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Interview: Robbie Williams

Krönungsmesse Deluxe

Im Interview überrascht Robbie Williams mit sehr persönlichen Eingeständnissen.


Krönungsmesse ...

Er ist einer der größten Popstars unserer Zeit: Robbie Williams. Und das liegt nicht nur an der Masse an Hits, die er vorzuweisen hat, sondern auch an seinem unfassbaren Charisma. Im Sommer beehrte er Deutschland mit der gigantischen „Take The Crown“-Tour. Wir trafen ihn zum Interview.

Es gibt nicht viele Acts, die es schaffen, problemlos Stadien zu füllen ... und das quasi Weltweit. Aber Robbie Williams gehört definitiv zu diesem elitären Kreis. Und das ist keine große Überraschung, schließlich wandelt der Brite seit seinem Ausstieg bei Take That im Jahr 1995 auch Solo auf der Erfolgsspur. Mittlerweile hat er rund 70 Millionen Alben verkauft, ist regelmäßig in obersten Chartregionen zu finden und hat Hits wie „Angels“, „Let Me Entertain You“ oder „Rock DJ“ im Gepäck. 

Auch der aktuelle Longplayer „Take The Crown“ schoss in vielen Ländern direkt auf Platz 1 der Charts. Dementsprechend groß war der Ansturm auf die Tickets der gleichnamigen Stadium Tour. Wer daran teilnehmen wollte, musste sich also beeilen. Unsere Autorin traf Robbie Williams schon vor der Konzertreise in London. „Hi Darling“ lautet seine Begrüßung, und es gibt Küsschen auf die Wangen.  

Großbritanniens kommerziell erfolgreichster Popstar wirkt kumpelhaft und entspannt. Nach der Rekorde brechenden Reuniontour mit Take That und seinem erfolgreichen Soloalbum „Take The Crown“ will der 39-jährige es nun auch wieder als Solo-Entertainer wissen. Im Interview erzählt er von „Angels“-Momenten, toten Winkeln und Menschenansammlungen, die ihm nicht geheuer sind.


Robbie Williams hat das komplette Stadion jederzeit im Griff.

Ein Wechselbad der Gefühle

Music nStuff: Robbie, ich habe dich letztes Jahr ein wenig vermisst, wo ich Take That doch im Jahr zuvor gleich mehrmals live erleben durfte.
Robbie Williams: Auf der „Progress“-Tour? Das ist nett. Hat es dir gefallen?

Music nStuff: Na klar! Besonders die Pirouetten zum Klassiker „Pray“!
Robbie: Oh ja, unsere Pirouetten kamen immer sehr gut an. Hast du Bier getrunken?

Music nStuff: Nein, warum?
Robbie: Weil Take That an Orten wie Manchester die Bier-Rekorde im Stadion gebrochen haben. Bei uns wurde mehr Bier getrunken als beim Fußball! Und da sagt man immer, unsere Konzerte wären nur was für Frauen!

Music nStuff: Gleiches gilt wohl auch für deine eigenen Konzerte. Würde es die „Take The Crown“-Solotour ohne die Take-That-Reunion überhaupt geben?
Robbie: Nein, garantiert nicht! Vor der Reunion mit den Jungs war ich extrem gelangweilt, lethargisch und in Bezug auf meine Karriere absolut apathisch. Ich musste meine Bühnenangst überwinden, Selbstbewusstsein tanken und mein Mojo wieder finden. Deshalb war die Tour mit den Jungs so wichtig für mich. Ich bin wieder heiß auf die Euphorie im Stadion!

Music nStuff: Fühlst du dich sexy auf der Bühne?
Robbie: Nein, ich gebe lediglich vor, mich sexy und großartig zu fühlen. Wirklich, das ist es, was ich tue!

Music nStuff: Aber du bist doch derzeit prima in Form, so wie du aussiehst!
Robbie: Ich kann nun mal nicht auf die Bühne gehen, wenn ich an Gewicht zulegt habe. Es lässt mich einfach nicht gut fühlen. (Beugt sich rüber und spannt die Armmuskeln an) Fass mal an! Besonders den Muskel hier hinten, der war harte Arbeit.

Music nStuff: Ja, danach fühlt er sich auch an.
Robbie: Wenn ich nicht arbeiten würde, säße ich jetzt vorm Fernseher, würde Kuchen und meine Lieblings-Chips von Kettle futtern und in die Breite wachsen. Insofern ist diese Tour für mich das beste Gewichtsreduktionsprogramm.

Music nStuff: Auf deiner Webseite hast du mal geschrieben, dass du eine ausgeprägte Agoraphobie  (Angst bzw. ein starkes Unwohlsein an bestimmten Orten; Anm. d Red.) hast.
Robbie: Ja, das klingt paradox für einen Popstar, nicht wahr? Aber ich fühle mich wirklich unwohl bei größeren Menschenansammlungen. Und ich verlasse nur ungern das Haus.

Music nStuff: Hast du eine Erklärung, warum das so ist?
Robbie: Nein, nicht wirklich. Es ist nicht so überwältigend, dass ich gar nicht mehr vor die Tür treten möchte. Aber ich bin nun mal lieber im Haus. Mein Vater ist diesbezüglich übrigens genauso, und er ist nicht berühmt.

Bei Songs wie Robbies Überhit „Angels“ singt das ganze Publikum mit.

