU ausreisen möchtest, kommst du da nicht herum.

Alexander Heger vom Musikhaus Kirstein sprach mit uns über CITES und die Auswirkungen.

Interview mit Alexander Heger vom Musikhaus Kirstein

Der Musikhandel wurde vom CITES-Anhang-II und dem Tempo, mit dem er in Kraft trat, im Herbst ebenso überrascht wie Hersteller und Musiker. Wir sprachen mit Alexander Heger, dem Marketing­leiter bei Musikhaus Kirstein, darüber, wie CITES den Alltag im Musikhandel beeinflusst.

Music nStuff: Wann habt ihr als Händler zum ersten Mal von der Neuregelung durch den CITES-Anhang-II gehört?
Alexander Heger:
Erfahren haben wir davon Mitte November durch ein Lieferantenanschreiben. Sie waren auf der CITES-Konferenz (die im Herbst in Johannisburg stattfand; Anm. d. A.). Die Erfassung der Ist-Bestände und Vorerwerbsnachweise konnten wir termingerecht durchführen. Bei Neulieferungen fehlen bei vielen Lieferanten noch Dokumente. Die gesamte Branche wurde von dem Thema überrollt.

MnS: Habt ihr deswegen viele Anfragen von Kunden? Oder ignoriert die Mehrheit das Thema (noch)?
Alexander:
Anfragen seitens Kunden sind relativ gering.

MnS: Welche Regelungen von CITES-Anhang-II betreffen euch und den Alltag im Laden beziehungsweise beim Versand am meisten?
Alexander:
Unsere Warenwirtschaft musste erweitert werden, Instrumente mit Import-/Export-Nachweisen durch den gesamten Weg vom Wareneingang (Datenerfassung) bis zum Warenausgang (Nachweis auf Rechnung) durchgeschleust und dokumentiert werden. 

MnS: Bekommt ihr dennoch reibungslos alle Instrumente, oder ist mit Verzögerungen zu rechnen?
Alexander:
Einige (auch zum Beispiel große amerikanische Gitarrenhersteller) haben noch Lieferengpässe, da sie die entsprechenden Nachweisdokumente nicht vorlegen können.

MnS: Ist schon abzusehen, dass ihr oder einzelne Hersteller das Programm auf andere Materialien umstellen werden?
Alexander: Einige (meist kleinere) Lieferanten haben sich in der Richtung bereits geäußert.

MnS: Bekommt man zu jedem bei euch ab 2017 gekauften Instrument die entsprechenden Unterlagen, die man für einen eventuellen Verkauf, Reisen oder ähnliches braucht?
Alexander: Ja, hier kommen wir unseren Verpflichtungen uneingeschränkt nach.

MnS: Wenn man ein älteres Instrument von euch besitzt, kann man die benötigten Unterlagen von euch bekommen? Oder wohin würdet ihr euch wenden?
Alexander:
Ist bereits bekannt, dass das Instrument entsprechende Holzbestandteile enthält, empfehlen wir dem Kunden, bei seiner zuständigen Behörde (in Deutschland etwa Landrats­ämter oder Stadtverwaltungen) den Vorerwerb zu beantragen. Sollte der ­Kunde keine Originalbelege (Rechnung) mehr haben, können wir diese aus unserem Warenwirtschaftssystem bis 2006 rückwirkend ohne großen Aufwand bekommen. Bei Anfragen an den Hersteller des Instruments bezüglich verwendeter Hölzer können wir Hilfestellung leisten, die Kommunikation selbst muss aber der Besitzer des Instruments übernehmen. Das würde unsere Möglichkeiten sprengen.

MnS: Worin bestehen eures Wissens die Einschränkungen für „Otto-Normal-Musiker“?
Alexander:
Bei Reisen ins Ausland (auch außerhalb der EU) fast keine. Instrumente mit einem Bestandteil bis 10 kg der Hölzer unter CITES-Anhang-II können ohne Formalitäten mitgenommen werden. Einschränkungen gibt es beim Verkauf eines Instruments (auch beim Privatverkauf). Hier müssen auf Verlangen des Käufers die Nachweisdokumente über den legalen Import oder Vorerwerb vorgelegt werden.

MnS: Wenn ich mir nicht sicher bin, ob mein Instrument Teile aus beispielsweise Palisanderhölzern hat, ich aber auch keine Informationen im Internet finde, gibt es eine einfach Möglichkeit, herauszufinden, um welches Holz es sich handelt?
Alexander:
Die gibt es leider nicht. Wir als Händler sind darauf angewiesen, was der Hersteller angibt. Hilfreich ist hier natürlich, wenn das Instrument über eine Seriennummer verfügt oder das Baujahr bekannt ist. Anhand dieser Daten können die verwendeten Holz­arten beim Lieferanten erfragt werden. Selbst ein Instrumentenbauer kann durch reines Ansehen nicht mit Sicherheit sagen, um welche Holzart es sich handelt. Ist die Holzart unbekannt, kann dies eigentlich nur ein wissenschaftliches Labor mit einer aufwändigen Analyse bestimmen. In Europa führend ist hier das Thünen-Institut in Hamburg (www.thuenen.de/de/hf/). Das rechnet sich aber nur bei sehr wertvollen Instrumenten.

Geprächspartner: Alexander Heger, Musikhaus Kirstein



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