Von der Kunst sich immer wieder zu motivieren

Music nStuff: Fühlst du dich denn in diesem Moment wohl, in dieser Hotelsuite mit mir zu sitzen?
Robbie: Ja, alles ist cool, danke der Nachfrage! Ich weiß wirklich nicht, ob das so ein Ruhm-Ding ist oder einfach in meiner DNS liegt. Ich mag es nicht, Konzerte zu besuchen, tue es deshalb auch sehr selten. Ich mag es nicht, ins Kino zu gehen oder sonst irgendwo hin, wo zu viele Leute sind. Meine Karriere ist es, die mich dazu zwingt, mich unter Menschen zu begeben.

Music nStuff: Aber das bringt auch schöne Momente mit sich: Bei deinem Klassiker „Angels“ singt immer das ganze Stadion mit. Ein irres Gefühl?
Robbie: Absolut! „Angels“ ist sowieso ein besonderer Song für mich, denn er hat mir meine Karriere geebnet. Es ist bei jedem Album meine Ambition, ein zweites „Angels“ zu schreiben. Bisher ist mir das leider nicht gelungen. Das Lied ist deshalb auch eine Motivation für mich, weiter zu machen.

Music nStuff: Was motiviert dich sonst noch, es wieder allen zeigen zu wollen?
Robbie: Das ist wie bei Bayern München: Es gibt immer eine neue Saison, es gibt einen neuen Wettbewerb! Und das übt momentan eine ungeheure Anziehung auf mich aus. Ich bin mir sicher, dass ich auch irgendwann in meiner Karriere an den Punkt komme, wo meine Konkurrenz denkende Natur sich ein wenig legt. Aber noch bin ich nicht soweit, noch habe ich den Ehrgeiz zu kämpfen.

Music nStuff: Braucht man als Popstar nicht sogar das Konkurrenzdenken?
Robbie: Vermutlich. Wenn du dir Leute wie Elton John oder Paul McCartney anguckst, sind die immer noch so wetteifernd wie früher. Und die wollen immer noch im Radio gespielt werden, die wollen immer noch unverzichtbar sein. Dafür kannst du Leute nicht verurteilen. Weil es in der menschlichen Natur liegt, erfolgreich zu sein. Sonst wären wir alle tot, und keiner wäre mehr hier. Aber wer weiß? Vermutlich liegt meine Zukunft ja im Swing? Dann gibt es den freundlichen, sanftmütigen Robbie Williams für alle.

Robbie Williams, seine Band und die Techniker sind ein eingespieltes Team.

Die Selbstzweifel des Herrn Williams

Music nStuff: Du hast dich selbst mal als nachdenklichen, unbeholfenen Mann beschrieben. Ist das die Seite an dir, die die Öffentlichkeit nicht zu sehen bekommt?
Robbie: Ach, ich habe doch so viel von mir preisgegeben! Aber gleichzeitig denke ich, dass die Bühnenperson Robbie solche Überzeugungskraft hat, dass die Leute annehmen, ich sei auch privat so – aber dem ist nicht so.
 
Music nStuff: Was mag Robbie Williams heute an sich?
Robbie: Hm, schwierig. Ich würde sagen, da ist nicht mehr dieser tiefe Selbstekel, den ich einst für mich hatte. Aber was mag ich an mir selbst? Ich weiß es nicht. Ich habe da eine konstante Neurose. Eigentlich denke ich, dass ich ein guter Typ bin. Das denke ich schon seit meinen Zwanzigern. Aber bin ich ein guter Typ? Oder bin ich doch ein Psychopath? Verdammt, ich bin eventuell ein Psychopath! Dann habe ich mir wohl die ganze Zeit selbst etwas vorgemacht.

Music nStuff: So denkst du über dich?
Robbie: Das ist zumindest, was manchmal in mir vorgeht. Vielleicht ist meine Selbstwahrnehmung völlig falsch: Es könnte doch sein, dass ich ein verdammter, egoistischer, narzisstischer Alptraum bin! Denn Menschen haben tote Winkel beim Blick auf sich selbst. Was ist mein toter Winkel? Haha, ja, vielleicht bin ich echt ein Arschloch.

Robbie Williams ist auf der Bühne ganz in seinem Element – und das spürt auch das Publikum.

Biografie Robbie Williams

Der 1974 geborene Robert Peter Williams stand von frühester Kindheit an auf der Bühne – nicht nur als Musiker, sondern auch als Schauspieler. Seinen großen Durchbruch hatte er 1990, als er für Take That gecastet wurde. Doch schon 1995 stieg er aus dem megaerfolgreichen Quintett aus, um seine Solokarriere zu starten – und markierte damit den Anfang vom Ende für Take That, zumindest vorerst. Parallel zum Ausstieg bei Take That hatte der Brite schon länger mit Drogen- und Alkoholproblemen zu kämpfen. Umso überraschter war die Branche, dass nicht Take-That-Kollege Gary Barlow, sondern er der mit Abstand erfolgreichste Künstler der ehemaligen Boyband wurde. Spätestens mit seinem 1997er Hit „Angels“ kam er auch solo an der Spitze der Popwelt an und hat sich von dort seitdem auch nicht mehr verdrängen lassen. Über 70 Millionen verkaufte Platten und weltweit ausverkaufte Tourneen sprechen da eine sehr deutliche Sprache. Info: www.robbiewilliams.com



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